Release Radar: ANTHEA, CULK, LAIKKA, WERCKMEISTER U.V.M.

Der Release Radar ist eine monatliche Auswahl an Single Releases aus dem Bereich Pop/Rock/Elektronik made in Austria.

Efeu – „Teer & Gras“ (Assim Records // VÖ 08.10.’23)

Fahrradkeller sind die neuen Dachböden“, steht als Beisatz unter dem aktuellen Video zu „Teer & Gras“ der Vorarlberger Rockband EFEU, und leitet den Hörer galant in Richtung Underground.
Wie Pech zu Schwefel, gehören „Teer & Gras“ zum exaltierten Lebensstil eines Jugendlichen, der mit Hilfe dessen, jeden Atemzug zu genießen weiß, und den Solipsismus gegen störende Einflüsse des Alltags abschottet. Doch das kanns ja auch nicht sein auf Dauer. Die Transition ins Wirkliche und seltener rauschige Leben erfordert Adaption, die oft mit Veränderung und folglich auch Sorgen begleitet ist. Und so kommt passend zur elegisch gefärbten Jahreszeit ein Song über die Angst, die Begeisterung füreinander zu verlieren, nachdem mit diversen Substanzen nicht mehr so regelmäßig und schönfärberisch auf das limbische System eingewirkt wird. 
Wem der nüchterne Alltag dann doch zu grausam ist, dem sei die EP Release Show am 19.10.23 im Flex empfohlen.

EFEU

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Julia Zischg – „Imaginary friend” (Julia Zischg // VÖ 06.10.’23)

Kinder reden mit ihm laut und ganz selbstverständlich. Am liebsten in Gestalt einer Puppe. Später im Leben, wenn auch oft unbewusst, bleibt dieser Freund stets dein Verbündeter. Er sieht alles, was wir machen, oder eben auch leider nicht machen. Er treibt uns an und gibt uns Energie. Als konstruktive Kraft ist er sozusagen der Partner der Person, die wir gerne sein würden, und verhilft uns dabei zu einem besseren Menschen zu werden.
Julia Zischg schrieb ihrem „Imaginary Friend” daher einen Song. Eine soulige Liebeshymne mit jazzig modaler Klavierbegleitung und stellt am Ende solonisch fest „i can’t ignore you“. Denn sonst würde der Antagonist die Leitung übernehmen. Die destruktive Kraft des Gegenspielers – der sogenanne „Innere Schweinehund“ – und über den ließe sich vermutlich nur sarkastischer Gaudisong schreiben, was bei der trefflichen Stimmfertigkeit von Julia Zischg sprichwörtlich Perlen für die… wäre.

Julia Zischg

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BARBARA NEUHAUSER – „Spiegel“ (VÖ: 20.10.’23)

Ein Popsong, der in einen Sound gehüllt ist, der auf wirklich schöne und spannende Weise einen etwas ungewöhnlichen Akzent setzt. Dass die junge Wiener Sängerin und Songwriterin Barbara Neuhauser ihre eigene musikalische Sprache spricht, wurde bereits durch ihre bisherigen Veröffentlichungen, wie etwa “Wie im Traum”, deutlich. Gleiches trifft auch auf ihre neue Single “Spiegel” zu, die vom Keyboarder und Produzenten Angel Vassilev (früher bekannt als Elis Noa) produziert wurde. Der Song betont erneut die außergewöhnlichen gesanglichen Qualitäten von Barbara Neuhauser und vermittelt eine warme Brise, die aufgrund ihres ruhigen und verträumten Charakters eine beeindruckende Atmosphäre schafft. Das Lied lädt dazu ein, sich für einen Moment einfach nur treiben zu lassen und erfasst den Hörer:in mit einer besonderen, angenehmen Energie, die wirklich berührt. Angesichts eines so beeindruckenden Vorboten darf man gespannt auf das für 2024 geplante Debüt der Sängerin sein.

