„Wer nur kopiert, hat nichts kapiert.” – “Sir” OLIVER MALLY im mica-Interview

Man kann “Sir” Oliver Mally ohne Übertreibung als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der österreichischen Blues-Szene bezeichnen. Seit nunmehr 40 Jahren steht der Steirer auf der Bühne und hat in dieser Zeit eine beispiellose Karriere aufgebaut, die von unermüdlicher Leidenschaft und musikalischer Hingabe geprägt ist. Seine Musik ist tief verwurzelt im Blues, zugleich vielseitig und von einer zeitlosen Schönheit, die weit über kurzlebige Trends hinausstrahlt. Was Oliver Mally so besonders macht, ist seine Authentizität. Bodenständig, ehrlich und unverstellt lebt er den Blues – nicht als bloße Inszenierung, sondern als Ausdruck seiner Persönlichkeit. Seine Songs und Alben sind Spiegel seiner Emotionen, direkt und unverfälscht, und sie haben eine Strahlkraft, die längst über die Landesgrenzen hinausreicht. Gemeinsam mit seinem langjährigen Wegbegleiter, dem Gitarristen Peter Schneider, verkörpert er die Essenz dieser Musik: immer unterwegs, stets auf der Suche nach jenem einen perfekten Moment, der nur im Blues zu finden ist. Anlässlich seines 40-jährigen Bühnenjubiläum sprach Michael Ternai mit dem Musiker.

Oliver, du feierst 2025 dein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Wer deine Karriere mitverfolgt hat, weiß, dass du eigentlich fast ohne Pause unterwegs bist – in den letzten Jahren vor allem zusammen mit Peter Schneider, mit dem dich doch etwas mehr als nur die musikalische Vorliebe verbindet. Was ist das Besondere an dieser Partnerschaft?

Oliver Mally: Ja, ich habe wirklich sehr viel gespielt. Was ich aber seit je her wollte, war ein Projekt, wie ich es jetzt mit Peter Schneider habe. Es ist ein echtes Glück, dass wir uns gefunden haben. Peter war früher in der Band von Ike Turner und später bei Größen wie Westernhagen, Söllner und Wecker. Er hat die Welt bereist, auch mit seiner eigenen Band. Irgendwann ist er dann zufällig in einen kleinen, völlig leeren Club gekommen und hat mich spielen sehen. Und ihm hat einfach gefallen, was er da gehört hat. Ich fragte ihn, ob er sich nicht zu mir setzen mag und mit mir spielen will.

Die Chemie zwischen uns hat vom ersten Moment an gestimmt. Wir hatten diesen speziellen Vibe, diese besondere Verbindung. Es gab viel Unausgesprochenes, nichts, das groß erklärt werden musste. Außerdem hat Peter dieselbe Attitüde wie ich: Ein Konzertbesucher reicht aus, damit man alles gibt. Er gibt genauso wie ich immer 100 Prozent. Vielleicht freut sich dieser eine Besucher schon wochenlang auf das Konzert – und man darf ihn nicht dafür bestrafen, dass andere nicht gekommen sind. Das geht in diesem Geschäft einfach nicht.

Sobald ich die Gitarre in die Hand nehme, bin ich schon irgendwo anders. Ich blende es völlig aus, ob da 300 Leute im Publikum sitzen, 30 oder 13. Ich will einfach spielen, weil ich weiß, dass ich genau so am meisten vorankomme – in Bezug auf mein Instrument und darauf, was ich mit ihm erreichen will.

Peter Schneider tickt genauso. Und er hat sich unserem gemeinsamen Projekt genauso verschrieben wie ich. Das Schöne ist, dass ich jetzt nicht mehr davon abhängig bin, ob jemand anderes gerade Zeit hat oder mit einem anderen Job beschäftigt ist. Das schränkt natürlich ein – vor allem, wenn es um Konzerte geht, die eine lange Anreise erfordern. Mit Peter Schneider bin ich dagegen die ganze Woche oder sogar noch länger unterwegs. Dadurch können wir auch weiter entfernte Orte besuchen. Ich finde es großartig, jemanden an meiner Seite zu haben, der nicht nur die Zeit dafür mitbringt, sondern es auch wirklich will – jemanden, der aktiv mitspielen möchte und nicht einfach nur dabei ist. Insofern ist das Projekt mit ihm seit Jahren auch mein Hauptprojekt.

