TOI – „Alli Miah“

Wer braucht Wienerisch, wenn er „Wennerisch“ haben kann? Dort, wo in jeder Schlucht anders geredet wird (nein, nicht auf den Philippinen), befindet sich das Epizentrum des Rap ’n‘ Rolls im Tiroler Dialekt. Auf ihrem zweiten Album reißen sich TOI Funk und Hip-Hop aus der Brust, bis der „Daitsch Doktor“ kommt!

Es gibt viele gute Gründe, um ein besonderes Auge und Ohr auf diese Oberländer Band zu haben. Denn  wenn sie Blues, Pop, Rock, Reggae und geschmeidige Bläsersoli an Fender-Rhodes-Klängen, die einen gesunden Hauch Jazz in die Mischung bringen, spielt, weiß man: Groove ist hier nicht nur ein Fernziel. Überdies schafft es das Ensemble – selbst wenn es bereits in Innsbruck kaum mehr verstanden wird – mit seinem gnadenlosen Einsatz von Mundart zu gewinnen, und zwar rhythmisch, klanglich und last, but not least auch inhaltlich.

„I wea des Ehrlichsei lossn“

Gelebte Sprachauthentizität nicht um des Pädagogisierens oder Patriotismus willen wirkt umso sympathischer, sobald man das Verstehenwollen auf Gletschereis legt und den fesselnden Sprachklang zu genießen anfängt. Zudem werden Gefühle von Liebe bis Zorn, Werbeslogans, Gesellschaftsthemen inklusive Politik auf höchstem Niveau herausgesungen und es wird meisterlich mit Pitztaler Dialektvariation experimentiert. Dass überzeugendes Texten wie hier oft nur denen gelingt, die sich jener Sprache bedienen, welche sie bis in die Zehenspitzen beherrschen, sagt einem nicht nur der „Hausverstand“.

„Mei innrer Schweinehund is a Rindviech ganz in Lila, what else?“ 

Zum Zwecke eines noch geileren Gesamtsounds tummeln sich auf „Alli miah“ (dt. „Immer mehr“) – neben den Hauptakteuren Stephan Mathoi (Gesang, Gitarre), Alexander Goidinger (Keyboards), Philipp Hager (Schlagzeug) und Wolfgang Henn (Bass) – zur Freude aller Funk-Fans auch Gäste wie Flo Heigl (Tuba) und Hermann Fiechtl (Trompete) alias Fatlip Countryside Horns sowie Yo!Zepp (Rap) und Andi Schiffer an den Percussions.

„Sog mir nur amal klipp und kloa ….

… dass do nix lauft, dass do nix woar, und i loss ab von der Idee von uns als Poar“ – solche und ähnliche Zeilen lassen hoffen, dass es die Musiker mit dem Zurückhalten von Reden über Inneres und dem Aufgeben der Ehrlichkeit trotz vieler Vorbilder doch nicht so wörtlich meinen. Eine erfrischende Improvisation über den Satz „Wenn du eh woasch, wia i hoas, dann schaug halt im HEROLD!“ (dt. „Wenn du sowieso weißt, wie ich heiße, dann schau gefälligst im HEROLD nach!“) rundet den Ausflug in dieses – nicht nur für Sprachfeldforscher – Paradies der Ursprache an Popularmusik frech ab.

In diesem Sinne: Die Band heißt Toi, ihre Musik ist hervorragend und ihre Konzerttermine samt CD-Shop findet man auf ihrer Website.

Alexandra Leitner

Cover Alli miah (c) Christian Neururer

http://www.toi-music.at
https://www.facebook.com/pages/TOI/129208283794208?ref=aymt_homepage_panel