Barbara Neuhauser

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Anthea – „5AM“ (Anthea, Edition Dolphin Dance // VÖ 06.10.’23)

Anthea Schranz ist eine in der queeren Clubszene verwurzelte Person. Demnach naheliegend, dass sie sich bei Elementen der Rave Kultur aus den Neunzigern bedient, die die gegenwärtig proklamierten Werte wie Toleranz und Solidarität auf das bunteste zu feiern wusste. Grund genug, sich mit dieser Bewegung auch musikalisch zu solidarisieren.
Aus Eurodance entwickelte sich so unter anderem der derzeitige Hyperpop. Und der lässt in den eingängigen Refrains die Formanten in den Silben da-dada-da wie Teletubbies auf Drogen durch den bunten Frequenzbereich sausen.
„5AM“ erinnert an den Welthit „Blue (Da Ba Dee)“ der italienischen Gruppe Eiffel 65 mit einer Extraprise Melancholie à la „Better off alone“ von Alice DJ, dessen Albumtitel „Who needs guitars anyway?“ aus dem Jahr 2000 aber sicher auch für Anthea zum produktionstechnischen Paradigma erhoben werden könnte.

Anthea

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Culk – „Generation Maximum” (Siluh Records  //  VÖ 05.10.’23)

 „Generation Maximum“ ist der Titelsong und zweite Vorbote des dritten Albums der Wiener Band Culk und klingt tonmalerisch für unsere von Krisen geprägte Zeit.
Tanzbar, uplifting oder fantastisch sind nicht gerade die Attribute der Musik einer Band, die sich inhaltlich den gesellschaftlichen Hürden, ja auch den existenziellen Problemen unseres menschlichen Daseins widmet. Eine Spotify Playlist mit dem nüchternen Titel „Apokalypse“ vermittelt da einen vergleichsweise beruhigenden Hörgenuss. Die absteigende harmonische Sequenz begleitet die fallende Melodielinie der immer leicht nach Resignation klingenden Charakterstimme der Interpretin Sophie Löw. 
Perkussive Industrialklänge markieren den ersten Teil des Songs. Nach neunzig Sekunden leitet der Song in einen komplett neuen Teil über. Nun schimmert Hoffnung durch die poetischen Textzeilen des musikalischen Protests, der nun nicht mehr nach Trauermarsch klingt. Manchmal braucht es eben krasse Änderungen, und nicht nur kleine Adaptionen, um gewisse Ziele zu erreichen.

Culk (instagram)

httpv://www.youtube.com/watch?v=aE–EZV-REQ

LAIKKA – „Echo“ (Fabrique Records // 29.09.23)

Mit der neuen Single „Echo“ kündigen die beiden Elektro-Popper LAIKKA aus Wien ihr drittes Album an. Metaphorisch klingt im Namen des Titels, wie auch musikalisch das bisherige Schaffen als konsequente Weiterführung nach. Die kühle Instrumentierung melancholischer Clubmusik steht klar im Vordergrund. 
In den Strophen windet sich die Bassdrum noch sehr verspielt und synkopiert um die Synthesizer-Sequenz. Der Chorus präsentiert sich dann im tanzbaren Two-Step Groove.
Erst gegen Ende treibt der Drumcomputer das Gitarrensolo für einen kurzen Moment der Losgelöstheit mit der technoiden Viertelbassdrum in ekstatische Höhen. Fast sinnbildlich.