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Kann man sagen, dass die Jahre vor deiner Zusammenarbeit mit Peter Schneider, eine Art Suche nach einem erfüllenden Projekt war?

Oliver Mally: Ansatzweise hatte ich solche Projekte schon vorher. Es war nur immer so, dass die Leute die bei diesen mitgemacht haben, musikalische Kapazunder waren und daneben auch andere Interessen hatten. Und das Bedürfnis diesbezüglich musste auch genährt werden, was für mich völlig verständlich ist. Ich habe mir nur immer gedacht, wie es wäre mit ein und derselben Person über ein ganzes Jahr zu arbeiten, die genau das auch will, die genau auch diese Art von Sound sucht und ähnliche musikalischen Vorlieben teilt. Wir haben da denselben Vibe, wir mögen die gleichen Platten, aber nicht unbedingt wegen dem was auf diesen gespielt wird, sondern wie es gespielt wird, wie die Musik im Raum steht. Das können viele vielleicht nicht verstehen, aber das ist mein Ding und auch das von Peter Schneider.

Auf der Straße lernt man halt viel. Wenn man permanent miteinander spielt, gemeinsam an etwas schraubt und bastelt, geht immer etwas weiter. Wir haben das bei unserem letzten Album gemerkt. Das haben wir im Juni 2023 aufgenommen. Zum Spaß haben wir dann ein Jahr später erneut ein Studio gemietet, um die Nummern nochmal einzuspielen. Und es waren tatsächlich Welten zwischen den Aufnahmen.

Nebenbei habe ich natürlich auch noch die Band, in der er ebenfalls Mitglied ist. Mit Alex Meik, dem Kontrabassisten, arbeite ich schon seit vielen Jahren zusammen. Und Peter Lenz, der Schlagzeuger, ist einfach großartig. Er hat in New York studiert und ist ein völlig offener Geist. Vor Kurzem hat er auch eine herausragende Platte veröffentlicht: BREATHE-Music for Large Ensembles. Er kommt aus einer ganz anderen musikalischen Welt und spielt am Schlagzeug nicht nur Rhythmus, sondern begleitet die Songs. Selbst die Bluesnummern behandelt er wie eigenständige Stücke. Sein Spiel ist wirklich beeindruckend.

Vierzig Jahre ist wirklich viel. Du bist 1966 geboren worden. Wenn ich schnell zurückrechne, machst du seit deinem 18. oder 19. Lebensjahr Musik …

Sir Oliver Mally auf Zimmerstuhl nachvorne gelehnt sitzend
Sir Oliver Mally © Rudi Feder

Oliver Mally: Eigentlich schon länger. Ich habe erst ab dem Jahr zu rechnen begonnen, ab dem ich mehr als fünfzehn oder zwanzig Konzerte gespielt habe. Und seitdem dürften es an die 5.500 Konzerte gewesen sein, die ich gespielt habe.

Wann wurde dir klar, dass das Musikmachen dein Leben bestimmen wird?

Oliver Mally: Das war, nachdem ich diese eine magische Platte von Muddy Waters hörte. Da wurde mir klar, dass die Suche nach einer eigenen Sprache innerhalb einer sehr simpel geformten Musik mein Ding ist. Wenn man keine Persönlichkeit hat sind es nur simple drei Akkorde, die sich wiederholen, aber wenn du etwas zu sagen hast und versuchst am Puls der Zeit zu bleiben und persönlich wirst, dann kannst du Musik, die sich über einen Akkord rankt, spannend gestalten. Das wird oft unterschätzt. Diese Musik fordert persönliches Auftreten ein. Du kannst natürlich wie John Lee Hooker spielen, nur ist seine Musik eine, die man schon kennt. Ich kann natürlich seine Stilistik aufgreifen, aber ich muss lernen, meine eigenen Sätze zu bilden. Was ist Syntax, was ist Semantik innerhalb dieser Musik? Das musst du über deine Persönlichkeit herausfinden. Wer nur kopiert, hat nichts kapiert.

