Niederösterreich/Litschau am Herrensee, 29 . Mai 2026 // Das Theaterfestival HIN & WEG startet heuer in seine 9. Saison: Von 7. bis 16. August 2026 dreht sich in Litschau alles um SCHULD UND SCHÖNHEIT. Diese „Tage für zeitgenössische Theaterunterhaltung“ tauschen die im Titel assoziativ naheliegende Sühne (Dostojewskis ‚Schuld und Sühne‘) durch Schönheit und begegnen sich somit als Gegensatzpaar. Rund 120 Veranstaltungen rücken in den künstlerischen Fokus: Aufführungen, auch Erst- und Uraufführungen, szenische Lesungen, Hörspiele & Diskussionen finden im Herrenseetheater, im Theaterhaus MOMENT, im BRAUHAUSstadl, in der freien Natur und an außergewöhnlichen Orten in und um Litschau statt.
Schuld und Schönheit
Schönheit ist angenehm, erfreulich – Schuld hingegen ist unangenehm, un-schön. Zwischen diesen beiden Kontrapunkten spannt sich die heurige Festivalthematik. Schuld ist auch in seiner größten, der gesellschaftspolitischen Dimension gemeint. Schönheit kann mitunter versöhnlich sein. Jedenfalls liegt Schönheit im Auge des Betrachtenden, so wie Kunst erst im subjektiven Betrachten zu etwas Schönem werden kann. Ein Kunstwerk, wie eine Theaterproduktion oder ein Gemälde, bekommen durch subjektives Erfassen ihre Vollendung – Schönheit, ein Lebenselixier für Kunstschaffende. Durch die künstlerische Auseinandersetzung mit Schönheit, wo Ästhetik von Bewegung und Körper eine starke Rolle spielen, gesellt sich zur heurigen Kunstform Theater diejenige des Tanzes.
Zeitgenössisches Tanztheater
Die Eröffnung des Theaterfestivals HIN & WEG findet nunmehr etabliert, weil zum dritten Mal in Folge, im Theaterhaus MOMENT in unmittelbarer Nähe des Strandbades Litschau statt. Mit einer neu produzierten und erstmals in Österreich aufgeführten Tanzperformance des Südböhmischen Theaters Budweis: „Young, beautiful and forever“ – für immer jung und schön, führt tänzerisch ein sich permanent veränderndes Bild der Gegenwart vor Augen. Schwungvoll und in ständiger Bewegung zeigt sich auch die Tanzproduktion „Tanz der Zilien“ von Ilona und Doris Roth. Hier wird sichtbar, was unsichtbar ist: das pulsierende Leben der Zilien auf zellulärer Ebene, da zeitgenössischer Tanz auf Spitzenforschung trifft. Körperbetont und in stereotyper Schönheit verhaftet, beschäftigt sich „Superbodies“ von dance beyond mit zwei konträren Frauenleben, wohingegen in „Wo ist Walzer“ von kollektiv kunststoff die Fragen nach „Was ist Heimat?“, „Was bedeutet Zuhause?“ (donau)walzend erkundet werden.
Uraufführungen & Erstaufführungen
Das heurige Ensemble in Residence,das beamen ensemble, ist mit zwei Uraufführungen vertreten. „INVERS“beschäftigt sich mit (ewiger) märchenhafter Schönheit und„Mosaik“ mit der Geschichte einer Königsfamilie. Um Schönheitsideale geht es auch in „schön.schöner.am schönsten”, einem Projekt ACT der Anton Bruckner Privatuniversität Linz. Johannes Deckenbach transformiert Mozarts bekannteste Oper rund um Leidenschaft und Rache in eine zeitgenössische Theaterproduktion – „Don Giovanni unrasiert“ (UA). Und Fabian Eder tritt erstmals als Novellist und Regisseur in Erscheinung. Mit seinem Theaterstück „Tanz der Dämonen“ behandelt er eine jahrhundertlange Familiengeschichte, die um Kriege und Schicksale kreist, bevor es zu einer überraschenden Begegnung (schön?!) kommt.
