Soap & Skin

Das mit den Vorschusslorbeeren ist ja immer so eine Sache. Nicht selten werden die von außen geschürten Hoffnungen am Ende dann doch nicht erfüllt. Wie dem auch sei, eines steht fest, Anja Plaschg hat gehörig viel Staub aufgewirbelt. Sei es nun wegen ihrer Musik, ihres Alters oder aufgrund ihres Auftretens. Vermutlich war es die Summe aus allem, das manche so genannte Musikkritiker dazu verleitete, die junge Musikerin als das nächste “große Ding” zu bezeichnen. Ein Umstand mit dem Anja Plaschg selbst, zumindest kann man sich des Eindrucks nicht erwähren, wohl am wenigsten etwas anfangen kann. So wie ihre Musik wirkt auch die inzwischen in Wien lebende Künstlerin sehr zurückhaltend und distanziert. Dem um ihre Person veranstalteten öffentlichen Rummel begegnete sie stats mit einem tiefen Misstrauen. Sie ist kein Mensch der Großen Worte, vielmehr begegnet sie den HörerInnen mit ihren tieftraurigen Liedern. Träume, Einsamkeit und der Tod sind die zentralen Themen.

Musikalisch geht sie dabei sehr leise und reduziert an die Sache heran. Im Vordergrund stehen ein Klavier und ein unter die Haut gehende Gesang – ihre Stimme, die jeden Moment zu zerbrechen droht lässt die Songs zu einer emotionalen Achterbahnfahrt werden. Untermalt werden die von einer ungemein atmosphärischen Dichte getragenen Kompositionen von dezent eingesetzten Beats und diversen Sounds aus dem Laptop. Die Musik ist nur schwer in eine bestimmte Kategorie einzuordnen. Vielmehr hat Anja Plaschg auf der Suche nach geeigneten Ausdrucksmöglichkeiten, ihre ganz eigene Nische für sich entdeckt.

Die aus der Steiermark stammende Künstlerin begann schon früh Klavier zu spielen. Mit der Entdeckung des Computers als Instrument entwickelte sich auch die Lust am Experimentieren mit diversen Sounds. Es dauerte nicht lange, da war auch schon eine gewisse Anzahl an Liedern fertig gestellt, die sie dann auf CD gebrannt als Soap&Skin an das Berliner Label Shitkatapul schickte, wo sie nur wenig später auch unter Vertrag genommen wurde. Es waren die außergewöhnliche musikalische Virtuosität und die bestechende Qualität kombiniert mit der visuellen Ausdruckskraft der Künstlerin, die die Verantwortlichen des renommierten Labels zu diesem Entschluss veranlasste. Was in der darauffolgenden Zeit abgegangen ist, war, zumindest für österreichische Verhältnisse, recht ungewöhnlich. Es entstand ein Hype, der, angetrieben von Berichten etwa im Spiegel oder in der FAZ, hierzulande seinesgleichen sucht. Es wurde eine Erwartungshaltung konstruiert, an der schon andere KünstlerInnen kläglich gescheitert sind.

Generell muss man sagen, dass Soap&Skin nur schwer in eine Kategorie einordenbar ist. Selber benennt sie unter anderem Größen wie Xui Xui, Cat Power oder Björk als Referenzen, wobei die musikalischen Einflüsse dieser Künstlerinnen sich in den eigenen Stücken eher in Grenzen halten. Die aufstrebende Musikerin, die inzwischen an der Wiener Akademie der bildenden Künste studiert, hat ihre ganz eigene Nische für sich entdeckt, eine, die hierzulande als einzigartig zu bezeichnen ist. Nahezu alle Songs entfalten eine ungemein atmosphärische Intensität und Dichte, die nicht selten an die britischen Trip-Hop Ikonen Portishead erinnern.

Mit “Lovetune for Vacuum” fand das Warten 2009 schließlich ein Ende. Das Album wurde durch die Bank hervorragend rezensiert und fand auch im Ausland großen Anklang. Kein Wunder also, dass Soap&Skin inzwischen in ganz Europa gebucht wird. Umso schöner ist es daher, dass sie auch immer wieder Zeit findet auch hierzulande Konzerte zu spielen. Wie eben auch jenes im Rahmen des Waves Vienna Festivals. (mt)

http://www.soapandskin.com/