THE 4 EVAS – Break Out

Um die eigene Musik zu beschreiben haben sie ein Genre erfunden: Neo-Pop. Und, dass dies ein sehr weitläufiger Begriff ist, beweisen THE 4 EVAS auf ihrem Album „Break Out“, das 2011 erschien. Auf dem Cover ist eine Gestalt mit schmerzverzerrtem Gesicht im Fernsehbildschirm zu sehen, doch das führt in die Irre, denn so Ohrenterror gibt es auf dieser Platte nicht zu hören. Das amerikanisch-österreichische Trio hatte sich Mitte der 2000er formiert und einen ganz eigenständigen Sound entwickelt.

Und der hört sich auf jedem der neun Lieder, plus Hidden Track, anders an. Die Basis sind eine 90’s Grunge Atmosphäre, die zum Teil mit 80’s Post Punk Gitarren bestückt wird und die Vocals von Sänger Austin Settle, die sich perfekt jeder Stimmung anpassen, was den Songs einen bestimmten Groove verleiht. Der gleichnamige Opener erfüllt keine Ankündigungsfunktion, und ist ein sehr gelungener Post Rock Song. Wegen seiner harten, schnellen Gitarrenschläge und der nörglerischen Stimme, werden Erinnerungen an die Pixies wachgerufen.

Der nachfolgende Song „My Way Home“ teilt sich mit ihm nur noch ein Dröhnen, das sich mit dem melancholischen Gesang und Echo vermischt. Düster und drängend geht es auch mit dem Post Punk Intro von „Gave My All“ weiter. Dann Stimmungswechsel durch psychedelische Klänge auf „Everything I Do Is Wrong“. No Doubt lässt auf dem nervösen „Police Me Up“ mit Ska-Einflüssen grüßen. Sehr publikumstauglich präsentieren sich dann „Wanted Dead Or Alive“ und „Losing Altitude“. Wahrscheinlich manifestiert sich der Begriff Neo-Pop vor allem in jenen zwei Tracks. Harten Gitarren stehen Synthie-Details und Pop-Melodien gegenüber. Auch eine Ballade darf nicht fehlen. „Glimmer Of Hope“ macht ein wenig auf Nickelback, ist aber durchaus gut produziert und abgestimmt.

Auch wenn kein Lied dem anderen gleicht, ist der Schlusstrack besonders herausstechend. Sehr ambitioniert wird hier auf viereinhalb Minuten eine progressive Gitarrenlandschaft entworfen. Zuerst von schummrigen Vocals begleitet, verliert sie sich in der Instrumentalisierung und den gelegentlichen „Yeahs!“ von Settle. Wartet man eine weitere Minute, stößt man auf ein nasty Liedchen, von dem schnell klar wird, warum es von THE 4 EVAS versteckt wurde. Es nennt sich nicht nur „Japan Sex“, sondern entwirft auch eine sehr 80’s Soundkulisse mit asiatischen Synthies und lüsternem Geflüster.

Und so nimmt ein Album sein Ende, das gar nicht eingeordnet werden möchte in bestimmte Muster. Das Trio nimmt sich die Freiheit mit Genres zu spielen, obwohl, das immer ein gewisses Risiko in sich birgt. Auf „Break Out“ klappt es aber erstaunlich gut, vor allem wenn man ein offenes Ohr für Rock abseits der Normen hat.
Anne-Marie Darok