Neben „Young, beautiful and forever“ vom Südböhmischen Theater Budweis, gibt es weitere österreichische Erstaufführungen zu verzeichnen. Der Überraschungshit und Publikumserfolg aus dem Vorjahr, „Ungeregelt“, von Luna Projects steht heuer als eine der Eröffnungsproduktionen am Programm. Von ihnen neu entwickelt und erstmals bei Hin & Weg zu sehen: „KörperSchafft“, wo sich drei Körper mit der Frage beschäftigen, ob wir zuhören würden, wenn unser Körper mit uns sprechen könnte – und was er uns denn sagen würde? Drei Frauen thematisieren in „Die 7 Marien“ von Marlene Reiter ihre Positionen in der Arbeitswelt – von ursprünglich sieben Kandidatinnen bleiben drei übrig, welche ist die beste?
Studierende on Stage
Die kontinuierliche Einbindung von universitären Ausbildungshäusern der darstellenden Kunst in das Theaterfestival Hin & Weg zeigt sich heuer besonders deutlich. Gleich vier Hochschulen sind in Litschau mit dabei: die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, das Max Reinhardt-Seminar Wien, die Musik und Kunstuniversität Wien und die Anton Bruckner Universität.
Zeno Stanek, Intendant der Festivals Litschau betont, „dass wir hier im Theaterlabor Litschau durch die jährlich variierenden Themen und gesetzten Motti kosmopolitisch, vor allem aber durch die jahrelange Vernetzung immer internationaler werden. Daher auch die überaus erfreuliche Zusammenarbeit mit akademischen Theaterhäusern und intensivere Kollaborationen wie etwa mit dem Südböhmischen Nationaltheater Budweis. Neben Tschechien gibt es heuer Kooperationen mit Deutschland, Schweiz, Slowenien und der Ukraine. Diese Internationalisierung wird auch zum 10-Jahr-Jubiläum von Hin & Weg 2027 fortgesetzt und findet einen Höhepunkt im Rahmen der NÖ Landesausstellung 2028, die von Litschau über Gmünd bis Groß Gerungs stattfinden wird – und mit Budweis, der Kulturhauptstadt Europas 2028, eine grenzen-lose Zusammenarbeit lebt.“
Theaterklassiker & Musikdramatisches
Ein ungewöhnliches Musiktheater bringt Mercedes Echerer auf die Bühne: „Arrivederci Roma. Das Geheimnis der Rozsanéni“. Eine Roma vom Rande der Gesellschaft steht im Mittelpunkt und wird für Echerer zum politischen Anliegen. Ein ganz anderes Anliegen, nämlich das „Zur Rettung der Blasmusik“ wird in der AT-CH-Produktion von bumbumpieces & vanderbolten production verhandelt. Fulminant in Erinnerung folgt heuer ein weiteres intensives Live-Hörspiel von Sören Kneidl: „Frankenstein 2.0“, der zeitlose Stoff von Mary Shelley in einer rasanten Erzählung mit Musik, Sounddesign und Schauspiel. Überhaupt haben klassische Stoffe der Literatur und des Theaters heuer Hochkonjunktur. Ist es bei „Macht Liebe Tod. Szenenabend mit Musik“ (MUK) der Romeo-und-Julia-Stoff nach W. Shakespeare, so wird in „Rosenkranz & Güldenstern sind tot“ von Johanna Kainz (Max Reinhardt-Seminar) Hamlet gespielt, wenngleich die beiden Nebenfiguren im Off auf ihren tödlichen Einsatz warten. Ebenso klassisch, nun nach Goethe, wird „Faust. Der Tragödie Allerlei“ vom Schuberttheater und „Lottes Werther“ von Anja Jemc zu sehen sein.
Konzerte
Die Tage für zeitgenössische Theaterunterhaltung klingen abends mit Lounge-Konzerten im Glasfoyer aus, erneut von Sigrid Horn kuratiert. In Summe sind es fünf Konzerte – gesungene Dramatik von: Die Nowak, Elsa//JUMP, Blonder Engel, Das Schottische Prinzip – und: Natürlich gibt es auch wieder ein Konzert mit Sigrid Horn, heuer zusammen mit der Musiker*in Residence Flora Geißelbrecht (Bratschistin, Vokalistin), die in vielerlei Funktionen während des Festivals zu hören sein wird: Musikalische Begleitung von Andrea Nitsches „Verborgene Texte“, von Doris Weiners szenische Lesung „Agnes Bernauer“, sowie der Matineen von Bernhard Fellinger.
