Der CARINTHISCHE SOMMER weht mit Vergangenheits- und Zukunftsahnungen auch außerhalb des Festivalsommers durch Kärnten und darüber hinaus. Über ihren inneren Leitsatz „Musik – Literatur – Diskurs“ der diesjährigen Festivalausgabe und das Motto „fern&nah“ sprach die Leiterin NADJA KAYALI mit Sylvia Wendrock.
Der Carinthische Sommer ist mir im Mai im Veranstaltungskalender des Musiksalon Wien begegnet. Da gastierte die Geigerin Judith Fliedl mit einem Experimentalkonzert, worin sie zusammen mit Gerd Kühr für das Festival ein Werk erarbeitet.
Nadja Kayali: Judith Fliedl war mit der Frage an mich herangetreten, ob ich mir vorstellen könnte, im Rahmen des Carinthischen Sommers ein Projekt zu ermöglichen, das darin besteht, ein Stück, das Gerd Kühr schreibt, mit Publikumsbeteiligung zu entwickeln und außerdem zu schauen, wie man gemeinsam mit Neuer Musik einen Abend kuratieren und damit Neue Musik auch besser zugänglich machen kann. Es sollte also nicht nur eine Uraufführung, sondern tatsächlich eine Begleitung dieses Projektes geben. Daher war am 7. Mai ein Musiksalon, den ich ja auch co-kuratiere und jährlich eine Koproduktion mit dem Carinthischen Sommer organisiere, mit einem im Prozess befindlichen Stück von Gerd Kühr. Wir konnten also schon in einen fortgeschrittenen Zustand von Publikumsbefragung zu etwas Speziellem kommen. Ich mag es, solchen musikalischen Experimenten Raum und jungen, hochprofessionellen Musiker:innen die Chance zu geben, etwas auszuprobieren. Judith Fliedl ist ja nicht nur Musikerin, sondern auch Forscherin – somit repräsentiert sie eine Ebene von Diskurs mit, die bei meinem Festival immer mitschwingt.

Kunst und Kultur auf Schiene bei der Westbahn lassen wieder einen ganz neuen Draht erglühen. Ist das ein weiterer Versuch, die Öffnung hin zu einem breiteren Publikum zu ermöglichen? Schiene und Zug verkörpern so exemplarisch Verbindung und Bewegung über Schwellen.
Nadja Kayali: Für uns war natürlich die Eröffnung des Koralmtunnels dieses Jahr eine riesige Geschichte. Von Villach nach Graz brauche man mit dem Zug jetzt nur mehr eine Stunde. Das heißt, jeder und jede kann nach dem Konzert aus Villach wieder nach Graz nach Hause fahren. Das öffnet neue Möglichkeiten. Außerdem haben wir ja noch dazu die Westbahn. Der Industrielle Hans Peter Haselsteiner, dem die Westbahn gehört, ist einer, der Kunst und Kultur ermöglicht. Er wollte die Außenwände der Westbahn kulturell gestalten. Folglich fährt sie jetzt mit einem Carinthischen Sommer-Waggon, aber es gibt auch das Ensemble Porcia, die Künstlerstadt Gmünd, das Bachmann Haus, das Museum Liaunig – wir zeigen mit Zügen, die durch Österreich fahren, was wir alles in Kärnten an toller Kunst zu bieten haben.
Es geht nicht ums Vergrößern, aber ums Verbinden?
Nadja Kayali: Das ist manchmal nicht ganz einfach, weil es für viele ein fremdes Konzept ist. Aber ich glaube, es ist das Konzept der Zukunft.
Zukunft! Das Wort, das sich mir innerlich an die Überschrift „Dritter Festivaljahrgang“ geheftet hat: Der Fokus von Komponistinnen und Musikerinnen auf der Bühne, die Unterstützung junger Ensembles und experimenteller Formate, die Begegnung von Alter und Neuer Musik, der kategorienlose Umgang mit Musik an sich. Und der Einbezug angrenzender und nicht angrenzender Länder, nicht als Exotismus, sondern zum Öffnen des Horizontes.
Nadja Kayali: Und wenn man will, kann man die Motti der drei Jahre Persönlich – Bewegt – fern&nah zusammenschreiben.