Du hast in diesen vierzig Jahren auf jeden Fall deinen eigenen Stil entwickelt ….

Oliver Mally: Das war der Plan, ob es gelungen ist, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass ich meinen eigenen Stil gefunden habe und man mich unter den vielen Blues-Aficionados mittlerweile heraushört. Ich habe das Gefühl, auf der richtigen Spur zu sein. Neu erfinden will ich nichts – das ist auch nicht möglich. Aber man entdeckt etwas, wenn man in sich selbst etwas findet. In der Musik bin ich offen und höre viel mehr, als ich selbst spiele: von Klassik über Jazz und Fusion bis hin zu Punk und Reggae. Ich liebe Musik in all ihren Facetten und finde selbst in einem Bananarama-Popsong etwas Inspirierendes. Ich halte nichts von Hardlinern, die glauben, den “reinen” Blues definieren zu können. Musik ist ein großer Spielplatz, auf dem sich Wege kreuzen und überschneiden dürfen – es kommt nur darauf an, wie geschickt man das macht. Es hat immer mit der Integrität zu tun, ob du dir innerhalb eines Projekts wichtiger bist als die Musik. Wenn das so ist, geht es meistens bergab.

Songschreiben ist für mich wie Tagebuchführen. Die einen schreiben jeden Tag etwas auf, ich dagegen nehme jeden Tag Soundfiles oder Skizzen auf, arbeite an Songs und veröffentliche Schallplatten. Das sind meine Tagebücher.

Du hast in den vier Dekaden nicht nur wahnsinnig viele Konzerte gespielt, sondern hast ja auch unzählige Platte veröffentlicht. Hörst du dir eigentlich deine alten Sachen noch an?

Oliver Mally: Nein, die höre ich mir eigentlich nicht an, wobei ich manchmal schon denke, dass ich sie doch einmal durchgehen sollte. Vielleicht entdecke ich eine Perle, die ich vergessen habe, und reaktiviere sie und model sie um. Ich sehe Songs als Skizzen, die am Montag anders dargestellt werden dürfen als am Dienstag oder Mittwoch. Ein Song ist eine Rahmenbedingung, und innerhalb dieser bewege ich mich je nach Stimmung. Ich versuche nicht, einen Song, den ich am Montag gut gespielt habe, am Dienstag auf die gleiche Weise zu reproduzieren. Ich schaue, wie es mir am Dienstag geht, nehme den Song und arbeite an ihm in der aktuellen Stimmung. Das ist es, was ich will – für mich ist das die Zen-Großmeisterschaft im Musizieren: ein Stück im Moment zu modifizieren und an die eigene Gefühlslage anzupassen, denn nur dann kannst du es wirklich vermitteln. Wenn du nur Copy & Paste machst, wird es nur ein dröger Akt, der sich selbst nicht mehr überprüft, weil er sich nur noch reproduziert.

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Du hast in deinem Leben als Musiker viele verschiedene Entwicklungen und Wandel mitterlebt. Du bist mit Plattenveröffentlichungen aufgewachsen, dann kamen die CDs, heute läuft Musik vorwiegend über Streams. Auch im Livesektor ist vieles passiert. Wie hast du das alles erlebt?

Oliver Mally: Das Medium, auf dem ich mein erstes Album veröffentlicht habe, war die CD. Das war damals eine große Sache. Als Hörer bin ich aber natürlich mit Vinyl aufgewachsen. Ich habe die ganzen Platten von damals noch und habe in den letzten Jahren wieder angefangen, sie auszupacken und neu einzusortieren. Außerdem habe ich sie durch eine Plattenwaschmaschine gejagt. CDs besitze ich eigentlich keine mehr – die sind praktisch alle weg.

Ich bin ein Ritualfetischist. Das bedeutet in diesem Fall: Dieses bewusste Bekenntnis zur Musik durch das gesamte Ritual, das mit dem Plattenauflegen einhergeht, ist digital nicht kopierbar. Es ist eines der letzten Musikrituale, das sich der Digitalisierung entzieht. Und ich mag das einfach. Eine Platte aufzulegen ist ein bewusstes Hinwenden zur Musik. Eine CD legst du ein, drückst auf Play und widmest dich dann irgendwelchen anderen Dingen. Beim Plattenspieler ist das nicht zu empfehlen – lässt du die Nadel nämlich zwei Stunden auf der Leerrille laufen, kannst du sie wahrscheinlich gleich wegwerfen.

