Ihre Karriere ist stetig am Wachsen und sie lassen sich dabei nicht aus dem Gleichgewicht bringen. VAGUE, übrigens ausgesprochen wie in „Nouvelle Vague“, bringen nach Jahren der EPs endlich ihr Debütalbum heraus: „In The Meantime“.
Obwohl: Eigentlich ist es ein bisschen unfair, von einem Debüt zu sprechen, wenn jemand schon so tief im Geschäft drin ist. Aber genug mit den Wortspielereien, denn wirklich wichtig ist nur, dass die Tiroler wieder neue Musik mit der Welt teilen. Und diese Musik klingt ziemlich nach den EPs, aber auch nicht ganz.
Weniger Lo-Fi als auf den EPs
Man hört, dass bei der Produktion des Albums ein bisschen weniger Lo-Fi im Spiel war, was der verträumten Atmosphäre, die sich noch immer durch die Musik zieht, einen cleaneren Sound verleiht. Und wenn die Bandmitglieder in Interviews von einem Revitalisieren des Genres „New Wave“ sprechen, dann meinen sie es bei „In The Meantime“ genauso. Denn nimmt man die EP „Tempdays“ her, dann könnte man an manchen Stellen meinen, eine Kassette von 1986 gefunden zu haben.
Auf „In The Meantime“ hört man die alten, gut erhaltenen Vibes, aber eine Zeitreise macht die Band nur im Kopf. So zeigt etwa der Song „Park“, dass beide Welten gemeinsam existieren. Der Gesang und die dominante Gitarrenmelodie könnten wieder aus den späten 1980er-Jahren sein, während die Musik im Hintergrund eher von Bands wie Tame Impala erzählt. Oder „Vacation“, das auf der einen Seite sehr grungy daherkommt, diesen Effekt aber durch die in den Hintergrund versetzten Vocals wieder aufhebt.
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Eine Sache ist aber immer noch ganz klar zu hören, egal welche EP – oder in diesem Fall welches Album – man sich anhört: Die Liebe zu den Gitarren ist geblieben und wird wahrscheinlich nicht mehr vergehen. Und das ist auch gut so, denn auch wenn Gitarren, seien es elektronische oder akustische, immer eine wichtige Rolle in der Arbeit moderner österreichischer Bands spielen, bilden sie bei Vague die unabdingbare Basis alles Schaffens. Das klingt vielleicht kitschig, aber man muss sich nur einmal auf dieses Album einlassen und schon weiß man, wovon die Rede ist.

„In The Meantime“ lebt von den Gitarren und der Atmosphäre, die sich kreieren. Meistens ist diese leicht verträumt und ins Melancholische gehend. Fast so, als wäre immer ein Sommertag mit wolkenverhangenem Himmel. Manchmal bricht aber auch die Sonne durch – wie im Song „Sweet Stranger“, bei dem man das Gefühl hat, dass zumindest kurz gute Laune herrscht.
Ein Sommer geht zu Ende
Aber keine Sorge, runterziehen wird einen diese Platte nicht, denn dafür schwingt zu viel Aufbruchsstimmung mit. Nicht die Aufbruchsstimmung, die mit krassen Beats und exaltierten Synthies unterstrichen werden muss, sondern so ein Gefühl, dass sich am Ende der Sommerferien einstellt. Auf der einen Seite ist man traurig, dass die freie Zeit vorbei ist, doch auf der anderen Seite kann man nicht erwarten, was als Nächstes kommt.
Anne-Marie Darok