Der literarische Schwerpunkt liegt dieses Jahr natürlich auf Ingeborg Bachmanns 100. Jahrestag …
Nadja Kayali: Natürlich ist dieses Jahr die Bachmann wichtig. Deswegen gibt es gleich mehrere Projekte mit ihr: einmal den Briefwechsel mit Paul Celan in Form einer Ko-Produktion mit dem Theater in der Josefstadt und seiner neuen Intendantin Marie Rötzer, einen Bachmann-Abend mit Birgit Minichmayr und Helene Glüxam und einer Musikfarbe, von der ich glaube, dass sie für die Bachmann-Rezeption sehr spannend ist, weil der Kontrabass so sehr in die Tiefe geht und Helene Glüxam mit ihrer eigenen Stimme ein zartes, brüchiges Element mit hineinbringt. Dieses Zusammenspiel von Birgit Minichmayr und Helene Glüxam, die ja gerade mit ihrem Instrument und ihrer Stimme solistisch neue Wege geht, verheißt eine sehr tolle Kombination, Bachmanns Texte auf einer anderen Ebene zu transportieren. Außerdem ist Wolfgang Suppan beauftragt, einen Bachmann-Text zu vertonen, was im kärnten.museum mit der Company of Music uraufgeführt wird.
„Wir haben in Wahrheit einen Iran-Fokus, obwohl ich mir zur Zeit der Planung nicht vorstellen konnte, dass es derart aktuell sein würde.“
Eröffnet wird der Carinthische Sommer literarisch-musikalisch aber mit einem persischen Bezug.
Nadja Kayali: Wir haben in Wahrheit einen Iran-Fokus, obwohl ich mir zur Zeit der Planung nicht vorstellen konnte, dass es derart aktuell sein würde. Wir starten das Eröffnungskonzert mit einem Werk, das nie in Österreich gespielt wurde, obwohl es mehr als 100 Jahre alt ist: „Les heures persanes“ von Charles Koechlin. Er ist auch ein Komponist, den man bei uns kaum kennt, der aber wunderbare Musik geschrieben hat, die sehr filigran und nicht dramatisch ist, auf die Klangfarben abzielt und eine besondere Atmosphäre bietet. Die Musik basiert auf dem Roman von Pierre Loti, der 1904 eine Reise nach Iran durch die Wüste zur Rosenblüte nach Isfahan unternahm. Das klingt exotistisch und ist es auch. Also wie geht man mit einem solchen Text und der Musik um, die sich auf diesen Text bezieht, meiner Meinung nach aber nicht exotistisch ist? Petra Morzé, eine westliche Frau, wird diesen Text lesen. So eine Reise war einer westlichen Frau in der damaligen Zeit kaum möglich und ist es bis heute kaum. Man könnte versuchen, sich zu fragen, was es bedeutet, dass eine Frau diesen Text liest und wie das zusammenpasst. Und ich habe Golnar Shahyar, eine unserer beiden Festival Artists, und Mahan Mirarab eingeladen, vor dem Konzert des Orchesters einen aktuellen Impuls zu setzen. Das ändert sich derzeit noch im Prozess, weil die beiden genau darauf eingehen werden, was gerade im Iran passiert. Aber vielleicht entsteht ein Bezug auf ganz anderer Ebene und wird gar nicht so politisch, wie es gerade klingt.
Woran lässt sich der Iran-Fokus noch ablesen?

Nadja Kayali: Heuer sind Golnar Shahyar und Anna Anderluh Festival Artists. Ich bin komplett weggegangen von der Konvention klassischer Festival Artists und habe zwei Frauen aus fern und nah in den Mittelpunkt gerückt, mein Doppelmotto also auch auf zwei Festival Artists gelegt. Die in Graz lebende persisch-deutsche Schriftstellerin Nava Ebrahimi, die sogar für den Deutschen Buchpreis nominiert und auch Bachmann-Preisträgerin war, habe ich gebeten, eine Episode aus dem „Buch der Könige“, dem „Schahnameh“, mit ihrer Sprache und Gedankenwelt in die Gegenwart zu heben und dann melodramatisch mit der Band Kurdophone an einem Abend zu performen. Kurdophone ist eine kurdisch-persisch-österreichische Band, in der auch Helene Glüxam mitspielt.
