Die aus Tschechien stammende Pianistin Tereza Gugg-Kalabova und der österreichische Pianist Johannes Gugg, beide Jahrgang 1998, stehen seit ihrer Jugend gemeinsam auf der Bühne und haben sich früh als Klavierduo zusammengefunden. Aus diesem frühen Miteinander ist über die Jahre eine außergewöhnlich enge musikalische Verbindung entstanden, die sich in präzisem Zusammenspiel und einem ausgeprägten gemeinsamen Gestaltungswillen widerspiegelt. Das Duo konnte sich in den vergangenen Jahren bei mehreren internationalen Wettbewerben erfolgreich behaupten und machte damit auch über Österreich hinaus auf sich aufmerksam. Einen weiteren wichtigen Meilenstein markiert nun die Aufnahme in das renommierte Förderprogramm der BBC New Generation Artists, das als Sprungbrett für junge, international vielversprechende Musiker:innen gilt. Im Interview mit Michael Ternai sprechen die beiden über ihren Werdegang, die Besonderheit ihres Duos und ihr Interesse an weniger bekannten Stücken.
Wie sieht eigentlich euer musikalischer Background aus? Was hat euch jeweils zur Klassik geführt?
Tereza Gugg-Kalabova: Also so richtig angefangen habe ich mit fünf Jahren Klavier zu spielen. Schon davor habe ich aber schon ein bisschen herumprobiert, weil meine Schwester sehr lange Klavier gespielt hat und für mich immer ein Vorbild war.
Das Klavier stand bei uns zu Hause, und ich habe versucht, die Stücke nachzuspielen, die sie geübt hat. Irgendwann haben mich meine Eltern dann zum Klavierunterricht zu einer Lehrerin gebracht, weil es so aussah, als würde mich das wirklich interessieren.
Meine Lehrerin in Tschechien hatte eine Freundin in Graz, die an der Universität den Hochbegabtenlehrgang unterrichtet hat. Sie haben dann vereinbart, dass wir vielleicht jedes zweite Wochenende nach Graz kommen, damit ich auch bei der Lehrerin dort Unterricht nehmen kann.
Johannes Gugg: Genau, das war meine Professorin.
Tereza Gugg-Kalabova: Diese Professorin hatte dann auch die Idee, dass wir als Duo zusammenspielen. Und das ist dann auch passiert. Ich war, glaube ich, 14, und Johannes ist gerade 14 geworden. Das Duo war also nicht unbedingt unsere Entscheidung, sondern die Idee der Professorin.
Johannes Gugg: Sie hatte damals eine relativ große, beziehungsweise sehr gute Klasse und hat lange überlegt, wer am besten zusammenpassen würde. Schließlich hat sie sich dann für uns entschieden.
Und hat es tatsächlich von Anfang an musikalisch gefunkt?
Johannes Gugg: Also die Musik hat uns auf jeden Fall von Anfang an sehr gut gefallen. Ich kann mich noch gut an das Einstudieren der ersten Werke für Duo erinnern. Zuerst natürlich alleine zu Hause, und da hat man schon gemerkt, dass noch etwas fehlt, dass es noch nicht die ganze Musik ist. Die Stücke haben mich zumindest von Anfang an wirklich begeistert.
Tereza Gugg-Kalabova: Die Zusammenarbeit war am Anfang nicht ganz einfach, auch weil ich damals noch nicht wirklich Deutsch sprechen konnte. Außerdem waren wir Teenager und kannten uns nicht. Es war also ein bisschen komisch, gleich gemeinsam an einem Klavier zu sitzen und etwas zu üben, bei dem sich vielleicht auch die Hände kreuzen.
Johannes Gugg: Genau, das erste Stück war ein Rondo von Schubert.
Tereza Gugg-Kalabova: Die Anfänge waren also nicht ganz einfach, und es hat nicht sofort geklappt. Das lag auch am Alter und an der Situation — gerade für uns als Kinder beziehungsweise Teenager war das nicht so leicht. Aber, wie Johannes gesagt hat, hat uns die Musik unglaublich gefallen. Wir sind dann später auch durch die Musik miteinander befreundet worden, und bald wurde das gemeinsame Musizieren zu einer großen Priorität für uns beide.
