Protestant Work Ethic – Rush for Second Place

Simon Usaty zählt zu jener Sorte von Liedermachern, die ihr Glück vor allem in der edlen Zurückhaltung suchen. Der Wiener setzt in seiner Musik bewusst nicht auf laute Töne, vielmehr ist er bestrebt, auf leisen und dezenten Sohlen Eingang in die Herzen der Menschen zu finden. Was ihm, wie man auch auf dem vor wenigen Wochen erschienenen neuen Album seines Bandprojekts Protestant Work Ethic „Rush for Second Place“ (Konkord Records) sehr schön hören kann, auch ganz vortrefflich gelingt.

In der bewussten Unaufgeregtheit und Ruhe liegt die Kraft. Zu diesem Schluss kann man zumindest kommen, lauscht man den neuen Songs von Protestant Work Ethic. Simon Usaty, der führende Kopf dieses 2003 ins Leben gerufenen Singer-Songwriter-Folk-Projekts, verzichtet auf seinem dritten Album „Rush for Second Place“, wie schon auf den Vorgängern, bewusst auf alles Überbordende und Ausufernde. Der Wiener legt den Fokus auf die Einfachheit und Zurückhaltung, er reduziert seine Musik auf die eigentliche Essenz, was im Ergebnis letztlich zu einem Mehr an Atmosphäre führt. Seine insgesamt zehn Songs sind einer sehr eindringlichen, unmittelbaren und emotionalen Natur, sie wissen zu berühren, gehen schnell ins Ohr und sorgen in manchen Momenten auch richtiggehend für Gänsehaut. Und das ganz ohne, und hier zeigt sich deren wahre Stärke, sich in irgendeiner Form in der sonst so üblichen mainstreamtauglichen Oberflächlichkeit zu verlieren.

Die durch Simon Usatys gefühlvolle Stimme zum Ausdruck gebrachte Melancholie ist eine sehr authentische, von jedem unnötigen Pathos befreite und erfreulicherweise alles andere als klischeebeladene. Stilistisch zwischen modernem Liedermachertum, Country, Folk, ein wenig Americana und Pop agierend, formt sich der Wiener gemeinsam mit seinen Mitmusikern Stephan Bauch, Philip Pfleger, Jörg Kammerhofer und David Schweighart Akustik-Nummern (in manchen Passagen treten eine Violine oder einer Bläserfraktion hinzu), die in einen warmen Gesamtsound gehüllt, ihren ganz eigenen Charakter entwickeln. Man fühlt sich auf seltsame Weise irgendwie aufgefordert, näher hinzuhören, sich mit dem Dargebotenen näher auseinanderzusetzen und es einfach wirken zu lassen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Rush for Second Place“ ein Album geworden ist, das sich von Mal zu Mal mehr und mehr in die Tiefe entwickelt und dadurch in der Qualität auch stetig wächst. Es handelt sich hier um alles andere als um einen Schnellschuss, die Songs wirken und gefallen nachhaltig, was man von manch anderen Produktionen oftmals nicht wirklich behaupten kann. (mt)

Foto: © Simona Reisch

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