Außerdem gibt es noch einen Auftrag zur Vertonung an Sarvenaz Safari für Akkordeon und Sopran über einen Text von Saadi, einem persischen Schriftsteller, der im 13. Jahrhundert den „Rosengarten“ – „Golestan“ – geschrieben hat, ein Vademecum, ein literarischer Lebenshelfer. Es gibt darin diese Passage über das Einatmen und das Ausatmen, die ich auf meinem Weg nach Iran im Jahr 2000 auswendig gelernt und seither nicht mehr aus der Erinnerung verloren habe.
Die literarischen Vorlagen entspringen Ihrer Kuration?
Nadja Kayali: Meistens. Das Eröffnungskonzert habe ich komplett kuratiert. Es war mir bereits seit sehr vielen Jahren durch den Kopf gegangen und ich wusste: Das wird niemand anderer zur Aufführung bringen. Immer hatte ich das RSO mit diesem Werk im Ohr. Und ich dachte mir, in einem Eröffnungskonzert kann man auch etwas weniger Bekanntes programmieren. Der Vorschlag zu „Schahnameh“ kam aber von Kurdophone. Es entstehen oft Dinge gemeinsam bei der Programmierung, vieles denk ich mir aber auch selbst aus. Ich kann relativ schnell mit Vorschlägen umgehen und weiß sofort, ob sie zum Gesamtkontext passen oder nicht.
Auch Impulse in der Hofburgkapelle ist beispielsweise so ein Lesungsformat, mit dem Sie für das Festival präsent sind.
Nadja Kayali: Ja, aber das werden wir wahrscheinlich aufhören. Ich glaube, nach dem dritten Jahr wird sich einiges ändern. Drei Jahre ist eine gute Zeit, um einen Schnitt zu machen. Man sieht ja, dass sich das Programm jedes Jahr deutlich verändert, was sich im vierten Jahr noch einmal verstärken wird. Im Kopf beschäftige ich mich jedenfalls schon längst damit.
„Um etwas Neues zu entdecken, muss man ja auch Zufälle zulassen.“
Wann lesen Sie, wann begegnen Sie den aktiven Künstler:innen, aber auch diesem großem Repertoire-Hintergrund? Ein riesiges Fundament. Und in der Aktualität zu bleiben, bedeutet ja, immerfort wach und in Kontakt zu sein.
Nadja Kayali: Das ist nicht so einfach. Ich habe unentwegt wahnsinnig viele Ideen und kann davon nur einen Bruchteil umsetzen. Um etwas Neues zu entdecken, muss man ja auch Zufälle zulassen. Das Duo Siedl/Cao hätte ich allein nicht gefunden. Ich bin zum Beispiel auch sehr dankbar für den fantastischen Organisten und Orgelkurator Wolfgang Kogert, weil ich keine speziellen Kenntnisse auf diesem Gebiet habe, aber weiß, dass mir die Orgel wichtig ist. Er arbeitet eng mit mir zusammen, aber ich kann ihm auch viel Freiheit lassen.

Ein weiterer Impuls im Programm ist Arts for Health.
Nadja Kayali: Gesundheit mit den Künsten zu verbinden, ist aus meiner Sicht ein sehr zukunftsweisendes Konzept. Es spielt jetzt schon in jedem Sommer eine große Rolle, aber ich möchte es noch stärker in den Carinthischen Sommer einbauen. Bea Robein sagt immer: „Wir tragen in uns ein eingebautes Wellness-System, das wir am besten durch Musik, durch Summen und Atmen und durch ein Miteinander aktivieren können.“ Und ich glaube auch, dass die Kunst, allen voran die Musik, die Resilienz, die wir brauchen, stärkt und steigert. Es ist an der Zeit, mit unseren Festivals und Kunstinstitutionen neue Wege zu denken. Was ist denn unser Platz in der Gesellschaft? Ich glaube sehr tief daran, dass wir Verbindung erzeugen müssen. Es geht mir nicht darum, mit den Künsten zu provozieren. Dieser Typ, der da im Oval Office sitzt, provoziert mehr als jeder Performancekünstler. Ich sehe nicht, was man dem entgegensetzen kann. Aber ich habe ein Interesse daran, Verbindung zu schaffen, das Miteinander zu stärken und möchte trotzdem anspruchsvoll sein dürfen, auch fordernd.