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Ihr seid später ja auch ein Paar geworden und mittlerweile verheiratet. Wann wurde euch bewusst, dass euer Duo auch euer Beruf sein würde?
Johannes Gugg: Wir haben das Duo von Anfang an sehr ernst genommen, würde ich sagen – ebenso unsere Professorinnen, also ihre in Tschechien und unsere gemeinsame in Graz. Sie haben das Ganze ebenfalls sehr ernst genommen und uns von Beginn an dazu motiviert, an Wettbewerben teilzunehmen. Wobei ich mir jetzt nicht mehr ganz sicher bin ob der erste prima la musica war oder der internationale in Tschechien war.
Tereza Gugg-Kalabova: Das weiß ich nicht mehr ganz sicher. Vielleicht war der erste der prima la musica-Wettbewerb. Der Antrieb, an all diesen Wettbewerben teilzunehmen, kam schon von unseren Professorinnen, weil sie auch im Solo-Bereich immer sehr zielstrebig waren und uns regelmäßig für Wettbewerbe angemeldet haben. Und auch mit dem Duo war es uns von Anfang an ernst.
Johannes Gugg: Nachdem die ersten Wettbewerbe gleich sehr gut gelaufen sind, war uns dann auch klar, dass das Potenzial hat und dass es sich wirklich lohnt, viel Energie hineinzustecken.
Tereza Gugg-Kalabova: Und das hat auch wirklich viel Spaß gemacht, weil wir bis dahin als Kinder kaum Kammermusik gespielt hatten — vielleicht ein bisschen Korrepetieren, aber nie wirklich in einem festen Ensemble. Das war für uns etwas ganz Neues und hat uns großen Spaß bereitet. Auch die Musik, die wir am Anfang gespielt haben, hat uns sehr gut gefallen. Nach den ersten Wochen oder Monaten, in denen es vielleicht noch etwas ungewohnt war, weil wir uns nicht so gut kannten, wurde es dann für uns beide bald zu etwas Besonderem.
Johannes Gugg: Und in Graz, also auch im Hochbegabtenlehrgang beziehungsweise im Vorbereitungslehrgang, hatte unsere Professorin immer wieder Duos. Wir waren also nicht ihr erstes Duo in der Klasse. Dadurch hatten wir auch Vorbilder, die wir bereits von Konzerten kannten — etwa ein Geschwisterpaar, zwei Schwestern, die ebenfalls ein sehr gutes Duo waren oder noch immer sind. So hatten wir von Anfang an gewissermaßen einen Blick in die Zukunft und konnten sehen, wie großartig zwei Klaviere zusammenklingen können.
Tereza Gugg-Kalabova: Und wir haben auch nicht viel hinterfragt. Klavier war einfach unsere Priorität. Da macht man einfach mit, und es hat großen Spaß gemacht. Man macht sich in diesem Alter noch nicht so viele Gedanken darüber, wie es vielleicht mit 20 sein wird.
Was würdet ihr sagen, macht euer Duo musikalisch aus? Ihr spielt die großen Komponisten, aber auch eher selten aufgeführte Stücke. Was unterscheidet euch musikalisch von anderen? Lasst ihr euch mehr Freiraum in den Interpretationen? Oder ist es die technische Perfektion, für die ihr bekannt seid?

Johannes Gugg: Ich denke, dass es bei uns vor allem um das Zusammenspiel geht. Man merkt, dass wir als Einheit gewachsen sind — dass wir also nicht unabhängig voneinander mit völlig unterschiedlichen Ausbildungen erst später zusammengefunden haben. Vielmehr sind wir im Prinzip von Anfang an mit derselben Schule aufgewachsen, auch wenn wir sehr unterschiedliche Persönlichkeiten sind.
Tereza Gugg-Kalabova: Genau, auch mit einer gemeinsamen musikalischen Idee. Die entwickelt sich ja erst und ist ein endloser Prozess. Aber diese wichtige Zeit haben wir gemeinsam erlebt und uns zusammen entwickelt. Das trägt viel dazu bei, dass unsere musikalischen Vorstellungen sehr ähnlich sind und wir nicht viele Kompromisse machen müssen, weil wir die Musik einfach ähnlich hören.
