wienerwald festival 2026: Wenn der Wald zum Konzertsaal wird und Musik neue Räume findet.

Vom 19. September bis 3. Oktober 2026 geht das wienerwald festival in seine vierte Runde – und zeigt sich so vielseitig wie nie zuvor. Renaissance und Barock treffen auf Romantik, Crossover, Tanz und musikalische Abenteuer für die ganze Familie. Etablierte Größen stehen neben jungen künstlerischen Entdeckungen, außergewöhnliche Schauplätze reichen von der versteckten Waldlichtung bis zum Jugendstiltheater. Mit neuen Formaten setzt das Festival seinen Weg konsequent fort: klassische Musik aus gewohnten Konzerträumen zu holen und dort erlebbar zu machen, wo Klang, Natur und Architektur eine besondere Verbindung eingehen.

Die Festival-Initiator:innen (v. l.): Manuel Egger, Sabrina Reheis-Rainer, Magdalena Pramhaas, Elena Biosca Bas
Die Festival-Initiator:innen (v. l.): Manuel Egger, Sabrina Reheis-Rainer, Magdalena Pramhaas, Elena Biosca Bas. ©Theresa Pewal

Was 2023 als mutige Idee begann, hat sich innerhalb von vier Jahren zu einem Fixpunkt im Kulturherbst entwickelt. Nicht nur das Publikum ist gewachsen, auch die Wahrnehmung des Festivals hat sich verändert. Waren Sabrina Reheis-Rainer, Magdalena Pramhaas und Manuel Egger zu Beginn noch selbst auf der Suche nach geeigneten Schauplätzen, kommen mittlerweile Gemeinden und Veranstaltungsorte auf das Festival zu. Gemeinsam mit Elena Biosca Bas bilden sie heute das vierköpfige Organisationsteam. „Erwachsen geworden ist das Festival vor allem in seiner Reichweite“, resümieren die Initiator:innen. „Mittlerweile werden wir von Orten angesprochen, die unsere Verbindung von Musik und Natur genauso schätzen wie wir.“ 

Bei aller Entwicklung soll eines allerdings bleiben: die Lust am Experiment. Das wienerwald festival will sich bewusst nicht auf ein Genre oder eine bestimmte Form des klassischen Konzerts festlegen. Das Spektrum reicht 2026 von Alter Musik über romantische Kammermusik bis zu Crossover, Tanz und Familienformaten. Der gemeinsame Nenner liegt weniger in einer musikalischen Epoche als in einem Qualitätsanspruch – und in der Frage, welche Musik an welchem Ort ihre stärkste Wirkung entfaltet. „Wir haben uns alle im Klassikstudium kennengelernt, aber Musik berührt uns nicht nur in der Klassik, sondern generell – solange sie echt ist“, so das Festivalteam. 

Wenn der Weg zum Konzert gehört

Denn ein Konzert beginnt beim wienerwald festival nicht erst mit dem ersten Ton. Wanderrouten, Spaziergänge und bewusst gewählte Wege zu den Spielstätten gehören seit der ersten Ausgabe zum Konzept. Die Natur soll dabei weit mehr sein als dekorative Kulisse: Sie stimmt auf das Kommende ein, schafft Abstand zum Alltag und verändert im besten Fall auch die Wahrnehmung der Musik. Alle Veranstaltungsorte sind öffentlich erreichbar; damit verbindet das Festival sein künstlerisches Konzept mit seinem ökologischen Anspruch. 

Besonders deutlich wird diese Idee 2026 an zwei neuen Spielstätten in Tullnerbach. Die schlichte Kapelle des Norbertinums überzeugte das Festivalteam durch ihre intime Atmosphäre und außergewöhnliche Akustik. Noch unmittelbarer wird das Naturerlebnis auf der Waldlichtung Sandling im Irenental: Versteckt am Rande der Kernzone des Wienerwaldes, ist sie nur nach einem kurzen Fußweg durch den Wald zu erreichen. „Dort angekommen, waren wir in die Schönheit der versteckten Lichtung sofort verliebt“, erzählen die Festivalmacher:innen über die Suche nach dem neuen Schauplatz. 

Klassik aus nächster Nähe – mit neuem Konzertformat

Dass mittlerweile auch etablierte Namen den Weg zum wienerwald festival finden, versteht das Organisationsteam als Bestätigung seines bisherigen Kurses. Mit Albert Wieder, Thomas Gansch und Leonhard Paul gastiert 2026 etwa ein Blechbläser-Trio, dessen musikalische Wege weit über Österreich hinausführen. Ihnen stehen junge Ensembles und künstlerische Entdeckungen gegenüber. Denn bei aller gewachsenen Strahlkraft bleibt die Nachwuchsförderung eine tragende Säule des Festivals. „Wir fühlen uns sehr geehrt, dass diese großen Namen zu uns kommen und sehen uns darin in unserem Weg bestätigt“, so das Team. Zugleich gehöre es „von Anfang an“ zum Selbstverständnis, jungen Kulturschaffenden eine Bühne zu bieten – und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern.