Es gibt den Carinthischen Sommer auch im Winter, wenn Sie Adventskonzerte in der Villacher Kirche veranstalten.
Nadja Kayali: Sie werden immer mit lokalen Chören ausgerichtet.
Die Einbindung regionaler und junger Nachwuchskünstler:innen war ein wesentliches Anliegen bei Antritt Ihrer Intendanz. Wie haben sich die Dinge bis zum jetzigen dritten Festivaldurchgang entwickelt?
Nadja Kayali: Im ersten Jahr sind die Morgenkonzerte irrsinnig eingeschlagen, im zweiten Jahr haben über 2.000 Menschen die Morgenkonzerte besucht. Wir kooperieren seit vorigem Jahr auch mit dem Ingeborg Bachmann Wettbewerb und haben den Preis Carinthischer Sommer Festivalschreiberin ausgeschrieben. Dieses Jahr wird Tara Meister zwei Monate am Ossiacher See leben und uns schreibend und lesend begleiten. Außerdem hat sie einen Text für die Morgenkonzerte geschrieben. Und wir haben die Morgenkonzerte als Bücher herausgegeben. Eines heißt „Freiheit“, das andere „Hoffnung“, mit den Texten der Morgenkonzerte.
Einige Künstler:innen tauchen ja jedes Jahr wieder im Festivalprogramm auf.
Nadja Kayali: Es ist schön, dass einige immer wieder kommen, wie Georg Nigl, Joachim Meyerhof, Claire Huangci, die Company of Music, Wolfgang Kogert, Giovanni Antonini, Birgit Minichmayr … die Liste ist lang … und sich immer wieder mit neuen Künstler:innen zusammenzufinden. Mich freut ebenso, dass Künstler:innen auch immer wieder anfragen, weil es ihnen sehr gefallen hat. Das ist ein großartiger Lohn für unsere Bemühungen, gastfreundlich zu sein und alle willkommen zu heißen.
Der Charakter des Carinthischen Sommers ist auch, dass Künstler:innen ihn als ihre Wirkstätte erfahren, wo sie Verschiedenes präsentieren, aber auch erproben können. Judith Fliedl beispielsweise erforscht die Interaktion bzw. Wechselwirkung zwischen musikalischer Interpretation und aktiver Rezeption des Publikums. Gleichzeitig sind Künstler:innen auf ein nährendes Umfeld angewiesen. Das Ganze ist ein lebendiger Organismus.
Nadja Kayali: Ja, weil wir die Idee von Darstellenden und Publikum sehr oft etablieren und gleich wieder auflösen und immer wieder versuchen, Bühnen auf Publikumsebene zu montieren. Auch unsere kulinarischen Nachklänge ermöglichen nahbaren Umgang mit Kunst und Künstler:innen.
Es gibt auch einen Festivalwein.
Nadja Kayali: Wir haben heuer einen sehr eleganten Festivalsekt, einen Brut nature, von dem lokalen Winzer Gerhard Köck. Und wir fertigen gemeinsam mit der Caritas aus den Fahnen der Vorjahre Taschen und setzen ein schönes Symbol: Jede Tasche ist ein Unikat und ein Upcycling bereits eingesetzter Materialien. Außerdem haben wir auch Regenschirme. So tragen unsere bunten Farben in jeden Regentag gute Laune hinein.
Was ist mit dem Festivalförderungsclub geschehen?
Nadja Kayali: Den habe ich aufgelöst und dafür einen Festivalclub ohne dahinterliegende Vereinsstruktur in Kärnten ins Leben gerufen. Wir haben ihn Unterstützen*Fördern*Ermöglichen genannt. Man hat drei Kategorien, zahlt einfach ein und ist dabei, ohne bürokratische Beitrittsformalitäten und ohne Verpflichtung, dies auf ewig zu tun. Man kann das Festival aber auch ohne Gegenleistungen finanziell unterstützen und die Spende dann absetzen. Ich möchte niemanden in die Pflicht nehmen. Ich bin eine Freundin der Freiheit.