Johannes Gugg: Identisch kann man natürlich nicht sagen, aber auf jeden Fall sehr ähnlich. Dass wir ähnliche Klangvorstellungen haben, stimmt auf jeden Fall.
Tereza Gugg-Kalabova: Später ist uns aber auch bewusst geworden, dass wir eigentlich zwei komplett unterschiedliche Persönlichkeiten sind — auch musikalisch. Und gerade das macht es noch interessanter. Darauf haben uns vielleicht eher Juror:innen bei Wettbewerben oder Leute von außen hingewiesen: dass wir in unseren Persönlichkeiten eigentlich Gegensätze sind und es gerade deshalb so gut funktioniert beziehungsweise spannend wird.
Woran lässt sich dieser Unterschied festmachen?
Johannes Gugg: Es ist schwer, das so verallgemeinert zu sagen, wie sich die Persönlichkeit am Klavier zeigt. Es hat auch mit dem vierhändigen Spiel zu tun, das unterschiedliche Aufgaben mit sich bringt. Aber ja, wenn man uns beobachtet, merkt man schon, dass unsere Zugänge verschieden sind.
Tereza Gugg-Kalabova: Genau, weil Johannes beim vierhändigen Spiel immer den unteren Part übernimmt. So haben wir es von Anfang an gemacht, und deshalb haben wir auch nie versucht zu wechseln, weil sich diese Rollen so eingespielt haben, dass es mittlerweile schwierig wäre, den jeweils anderen Part genauso gut zu übernehmen. Er sorgt für die Balance — im vierhändigen Spiel liegt der Bass unten, und mit den Basstönen muss man sehr vorsichtig umgehen, damit die Balance erhalten bleibt.
Johannes Gugg: Und das Pedal ist natürlich auch meine Aufgabe.
Tereza Gugg-Kalabova: Und ich habe bei den klassischen Werken meist die melodische Linie. Das macht sich schon bemerkbar: Ich kann etwas freier musizieren, während Johannes das Ganze zusammenhält. Es ist sehr vereinfacht gesagt, aber im Grunde funktioniert es so.
Johannes Gugg: Aber man muss schon sagen, dass das nur beim vierhändigen Spiel so ist. Auf zwei Klavieren schaut es natürlich ganz anders aus. Da ist es viel ausgeglichener oder gleichwertiger.
Das Interessante bei euch ist auch, dass ihr natürlich die großen Komponisten spielt, aber immer wieder Herausforderungen sucht, indem ihr Stücke spielt, die dem breiten Publikum nicht so bekannt sind. Ist das so eine Art Challenge an euch selbst, dass ihr euch nicht immer im selben Repertoire bewegt, oder worin liegt euer Interesse an solchen Herausforderungen?
Johannes Gugg: Also erstens einmal ist es natürlich sehr schön, wenn man beim Spielen neue Musik entdeckt, die man vorher gar nicht gekannt hat und bei der man dann erstaunt ist, dass sie bislang sozusagen verborgen geblieben ist. Andererseits ist das Schöne beim Klavierduo, dass es als Genre allgemein nicht so bekannt ist. Das heißt, dass die meisten Stücke aus dieser Richtung für das Publikum größtenteils unbekannt sind. Bis auf ein paar Gassenhauer, könnte man fast sagen – aber selbst diese, wie zum Beispiel die „Fantasie in f-Moll“ von Schubert, sind beim ganz breiten Publikum nicht wahnsinnig bekannt. Das ist eigentlich das Schöne daran, dass wir dem Publikum immer wieder ganz neue Dinge präsentieren können.
Tereza Gugg-Kalabova: Das macht wirklich großen Spaß, weil zum Beispiel im 19. Jahrhundert das vierhändige Spiel sehr verbreitet war – dieses häusliche Musizieren oder das Musizieren im Freundeskreis. Und es waren nicht nur die großen Komponisten wie Schubert oder Mozart, die dafür komponiert haben, sondern auch deren Zeitgenossen. Darunter findet sich wirklich wunderschöne Musik, und es ist sehr spannend und bereitet große Freude, diese Werke wieder zum Leben zu erwecken.