Leute, die Platten auflegen, hören bewusster Musik, ähnlich wie Vinylkäufer oft ein breiteres Interesse an Musikgenres haben als CD-Käufer. Ich bin jemand, der sich gern durch einen Plattenladen wühlt. Ich schaue, was es für Neuerscheinungen gibt, und suche nach Dingen, die ich noch nicht kenne. Der audiophile Vinylhörer sucht eigentlich auch nicht vorwiegend genrespezifisch oder seine Lieblingsgruppe, sondern danach, was großartig klingt. Und die probieren dann Dinge aus.

Eine Musikkarriere bringt ja nicht nur Höhen mit sich, sondern auch Tiefen. Hat es jemals einen Moment gegeben, an dem du kurz davor warst, den Hut draufzuwerfen?

Oliver Mally: Ja schon, aber nicht aufgrund, weil nichts gegangen ist. Ich war eine Zeitlang sehr, sehr krank. Ich bin jemand, der, wenn er um drei ins Bett geht, trotzdem um sieben aufsteht. Und irgendwann war es so, dass eigentlich nur noch so spät ins Bett ging. Ganz einfach, weil nach einem Konzert, wenn ich heimkomme, alle Dinge wie etwa das Fahrtenbuch, Rechnungen oder AKM-Listen erledige, damit sie nicht liegenbleiben. Ich erledige diese Dinge immer am selben Abend, egal wann ich heimkomme. Die Nächte sind für mich also sehr kurz. Irgendwann 2010 passiert es plötzlich, dass ich einfach nicht mehr aus dem Bett kam. Ich war extrem erschöpft und habe nicht gewusst, was mit mir los ist.

Bild Sir Oliver Mally auf einem Barstuhl auf der Bühne vor rotem Vorhang sitzend mit E-Gitarre neben ihm platziert
Sir Oliver Mally © Rudi Ferder

Monate später habe ich dann Blutungen bekommen und musste eingeliefert werden, weil mein Darm perforiert war. Der Darm meldet sich leider erst, wenn es zu spät ist und er quasi kaputt ist. Mein Zustand war ganz wüst. Ich war wirklich sehr schlecht beieinander. Ich bin ein paar Mal im Krankenhaus gelegen und musste dort zusammengeklebt werden. Ich musste mich auch ernährungstechnisch komplett umstellen. Nachdem es ein wenig besser war, hat mich das ganze 2016 oder 2017 wieder eingeholt. Ich musste gleich drei Mal eingeliefert werden und musste insgesamt drei Monate im Krankenhaus verbringen. Ich war todkrank. Der Darm war so kaputt, dass ich operiert werden musste. Und es war eine heftige Operation. Seitdem geht es wieder und ich tue auch viel dafür, dass es so bleibt. Ich gehe regelmäßig ins Fitnesscenter und mich gesund zu halten. Aber dieser Zustand mit den Schmerzen, der Müdigkeit und der depressiven Verstimmung hat Jahre gedauert. Und da habe ich mir natürlich Gedanken darüber gemacht, ob mit dem Konzerte spielen jemals wieder etwas wird.

Musikalisch dagegen hat sich nie etwas in frage gestellt. Es gab, vor allem in meiner ersten Band, schon Konflikte. Aber solche kommen in jeder Band vor. Und sie waren heftig und sehr unangenehm, sogar so sehr, dass ich mich gefürchtet habe auf die Bühne zu gehen. Aber diese Band habe ich dann irgendwann, nach 25 Jahren aufgelöst. Ich dachte mir, habe ich so etwas, diese ewigen Reiberein eigentlich notwendig. Und es war ein echter Befreiungsschlag, wie das vorbei war. Das Leben hat sich vollkommen verändert. Die Conclusio für mich aus dieser Geschichte war auf jeden Fall, dass ich nur noch mit Leuten gespielt habe und das immer noch tue, mit denen ich gerne spiele und die mit mir gerne spielen.

