Das multidisziplinäre Festival “Reheat 2014“, das heuer am 23. August stattfinden wird, hat dieses Jahr das Wort “SEHR” ohne Adjektiv, Adverb oder Verb, also ohne Kontext zum Ausgangspunkt künstlerischer Auseinandersetzung ausgerufen. Es steht also kein bestimmtes Thema im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Aufforderung an die KünstlerInnen, in ihren Projekten in alle Richtungen hin zu übertreiben und zum Extremen hinzudenken.
Statt laut, noch lauter, oder überhaupt ganz leise. Statt viel, minimalistisch wenig, statt Krach, die vollkommene Stille. Die KünstlerInnen, die in diesem Jahr im Kleyehof im Burgenland ihr Stelldichein feiern werden, sind gefordert, ihre ohnehin schon weit verrückten Grenzen, nochmals zu dehnen und die angestammten Positionen bewusst zu verlassen. Es geht bei diesem Festival um das Experiment, darum, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, um die Erforschung neuer klanglicher Ausdrucksmöglichkeiten, um den kunstvollen und avantgardistischen Brückenschlag zwischen den verschiedenen Disziplinen. Erlaubt ist alles, jedes Mittel, jede noch so abwegige Idee, Vorstellung und Phantasie, die einen Bruch mit der gängigen musikalischen Praxis bedeuten. Das Ziel ist, die Wahrnehmung der Beteiligten und auch des Publikums zu schärfen und neue Perspektiven der Betrachtung zu eröffnen.
Unter anderem spannende Konzerte, elektroakustische Performances, schräge musikalische Versuche und Installationen abseits aller Normen gibt es von österreichischen dem Gitarristen und Elektroniker Burkhard Stangl, der norwegischen Band MoE, dem Duo Josef Novotny/Heimo Wallner, dem amerikanischen Dreiergespann Catherine Lamb/Bryan Eubanks/Johnny Chang und dem Trio Matija Schellander / Attila Faravelli / Manu Mayr. Das gesamte Programm unter.
Was im künstlerischen Sinne tatsächlich passieren wird. Nun, so wirklich voraussagen, lässt sich das klarerweise nicht. Dafür schränken die Vorgaben, die an die KünstlerInnen gestellt worden sind, einfach zu wenig ein. Man muss schon selbst tief in die Materie eintauchen und sich überraschen lassen. Aber genau diese Herausforderung macht Reheat ja immer auch so interessant.
Michael Ternai
http://reheat.klingt.org/2014/