Soho in Ottakring 2010

Seit 1999 findet nun schon das Kunstfestival “Soho in Ottakring”, das gleichzeitig Stadtteilprojekt sowie Plattform für soziokulturelle Projekte, Ausstellungen und künstlerische Interventionen ist, statt. Die diesjährige vom 8. Bis zum 22. Mai stattfindende Veranstaltung läuft unter dem Motto „Kick the habit – Pfeif drauf! Ventil Rassismus” und thematisiert in zahlreichen Kunstprojekten, Konzerten und Ausstellungen die “weit verbreitete schlechte Angewohnheit” Rassismus.

Im Herbst 2010 wählt Wien sein neues Stadtparlament. Denkt man an die vergangenen Wahlen zurück, weiß man was das heißt. Es sind Wochen, in denen im Wahlkampf mit Vorurteilen Stimmung gemacht wird, in denen mit Rassismen versucht wird, die Leute zu mobilisieren, in denen alles „Fremde“ zu einer Bedrohung für die Gesellschaft hochstilisiert wird. In Wahlkampfzeiten werden leider allzu oft die positiven Aspekte des multikulturellen Zusammenlebens einfach ausgeblendet. Das Kunstfestival „Soho in Ottakring“ versucht in den kommenden zwei Wochen einen Gegenpol zu der im Herbst stattfindenden „hässlichen“ politischen Auseinandersetzung zu bilden. Es soll unter anderem werde der Frage nachgegangen werden, wie es dazu kommen konnte, dass rassistische Politik von der Gesellschaft immer öfter als Lösungsmittel für ökonomische und soziale Probleme akzeptiert wird.

An spannenden kulturellen Beiträgen mangelt es bei der diesjährigen Veranstaltung nicht. Auf dem Programm stehen zahlreiche spannende Kunstprojekte, die von Ausstellungen und Installationen über Performances, Workshops bis hin zu Foto-und Kochkunst reichen. Zudem bieten die Veranstalter den BesucherInnen ein wirklich abwechslungsreiches Musikprogramm. Eröffnet wird das Festival am Yppenplatz mit einem Konzert der türkisch-deutschen Ska-Band Skarabäus.

Eines der Highlight ist das Projekt “Informal Research Lab” der US-Künstlerin Maura Jasper, des Briten Josh Tompson und des in Wien lebenden Künstlers Stephen Mathewson. Entstehen soll hier eine Art offenes Laboratorium, in dem die Mitwirkenden mitgebrachtes und vor Ort gesammeltes Material zum Thema Rassismus bearbeiten und analysieren. Dieser Prozess soll über den gesamten Festivalzeitraum, für die Leute mitverfolgbar sein.

Ebenfalls hoch interessant verspricht der Beitrag „60min” der österreichischen Experimental Rockband Rosensprung zu werden. Gemeinsam mit Kollegen machen sich die Musiker daran, in der Kalvarienberggasse, der Heimat des Labels und Studios Blauschacht, eine Klangskulptur zu entwerfen. Im Stundentakt werden akustische Aufnahmen von der Umgebung gemacht, welche von der Band musikalisch bearbeitet und der Außenwelt wieder vermittelt werden. Ziel dieses Projektes ist es, eine Art klangliche, sich ständig weiterentwickelnde  Feedbackschleife zu generieren. Das Ergebnis wird mit dem Titel „60min” über Blauschacht auf Tonträger veröffentlicht.

Gespannt darf man  auch dem Projekt „Schönberg Revisted“ auf dem Yppenplatz entgegenblicken, in dem der Versuch unternommen wird den Lebens- und Emigrationsweg des österreichischen Komponisten mittels Musikstücken, einem kurzem Vortrag, sowie Bild- und Klanginstallationen näher zu beleuchten.

Aber auch sonst bietet „Soho  in Ottakring“ musikalisch einiges. In den zwei Wochen zu sehen sein werden unter anderem Ernesty International, das Projekt von Ernst Tiefenthaler, der amerikanische Songwriter Mike Johnson, Moped Rock, Propella uvm. Über das umfangreiche Gesamt-Programm, sowie Auftritts-Orte und -Zeiten informiert man sich am besten gleich über die Festival Homepage. (mt)

http://www.sohoinottakring.at