Dann gab es natürlich auch manche Entwicklungen und Neuerungen, die das Leben eines Musikers auch nicht gerade erleichtert haben. Wie etwa all die Streaming-Plattformen. Aber ich bin kein Fan davor, permanent alle krank zu reden. Es gibt immer eine Lösung, man findet immer etwas, woran man sich aufrichtet. Das Geschäft war im Grunde immer schon kaputt, es hat sich nur nie so klar dargestellt wie jetzt. Es mag zwar alles schlimm sein, aber es hilft nichts. Ich will das, was ich tue, einfach machen.

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Als jemand, der viel unterwegs ist und vom Konzerte spielen lebt, war auch die Coronazeit keine sehr angenehme für dich.

Oliver Mally: Im ersten Jahr haben wir zusammen mit Stefan Matic und LEIBNITZ KULT ein Fest bei mir um die Ecke in Wagna veranstaltet. Es dauerte 13 Tage und war zwölfmal ausverkauft. Obwohl der Aufwand wirklich enorm war, habe ich es durchgezogen, weil es die bessere Alternative zum Herumjammern und Sich-Beschweren war. Natürlich war die Situation alles andere als einfach, aber den Kopf in den Sand stecken – das kommt für mich nicht infrage. Ich habe dann auch damit begonnen, Gartenkonzerte zu veranstalten. Ich nannte sie „Garden-Hopping“ und habe mir dafür extra Plakate anfertigen lassen. „Garden-Hopping – Oliver Mally spielt für sie in ihrem Garten“. Es war aufgrund der Auflagen zwar nicht möglich als vor mehr als zehn Leuten zu spielen, aber all jene, die mich für diese Aktion für verrückt erklärt haben, haben im Herbst dann geheult, während ich im Sommer durchgespielt habe. Vor wenig Leuten zwar, aber als Bluesmusiker bin ich eh gewohnt, manchmal vor sehr kleinem Publikum zu spielen. Aber ich wollte einfach im Spielfluss bleiben, und in der Möglichkeit, mich energetisch nicht nur zu entladen, sondern mir auch etwas zurückzuholen, weil, die Leute waren alle happy, und das ist eine wunderschöne Energie.

Natürlich ist es auch mühsam und schwierig geworden, aber letztlich habe ich jeden Gig angenommen. In den ersten 15 Monaten der Corona-Zeit bin ich 75.000 Kilometer gefahren. Ich bin nach Ahrensburg in Deutschland gefahren, habe dort gespielt und bin, weil es kein Hotel gab, direkt wieder nach Hause gefahren. Viele hielten mich für verrückt, aber die Veranstalterin dort hat sich an mich erinnert. Als alles vorbei war, hat sie mich erneut gebucht – und dann gab es auch wieder Geld.

Du bist ja mittlerweile vielfach ausgezeichnet worden. Wie wichtig ist dir Anerkennung?

Oliver Mally: Solche Auszeichnungen sind natürlich nett. Aber ich weiß mittlerweile sehr gut, wer ich bin und was ich will, und ich weiß nach jedem Konzert genau, ob es gut war oder nicht. Für mich ist es einfach schön zu spüren, dass ich nach vierzig Jahren immer noch eine Gitarre anschaue und mich frage: Finde ich den Song, der in dieser Gitarre steckt? Das macht mich glücklich. Und wenn ich glücklich bin, kann ich auch den Leuten etwas Schönes weitergeben. Anerkennung bekomme ich, wenn ich mit guten Musikern spielen darf und sie sagen: „Das ist es, das ist super, lass uns zusammen etwas machen.“ Darum geht es mir.

Generell kann ich sagen, dass ich glücklich darüber bin, dort gelandet zu sein, wo ich mich jetzt gerade befinde. Es schaut für die nächsten Jahre ganz gut aus. Wir graben nach dem weiter, von dem wir hoffen, dass wir es irgendwann einmal finden. Denn dieses Graben ist mit das Aufregende und Spannende.

Herzlichen Dank für das Interview.

Michael Ternai

Konzerttermine von “Sir” Oliver Mally finden Sie unter https://sir-oliver.com/live-dates/

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