Bild Albert Wieder Thomas Gansch Leonhard Paul
Albert Wieder, Thomas Gansch, Leonhard Paul (c) Lukas Beck

Doch nicht nur auf der Bühne möchte das Festival neue Zugänge schaffen. Auch vor ihr soll klassische Musik Menschen erreichen, die bislang wenig Berührungspunkte mit ihr hatten. Leistbare Ticketpreise, Familienformate und kostenlose Veranstaltungen bauen bewusst Schwellen ab. Wie gut das funktionieren kann, zeigt die „Bühne der Zukunft“ in der Hermesvilla: In Kooperation mit dem Wien Museum finden dort auch 2026 zwei Gratiskonzerte statt; das Format war in den vergangenen Jahren regelmäßig rasch ausreserviert.

Zugänglichkeit bedeutet beim wienerwald festival aber noch etwas anderes: möglichst wenig Distanz zwischen Kunst und Publikum. Während andernorts immer größere Namen, Säle und Produktionen um Aufmerksamkeit konkurrieren, sucht das Festival bewusst die Intimität – in überschaubaren Konzertformaten ebenso wie an außergewöhnlichen Schauplätzen. Gerade in dieser Reduktion sieht das Team eine besondere Qualität: „Es gibt in Wien genug Konzerte, wo man in Reihe 77 sitzt und die Musiker:innen lediglich als kleine Punkte wahrnimmt.“ Beim neuen Format „Hautnah“ im Theater am Otto-Wagner-Areal kehrt sich dieses Verhältnis um: Hier, so die Festivalmacher:innen, „spürt man das Atmen der Musiker und ist exklusiv nah dran“. 

Vielleicht liegt genau darin der Luxus, den sich das wienerwald festival leistet: Größe nicht mit Distanz zu verwechseln. Große Namen treffen auf eine neue Künstlergeneration, Klassikneulinge auf erfahrenes Konzertpublikum – und beide auf Musik, die nicht aus der Ferne wirken muss. Besondere Orte und intime Formate schaffen dafür einen Rahmen, in dem aus dem Konzert weniger ein Spektakel als eine unmittelbare Begegnung wird.

Klassisch Frau*: Gleichstellung auf dem Spielplan

Einen Schritt weiter geht das wienerwald festival 2026 mit dem neuen Open Call „Klassisch Frau*“. Die Sichtbarkeit von Komponistinnen und weiblich gelesenen Musiker:innen gehört seit der Gründung zur Festivalphilosophie – nun entsteht daraus erstmals ein eigenes Konzertformat. Gesucht wird ein eingespieltes Ensemble aus maximal fünf weiblich gelesenen Personen, das für die Festivalauflage 2027 ein Programm ausschließlich mit Werken von Komponistinnen entwickelt. Dazu kommt eine eigens für das Festival geschriebene Auftragskomposition von Julia Lacherstorfer, die vom ausgewählten Ensemble uraufgeführt wird. Bewerbungen sind bis 15. Oktober 2026 möglich; zur Aufführung kommt das ausgewählte Programm am 1. oder 2. Oktober 2027.

Denn trotz wachsender Aufmerksamkeit sieht das Organisationsteam in der Klassikwelt weiterhin erheblichen Nachholbedarf. „Es ändert sich – allerdings sehr langsam und zäh“, lautet die Bilanz. Zwar seien mittlerweile Dirigentinnen und vereinzelt auch Komponistinnen in den Programmen großer Häuser zu finden, „aber von 50 Prozent sind wir noch weit entfernt“. Mit „Klassisch Frau*“ möchte das Festival deshalb nicht nur Sichtbarkeit einfordern, sondern selbst aktiv Strukturen mitgestalten. Langfristig gehe es darum, „dass generell mehr Komponistinnen am Programm stehen, aktiv nach ihnen gesucht wird und sie dann auch aufgeführt und gespielt werden“ – und dass auch das Publikum diese Präsenz zunehmend einfordert.

So ist das wienerwald festival in seiner vierten Ausgabe gewachsen, ohne seinen ursprünglichen Gedanken aus den Augen zu verlieren: Menschen mit Musik und Natur zu berühren, jungen Künstler:innen Raum zu geben und klassische Musik aus vertrauten Bahnen zu holen. Oder, wie es das Festival selbst auf den Punkt bringt: „Natur hören. Musik erleben. Kunst spüren.“

Programm- und Ticketinformationen finden Sie unter https://www.wienerwald-festival.at/programm-tickets