Johannes Gugg: Und es ist nicht nur die Musik, sondern auch der Umstand, dass ein Klavierduo im Konzert nicht so oft zu hören ist. Wir glauben schon, dass es für das Publikum ein besonderes Erlebnis ist, wenn man zwei Personen – speziell beim vierhändigen Spiel – an einem Instrument sieht und miterlebt, was alles dazugehört, damit daraus wirklich eine Einheit entsteht.
Tereza Gugg-Kalabova: Ich würde es daher nicht als Challenge bezeichnen, sondern das ergibt sich eigentlich ganz natürlich, weil es doch einige Komponisten gibt, die man heute zwar kaum kennt, die aber für das vierhändige Spiel geschrieben haben. Wenn man zum Beispiel für Wettbewerbe etwas sucht – etwa in Polen – bekommt man dort manchmal eine Liste mit Pflichtstücken von Komponisten, von denen man noch nie gehört hat, die aber wunderschöne Musik für Klavierduo geschrieben haben. Auf diese Weise sind wir eigentlich zu den meisten unbekannten Werken gekommen.
Johannes Gugg: Aber es ist jedenfalls schön, dass es, obwohl es eine Nische ist, dennoch so viel wunderbare Musik gibt, die man noch nicht kennt, und dass man immer wieder Neues entdecken kann.

Wie sieht es eigentlich mit neueren, zeitgenössischen Stücken aus? Haltet ihr auch nach solchen Ausschau?
Johannes Gugg: Ja, da gibt es sogar sehr viele. Mir kommt vor, dass zeitgenössische Komponistinnen und Komponisten sehr gern speziell für zwei Klaviere beziehungsweise für vierhändiges Klavier schreiben. Ich glaube, dass das kompositorisch besonders interessant ist. Auch in diesem Bereich entdecken wir immer wieder Werke, die wir davor gar nicht gekannt haben und die sehr spannend sind, oft auch mit einem eher experimentellen Ansatz. Wobei uns natürlich nicht alles gefällt. Wir sind da schon wählerisch und überlegen genau, was wir tatsächlich ins Programm aufnehmen. Ich würde auch nicht sagen, dass wir Spezialisten für zeitgenössische Musik sind, aber ausgewählte Werke spielen wir sehr gern.
Tereza Gugg-Kalabova: Genau, und es ist auf jeden Fall nichts, wonach man lange suchen muss, wenn man ein zeitgenössisches Stück für Klavierduo sucht. Es gibt wirklich sehr viele, und wir bekommen auch immer wieder Anfragen von Komponistinnen und Komponisten. Anscheinend schreiben viele sehr gern für zwei Klaviere, aber auch für vierhändiges Spiel.
Ihr musiziert ja wirklich von Anfang an gemeinsam und habt schon sehr früh eine beachtliche Karriere hingelegt – mit zahlreichen Auszeichnungen, Wettbewerbserfolgen und internationalen Konzertreisen. Wenn man etwa in euren aktuellen Kalender schaut, stehen Auftritte in ganz Europa und sogar in den USA auf dem Programm. Wann ist euch eigentlich bewusst geworden, dass sich eure Tätigkeit nicht nur auf den heimischen Raum oder auf Nachbarländer beschränkt, sondern dass ihr auch international gefragt seid? Und wann sind die ersten Anfragen aus dem Ausland gekommen?
Tereza Gugg-Kalabova: Ich würde sogar sagen, dass es für uns tatsächlich zuerst im Ausland begonnen hat. Wir haben anfangs eher weniger zu Hause gespielt. Ich glaube, dass das vor allem mit den Auszeichnungen und Wettbewerben zusammenhing. Über diesen Weg sind Kontakte entstanden, die dazu geführt haben, dass wir zum Beispiel öfter nach Rumänien gekommen sind. Durch diese Vernetzungen bei den Wettbewerben ergibt sich schon einiges.
Johannes Gugg: Das kann sich dann nach und nach erweitern, eine Sache ergibt die nächste. In jüngerer Vergangenheit hat vor allem der Schubert-Wettbewerb noch einmal einen spürbaren nächsten Schritt gebracht.
