Mit einem in der Tat als erstklassig zu bezeichnenden Musikprogramm wartet das diesjährige Soundnoise Festival im Dornbirner Spielboden auf. Von 13. bis zum 15. Mai wird dem Publikum, wie schon im vergangenen Jahr, jede Menge Experimentelles, Avantgardistisches, Schräges und Extremes aus der weitläufigen Welt der elektronischen Musik geboten. Zudem haben die Festivalbesucher die Gelegenheit, an einem, jeweils nachmittags stattfindenden, dreitägigen Workshop teilzunehmen, in dem der Produzent Roman Rabitsch Interessierten das Musizieren und Produzieren am Computer mit dem Apple Logic Studio näherzubringen versuchen wird.
Wie gewohnt wartet das Festival auch heuer mit einigen echten musikalischen Leckerbissen auf. Auf jeden Fall dürften Liebhaber elektronischer Musik voll auf ihre Kosten kommen. Grenzen zwischen den unterschiedlichen Spielarten werden keine gezogen. Die BesucherInnen sollen an den drei Tagen ein stilistisch so umfangreiches Programm geboten bekommen, wie nur möglich. Den Veranstaltern geht es darum, einen Überblick darüber, in welche Richtungen sich die elektronische Musik entwickelt hat, welche Ausformungen sie heute annimmt und in welche Genres sie Eingang gefunden hat, zu schaffen. Bereits der erste Acts des Festivals, die deutsche Band Panzerballet, beweist, dass herkömmliche Kategorisierungen in der Musik nur noch schwer Anwendung finden. Hier kreuzen sich Elemente des Jazz mit solchen aus dem Metal und Funk. Untermalt wird diese höchst ausgefallene Mischung mit einer Reihe ausgefallener elektronischer Spielereien. Aus einer vollkommen anderen Richtung entstammt das Bregenzer Duo Fire licks Dynamite, die im Anschluss an ihre deutschen Kollegen, die Bühne betreten werden. Will man die Musik des Zweiergespanns irgendwie zuordnen, kommt man mit der Umschreibung Indie-Electronic-Power-Rock wohl am nächsten. Damit nicht genug entführt die dritte Band des Abends das Publikum erneut in eine komplett andere musikalische Welt. Die belgische Formation Anarchistische Abendunterhaltung, mit der Besetzung Klarinette – Cello – Akkordeon – Violine (oft elektronisch verfremdet) kombinieren die Energie, den Geist und die Simplizität des Punk mit der Virtuosität klassischer und der Tanzbarkeit folkloristischer Musik und der Vielfalt des Jazz. Schon alleine dieser Eröffnungstag zeigt, dass sich das Soundframe Festival keinen Einschränkungen unterwirft.
In derselben Tonart geht es auch an den folgenden zwei Veranstaltungstagen weiter. Am 14. Mai stehen mit Aber das Leben lebt, Laokoongruppe und Bernhard Fleischmann feat. Marilies Jagsch gleich drei heimische Acts auf der Bühne, die in der jüngeren Vergangenheit mit erstklassigen Veröffentlichungen auf sich aufmerksam machen konnten. Mit “Walzerkönig” etwa sorgte der unter dem Name Laokoongruppe werkelnde Karl Schwamberger im vergangenen Jahr für eine der großen musikalischen Überraschungen. Auf dem Album finden sich Klassik, alpine und amerikanische Volksmusiken, allerhand Jazz und Pop, Techno sowie experimentelle Elektronik in solch unprätentiöser Weise vereint, wie man es schon lange nicht gehört hat. Nicht weniger spannend die Band Aber das Leben lebt, die sich nach Jahren mit dem 2009 erschienen „Hospital Years“ eindrucksvoll zurückgemeldet hat. Gepflegten Lo-Fi-Electronicsounds aus der Groovebox bietet der Elektroniker Bernhard Fleischmann, der auf seiner letzten CD “Angst is not a Weltanschauung” mit einer deutlichen Hinwendung zum Songwriting zu überraschen vermochte. Stimmlich unterstützt wird der Wiener von der österreichischen Songwriterin Marilies Jagsch. Komplettiert wird das Line Up des zweiten Tages von der Schweizer Band Adriatique. Gegenwärtig zählt die Combo zu einem festen Bestandteil der elektronischen Musikszene im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.
Auch am Abschlusstag mangelt es nicht an Höhepunkten. Zunächst wartet die Dänin Katrine Ottosen alias CALL ME KAT mit in einer hinreißenden „one-woman-show“ begleitet von Keyboards und Samples auf. Bereits zum zweiten Mal beim Soundnoise zu Gast ist die niederländische Truppe Next Life. Mit ultrabrutalen und bewusstseinserweiternden, selten mehr als 20-minütigen Sets stiften Next Life sowas wie die naheliegendste Verbindung zwischen Metalriffs, Progrock und den virtuellen Welten altmodischer Gamekonsolen. Anschließend folgt mit Sir Tralala alias David Hebenstreit einer der großen Kreativgeister der heimischen Musikszene. Der musikalische Querdenker lieferte nach fünf Jahren Wartezeit im 2008 mit “Escaping Dystopia” ein Album ab, das schlicht und einfach als herausragend zu bezeichnen ist. Die Musik des in Wien lebenden Künstlers war ja schon bisher in keine bestimmte Kategorie einordenbar, aber die Selbstverständlichkeit, mit welcher er in seinen neuen Songs Stile miteinander verwebt, hat sogar die ausgewiesenen Kenner von Sir Tralala überrascht. Ebenfalls mit neuem Material reist Rainer Binder-Krieglstein an. Der Musiker zeigt auf seinem in diesem Jahr erschienenen Werk „New Weird Austria“ erneut auf eindrucksvolle Art und Weise, dass er sich recht wenig um festgesetzte Genregrenzen kümmert, sondern sich vielmehr in der Rolle eines Brückenbauers zwischen auf dem ersten Blick nicht wirklich kompatibel erscheinenden Stilen sieht. Der experimentierfreudige Steirer bezieht in seinen neuen Songs seine Inspiration vorwiegend aus der heimatlichen Volkmusik. Diese übersetzt er, ähnlich wie seine Kollegen Attwenger, in einen clubtauglichen und mit Elektronik versetzten Kontext.(mt)