Matineen: Stemberger und Fellinger
Fellingers Früh.Stück, das vormittägliche Diskussionsformat auf der großen Bühne des Herrenseetheaters umkreist das jeweilige Festivalmotto, findet vier Mal statt und versammelt in Summe rund ein Dutzend Podiumsgäste. Heuer am Programm: „Schönheit & Schuld: Wunsch und Wirklichkeit“ (Lisbeth Bischoff, Flora Geißelbrecht), „Schönheit & Schuld: Im Auge des Betrachters“ (Karin Schön, Andreas Bamesberger), „Schönheit & Schuld: Schuld und Schuldgefühle“ (Katharina Weingartner, Wolfram Berger, Ursula Scheidle), „Schönheit & Schuld: ‚Schuld und Sühne‘“ (Pater Martin). Weitere Gäste sind in Planung.
Katharina Stemberger erweckt morgens als Zeremonienmeisterin im Prolog in der Teelöffel.Lounge die Festivalgäste zu geistigen Ausflügen in Literarisches und Philosophisches, um mental aufgewärmt in den Festivaltag starten zu können. Heuer steht sie zudem zusammen mit Wolf Bachofner in „Oh mein Gott“ auf der Bühne des MOMENT.
HINkommen & WEGsein
Weit über 100 Einzelveranstaltungen – Aufführungen, szenische Lesungen, Diskussionen und Hörspiele – werden es in diesem Jahr sein. Gespielt wird an außergewöhnlichen Orten in und um Litschau, im Herrenseetheater, im 200 Jahre alten BRAUHAUSstadl und im Theaterhaus MOMENT, das direkt neben dem Festivalzentrum beim Strandbad und am Areal des Theater- und Feriendorf Königsleitn liegt. Hier am Herrensee ist in den vergangenen Jahren eine Art von „Theaterlabor“ entstanden, wo Alt auf Jung, Musik auf Text, Natur auf Kunst und Geist auf Genuss treffen.
2026 stehen folgende Zusammenarbeiten am Programm:
Südböhmisches Theater Budweis (Tschechien), Teater Strik (Slowenien), Max Reinhardt-Seminar Wien, Luna Projects, Kollektiv Kunststoff, Musik und Kunstuniversität Wien, Theaterensemble kollekTief, Richard Kimberley, beamen.Ensemble (Ensemble in Residence), Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Drama Litschau, Landestheater Niederösterreich, Flirty Horse Collective, Wild Theatre, bum bum pieces, Kneidl/Gadermaier/Böck, Die Schwertsiks, English Lovers, dance beyond, Schubert Theater, Anton Bruckner Universität, Theater of Contemporary Dialogue (Ukraine), transhitheart productions, Hochschule für Musik und Theater Hamburg u. v. a. – zudem mit der Stadtkapelle Litschau und LitschauerInnen, die ihre privaten Küchen und Wohnzimmer für die heiß begehrten Küchenlesungen öffnen, heuer mit: Mercedes Echerer, Doris Weiner, Katharina Stemberger, Wolf Bachofner, Adi Hirschal, Wolfram Berger, Eva Mayer & Till Firit u. a.
Theater.Workshops
Zwischen den beiden Festival-Wochenenden werden in bewährter Weise Theater-Workshops abgehalten, in Summe sechs unterschiedliche Kurse, vom 10.–14.8.2026. Sehr praxisorientiert und zu folgenden Themen: „Bühnen Bilder Räume – Werkstatt visuelles Erzählen“ (Birgit Kellner), „Status spielerisch erforschen“ (Dana Csapo), „Sprechkunst und Rhetorik“ (Hannah Heckhausen), „Bühnenkampf“ (Anna Soibert), „Szene und Improvisation“ (Margarete Schuler) sowie „Songwriting“ (Thomas Gravogel). Für AnfängerInnen wie auch für Personen mit Theater- und Musikerfahrung. Die Workshopwoche ermöglicht den Austausch mit KünstlerInnen des Festivals wie auch mit Teilnehmenden aus unterschiedlichen künstlerischen Bereichen und Berufsfeldern.
Detailprogramm und Tickets ab sofort unter: https://hinundweg.jetzt/tickets/buchen/