Tereza Gugg-Kalabova: Auch NASOM (New Austrian Sound of Musik; Anm.) war diesbezüglich eine riesige Hilfe.
Johannes Gugg: All diese Dinge machen es leichter, in neue Länder zu kommen, in denen man zuvor noch nicht aufgetreten ist …
Tereza Gugg-Kalabova: … oder Projekte zu realisieren, die sonst länger gedauert hätten oder vielleicht gar nicht möglich gewesen wären.
Vielleicht eine generelle Frage zur Klassikszene: Wie bedeutend sind Wettbewerbe? Geht es auch ohne sie, dass man irgendwie Fuß fasst?
Johannes Gugg: Sie sind auf jeden Fall eine sehr gute Möglichkeit. Ob es ganz ohne geht, kann ich schwer beurteilen. Ich glaube, das hängt stark von der persönlichen Situation ab. Wenn man zum Beispiel aus einer sehr musikalischen Familie kommt, in der vielleicht auch die Eltern als Musiker viel unterwegs sind, dann ist es möglicherweise leichter, auch ohne Wettbewerbe Kontakte zu knüpfen und ein Netzwerk aufzubauen. Wettbewerbe allein reichen allerdings auch nicht, das muss man ebenfalls sagen. Aber sie sind ein nützliches Werkzeug, um das Netzwerk zu erweitern.
Tereza Gugg-Kalabova: Ich glaube schon, dass es auch ohne gehen würde. Aber jeder hat seinen eigenen Weg, und es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten.
Johannes Gugg: Es hängt außerdem extrem viel von Timing, Zufall und Glück ab. Aber das betrifft nicht nur Klavierduos, sondern ist in der Musikszene allgemein so.
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Ihr seid ja nicht nur musikalisch verbunden, sondern auch privat – ihr seid verheiratet. Wie sehr erleichtert oder erschwert es, gemeinsam auf Tour zu sein?
Tereza Gugg-Kalabova: Es ist beides. (lacht) Einerseits können wir uns überhaupt nicht vorstellen, alleine unterwegs zu sein. Das ist schon ein großer Vorteil, dass wir das wirklich als Familie machen können.
Johannes Gugg: Dadurch, dass wir von Anfang an so viel zusammen geübt haben, haben wir uns einfach daran gewöhnt, viel Zeit miteinander zu verbringen. Und das funktioniert auch nur, weil man sich auch privat gut versteht. Ganz pragmatisch gesehen macht es als Paar vieles leichter, weil man ohnehin zusammenlebt und immer Gelegenheit hat, gemeinsam zu üben.
Tereza Gugg-Kalabova: Ich kann mir gut vorstellen, dass es schwieriger gewesen wäre, wenn wir erst später zusammengekommen wären oder uns erst später kennengelernt hätten. Die Kommunikation wäre dann vielleicht anspruchsvoller, weil man mehr Kompromisse eingehen oder erst lernen müsste, miteinander umzugehen – gerade in den oft stundenlangen Proben.
Bei Klavierduos, besonders beim vierhändigen Spiel, kommt ja noch dazu, dass man sich unglaublich nahe ist, auch körperlich. Man hat einfach nicht viel Platz am Instrument. Auch damit muss man in langen Proben erst umgehen lernen. Für uns war es ein großer Vorteil, dass wir das alles nach und nach gemeinsam entwickelt haben und dadurch in der Kommunikation und beim Üben weniger Probleme hatten.
Johannes Gugg: Und dadurch, dass wir uns nicht so schnell auf die Nerven gehen, können wir auch längere Zeit an Details arbeiten. (lacht)
Tereza Gugg-Kalabova: Genau, aber selbstverständlich ist das nicht. Man muss die Kommunikation wirklich in den Vordergrund stellen, sonst kann das schnell kippen. Was das Reisen und Touren betrifft, ist es für uns aber eindeutig ein Vorteil, dass wir den anderen immer dabeihaben und das gemeinsam erleben können. Das erleichtert auch vieles organisatorisch. Für uns überwiegen klar die Vorteile.
