Various Artists – „It Can’t Get Worse Than This“ LP

Schlechter kann es auf jeden Fall werden, komplizierter aber kaum: das Steirer Label Rock is Hell hat sich in den letzten Jahren relativ schnell und völlig zurecht eine gar kultische Verehrung ermausert, was auch nicht verwundert, waren doch schon erste Releases von hochkarätigen Combos wie Bulbul, Thee Oh Sees, Zach Hill & Mick Barr sowie Reflector.

Zum 50. Release hat sich das Label nun selbst und damit der Welt ein exquisites Geschenk gemacht, womit man eine Platte der besonderen Art in der Hand hält: 50 Stücke, Songs, Grooves, Samples und Experimente sind auf die zwei Seiten gepresst, die teilweise in Endlosrillen oder nicht – wie bei einer Platte eigentlich üblich – von außen nach innen, sondern von innen nach außen laufen. Das Resultat ist ein Labyrinth von einem Tonträger, für den man Zeit benötigt: man muss die Nadel dauernd selbst in die Hand nehmen, entscheiden, wo man sie als nächstes hinsetzt und gespannt warten, was dann passiert; hat selbstständig zu entscheiden, wann ein Track zu Ende ist, wie lange man ihn laufen lässt – und wo man wiedereinsetzt.

Zu allem Überdruss ist die Platte auf transparentem Vinyl gepresst, was es noch schwieriger macht, sich durch das Dickicht des Rillenwahnsinns zu kämpfen und darin Orientierung zu finden. Als Konsument gebraucht man die Platte also, muss sich mit ihr spielen, auseinandersetzen, Aufmerksamkeit und Verantwortung übernehmen.

Die Anstrengung lohnt sich allerdings und wer die nötige Muße und Geduld mitbringt, kann einen Streifzug durch das extrem breite Oeuvre verschiedenster Rock is Hell-KünstlerInnen und Bands machen, darunter wüste Krachnummern, smoothe Elektrotracks, Sprachsamples: Bulbul scheppern krächzend um die Ecke, Dr. Mad Fister stößt den Lacher des Irrsinns aus, Hermes Phettberg muss schon wieder Lulu, Regolith noisen sich durch die Gehörgänge, Izen ballern mit einer halben Banana durch das Zimmer. Weiters gibt es noch Schatztruhen zu entdecken und aufzumachen von Philipp Quehenberger & ddkern, Maja Osojnik, Hella Comet, Slobodan Kajkut, Robert Lepenik, Tumido, The Striggles, Heifetz, Reflector, Bernd Heinrauch und mehr mehr mehr.

Für Rock is Hell geradezu obligat ist der sehr schick aufgemachte Tonträger in verschiedenen, streng limitierten Editionen erhältlich. Die mühsamste und überraschendste Platte (nicht nur im Portfolio von Rock is Hell), die endlich die Möglichkeiten des Formats spannend, amüsant und intelligent ausnutzt und so ganz nebenbei zeigt, dass Vinyl einfach doch mehr Wert hat als eine schnöde CD.
So etwas haben Sie so noch nie gehört.
Clemens Marschall

http://www.rockishell.com/