Laikka

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Werckmeister – „Die Datenbank“ (Erdgleich // VÖ 28.09.’23)

Werckmeister ist die Formation um David Howald, die mit „Maruschka“ am 06.10.23 ihren zweiten Longplayer veröffentlicht hat. „Die Datenbank“ war die letzte Single vor dem Album, und setzt sich lyrisch mit dem Thema künstliche Intelligenz auseinander.
Wie bringt man einer Maschine ein Gedächtnis bei und warum wissen wir angeblich schon bevor die Frage zu Ende formuliert ist, dass das die Antwort und die Lösung all unserer Probleme ist.
Und weil das Thema so komplex und alles andere als eindeutig ist, lässt David Howald jeden zweiten Takt als kurze Denkpause leer. Bis auf die ostinate Snare auf Schlag drei, die wie ein Pendel oder Gong die nicht gerade sanfte, aber fünfminütige und Mediation markiert. 
Das Arrangement ist ebenso wie die Instrumentierung so elementar gehalten, dass eine stilistische Einordnung kaum möglich ist. Geschickt wird hier die Aufmerksamkeit auf die gesungenen Textzeilen gelenkt. 
Präsentation des Albums findet am 20.10. im Radiokulturhaus statt.

Werckmeister

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ORYMA & Pasquale Racca – „Freiheit“ (VÖ 27.09.’23) 

„FREIHEIT” – Ein Track gegen Gewalt an Frauen. Dieser kraftvolle Song erhebt sich gegen Unterdrückung und setzt sich für ein Leben ohne Angst und Gewalt ein.
So lautet die Beschreibung unter dem Youtube-Video des Hard Techno Produzenten ORYMA. Dass Musiktherapie angstlösend wirkt, ist wissenschaftlich bestätigt. Inwieweit ein Song sich für ein gewaltfreies Leben einsetzen kann, muss vermutlich noch erforscht werden. 
Falls ja, wünschen wir uns ein ganzes Album von ORYMA mit den Songs „Frieden“, „Freude“ und „Eierkuchen für alle“ am besten noch vor Jahresende.

ORYMA

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SOVIE – „Schwerelos“ (SOVIE // VÖ 22.09.’23)

Ein verhalltes, triolisches Delay im Piano-Diskant und soulige Chorgesänge zeichnen den Titel „Schwerelos“ tonmalerisch. Passend dazu besingt die Leadstimme von SOVIE in ihrer ersten deutschen Single das Gefühl, sich treiben zu lassen. Ein subtiler Appell, dem Selbstoptimierungstrend unserer ständig konkurrierenden Gesellschaft wenigstens hier und da eine Pause zu gönnen.
Der zweiminütige Song wirkt dabei so entspannend wie eine ganze Meditationssitzung, ohne auch nur an einer Stelle beiläufig zu sein.

SOVIE

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Ben Clean – „Sag mir alles gut“ (BouncyBen // VÖ 21.09.’23)

Unter dem Namen BEN CLEAN schreiben (Benjamin Klien) und produzieren (Maxi Nagl) die beiden jungen motivierten Musiker Single um Single in ihrem Jugendzimmer, um sie als Köder in den scheinbar endlosen Streaming Ozean zu werfen. Natürlich in der Hoffung auf einen großen Fang. Auf jeden Fall bekommt man aber ein Gefühl für die Streaming-Welt und Feedback in Form von Klickzahlen. „Sag mir alles gut“ fischt stilistisch in Indie-Gewässern und besingt das ewige Dilemma der schier unvereinbaren Grundbedürfnisse nach Geborgenheit und Freiheit. 
Live zu hören am Freitag (29.09.) in der Kulisse Wien.

Ben Clean

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Prohaska – „Stewardess“ (schneckrec.  //  VÖ 15.09.’23)

Stereotype Rollenbilder aus Hollywoodfilmen prägen unseren Alltag. Natürlich ist es leichter ein bestehendes Bild zu projizieren, als ein neues zu „malen“. Aber jede Generation zeichnet ihre Helden neu. Und so werden die sexistischen und verachtenden Bilder aus den Köpfen nach und nach befreit. 
Die Band Prohaska entkoppelt mit ihrer aktuellen Single nicht eben nur diese, sondern gleichzeitig auch das antiquierte und sexistisch besetze Bild der „Stewardess“, und rückt es mit einer Betonung auf die Attribute stressresistent und souverän geradeaus in Richtung Gegenwart. Soundtechnisch gewohnt funky a.f.

Prohaska

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