Gibt es bei euch Überlegungen, in Zukunft die Klassik auch einmal Klassik sein zu lassen und euch in andere musikalische Bereiche vorzuwagen? Oder vielleicht sogar selbst Stücke zu schreiben? Wäre ein eigenes Programm mit eigenen Kompositionen für euch vorstellbar – möglicherweise auch jenseits der klassischen Musik, etwa mit Einflüssen aus dem Jazz?
Johannes Gugg: In Richtung Jazz zu gehen, also gemeinsam zu improvisieren – auf zwei Klavieren oder auf einem – wäre schon ein sehr spannendes Projekt. Aber da hätten wir wahnsinnig viel Arbeit vor uns. In naher Zukunft ist das daher zumindest nicht realistisch. Trotzdem wäre das auf jeden Fall eine coole Sache.
Tereza Gugg-Kalabova: Ich kann es mir im Moment noch nicht vorstellen, ich müsste dafür wahrscheinlich noch einmal studieren gehen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich dafür die nötige Kompetenz habe. Die Idee an sich ist, wie Johannes gesagt hat, ziemlich spannend, aber die Fähigkeiten sehen wir derzeit noch nicht bei uns.
Johannes Gugg: Selbst zu komponieren probiert man zwischendurch natürlich schon einmal gerne aus, aber so richtig das Bedürfnis danach haben wir eigentlich nicht. Es gibt noch so viele Werke, die wir noch nicht gespielt haben.
Tereza Gugg-Kalabova: Uns geht es eher so, dass wir lieber neue Noten aufschlagen – etwas, das wir noch nicht gespielt haben – und uns damit beschäftigen, als dass wir das Bedürfnis hätten, selbst etwas Neues zu schaffen. Vielleicht kommt das später einmal, aber im Moment ist dieses Bedürfnis nicht da.
Johannes Gugg: Arrangements selbst zu machen, können wir uns hingegen auf jeden Fall vorstellen.
Tereza Gugg-Kalabova: Genau, da haben wir immer wieder Ideen, was für zwei Klaviere oder für vier Hände spannend sein könnte. Das würde uns eher reizen, als komplett neue Werke zu schreiben.
Johannes Gugg: Sehr interessant wäre es zum Beispiel, mit eigenen Arrangements ein Programm zu gestalten, das auch Menschen anspricht, die mit klassischer Musik bisher kaum in Berührung gekommen sind – etwa populäre Werke einzubauen, Filmmusik zu integrieren und eigene Bearbeitungen zu präsentieren. So etwas können wir uns auf jeden Fall vorstellen, und das würden wir gerne einmal realisieren.
Ihr seid in der kommenden Jeunesse-Saison einer der drei Featured Artists. Was kann man von euch erwarten – und was erwartet ihr euch selbst davon?
Tereza Gugg-Kalabova: Worauf wir uns am meisten freuen, ist natürlich das Konzert in Wien im Musikverein. Das ist wirklich so etwas wie ein Meilenstein.
Johannes Gugg: Der Goldene Saal ist schon etwas ganz Besonderes. Den kennt man ja von den Neujahrskonzerten, schon seit der Kindheit.
Tereza Gugg-Kalabova: Wir freuen uns auch sehr darauf, mit Orchestern zu spielen. Das kommt sonst nicht so oft vor. Außerdem haben wir bisher noch nicht wahnsinnig häufig in Österreich gespielt, und jetzt bekommen wir die Möglichkeit, auch in den Bundesländern aufzutreten, unser Netzwerk weiter auszubauen, neue Orte kennenzulernen und vor neuem Publikum zu spielen.
Letzte Woche ist auch bekannt geworden, dass ihr BBC New Generation Artists geworden seid. Eine besondere Ehre.
Johannes Gugg: Auf jeden Fall. Das ist ein sehr großes und bekanntes Programm des BBC Radio 3. Damit verbunden sind Studioaufnahmen für die BBC, Auftritte in England und auch mit den BBC-Orchestern. Nähere Details dazu haben wir allerdings noch nicht. Aber wir freuen uns sehr und sind schon gespannt.
Vielen Dank für das Interview.
Michael Ternai
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