„So eine Verbindung über die Zeiten, die Kulturen und die Genres ist eine ungeheuer spannende Sache.“
Worauf schauen Sie mit Spannung?
Nadja Kayali: Ich freue mich sehr auf die zweite österreichische Erstaufführung durch das RSO für Sheng und Orchester von Bernd Richard Deutsch. Dieses tolle Stück wird mit dem ältesten Instrument der Welt, der chinesischen Mundorgel Sheng, vom Solisten Wu Wei gespielt. So eine Verbindung über die Zeiten, die Kulturen und die Genres ist eine ungeheuer spannende Sache. Außerdem bespielen wir im Sommer erstmals einen ganzen Vormittag Villach und kreieren ein Stadtfest mit mehr als 40 Programmpunkten. Und ebenfalls zum ersten Mal bespielen wir das kärnten.museum in Klagenfurt mit sehr unterschiedlichen Stücken, unter anderem „Slovalia – eine Verkuppelung“, ein Auftragswerk vom vorigen Jahr an Anna Anderluh und Tamara Stajner zur Eröffnung der Kulturhauptstadt Gorizia/Nova Gorica. Ausgehend von einem Bachmann-Text schreibt Tamara Steiner auf Deutsch, Italienisch, Slowenisch und Friolanisch und stellt unglaubliche Verbindungen her. Anna Anderluh hat ihn fantastisch vertont, das Ganze funktioniert wie ein Melodram. Auch die Company of Music wird singen, ein Programm aus der Akustik der Museumsräume heraus gestalten und ein neues Werk von Wolfgang Suppan uraufführen, das ebenfalls ein Kompositionsauftrag zum Bachmann-Jubiläum ist. Wir werden Räume, aber auch Objekte bespielen. Franziska Fleischanderl bringt ihr Salterio mit, Michael Schwarzenbacher spielt Akkordeon, es gibt auch Lesungen – also ein sehr diverses Programm, das auf das Museum referiert und es zum Klingen bringt. Wir nennen es auch „Klang.Raum.Museum“.
„Das sind Oasen innerhalb des Festivals, in denen Work in Progress stattfindet und noch sehr viel entstehen kann.“
Fast ein eigenes Programm innerhalb des Festivalprogramms.
Nadja Kayali: Das Museumsprogramm ist ein eigenes Programm, das Stadtfestprogramm ist ein eigenes Programm und dann gibt es noch einen speziellen Tag, den 1. August. Wir nennen ihn Lieblingsstück und es geht darum, die Begeisterung der Künstlerinnen und Künstler für das, was sie tun, zu zeigen. Da sind unter anderem Judith Fliedl, Robert Menasse, für den ich mich persönlich sehr begeistere und der eine unglaubliche Leidenschaft für Europa hat. Auch Sarvenaz Safari ist mit einer Auftragskomposition dabei und Wolfgang Kogert spielt Orgel und erzählt, worin seine Begeisterung für die Orgel liegt. An diesem Tag geht es auch wieder darum, dass sich Publikum und Ausführende mischen. Und am Abend kulminiert das dann in einem Klavierabend mit einer Pianistin, die sich extrem für das virtuose Repertoire begeistert und Liszt spielt. Das sind Oasen innerhalb des Festivals, in denen Work in Progress stattfindet und noch sehr viel entstehen kann. So ging es letztes Jahr auch eine ganze Woche mit Schostakowitsch.
Was hat es mit dem afrikanischen Tag: Eine „Königin aus Westafrika“ in Klagenfurt auf sich?
Nadja Kayali: Die senegalesische Sängerin und Musikerin Senny Camara hat uns begeistert als eine Frau, die aus patriarchalen Strukturen stammt und eine Großmutter hatte, die Heilerin war. Sie wollte das Spiel der Kora erlernen, das aber den Männern vorbehalten war. Und es ist ihr gelungen, all das zu reflektieren und in Verbindung zu bringen, das Instrument zu erlernen und die Spiritualität ihrer Großmutter mit in ihre Musik hineinzunehmen. Sehr viele Projekte im Carinthischen Sommer sind spirituell, nicht immer an der Oberfläche, aber sicher in der Tiefe.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
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