Porträt: Material Records

Wolfgang Muthspiel, seines Zeichens einer der international renommiertesten und erfolgreichsten Jazzmusiker Österreichs, ist ein Mann der Tat. Quasi aus der Not heraus gründete er im Jahre 2000 kurzerhand sein Plattenlabel Material Records. Dieser Schritt lag einzig darin begründet, dass der Gitarrist zu dieser Zeit gemeinsam mit der norwegischen Sängerin Rebekka Bakken gerade dabei war, das Album „Daily Mirror“ aufzunehmen. Das Problem welches sich stellte war, die Plattenfirma, auf der das Album veröffentlich werden sollte,  sprang kurz vor Ende der Aufnahmen ab. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, beschloss Wolfgang Muthspiel, die Dinge einfach selbst in die Hand zu nehmen. Das Duo brachte die Platte über Material Records heraus, was sich im Nachhinein als die genau richtige Entscheidung entpuppte. „Daily Mirror“ wurde ein voller Erfolg und Muthspiels Plattenfirma etablierte sich als eines der bedeutendsten österreichischen Jazzlabels.

Wobei der Zuschreibung Jazz in diesem Zusammenhang eher als eine Art Etikett angesehen werden muss. Wer Wolfgang Muthspiel kennt, der weiß, dass er sich als musikalischer Grenzgänger nicht wirklich in eine bestimmte Kategorie einordnen lässt. Es gibt wohl keine Strömung innerhalb des Jazz, in welcher der stilistisch ungemein vielfältige Gitarrist und Komponist nicht bewandert wäre. Seine eigenen Arbeiten zeichnen sich zudem durch eine große Offenheit anderen Genres und besonders Neuem gegenüber aus. Wolfgang Muthspiel versucht in seiner Musik das Feld des Jazz einer stetigen Erweiterung zu unterziehen, es mit zusätzlichen Facetten auszuschmücken. Daneben ist der zweifache Hans Koller Preisträger und Gewinner des European Jazz Prize 2003 selber ein großer Musikfan, der sich zu allen Seiten hin interessiert zeigt. Warum sollte der gebürtige Judenburger also bei seinem eigenen Label nicht genau dieselben Maßstäbe anlegen.

Und das tut der gebürtige Judenburger natürlich auch. Material Records versammelt mittlerweile MusikerInnen, Bands und Ensembles aus unterschiedlichsten Stilen und Spielarten. Es ist die enorme Bandbreite die den heutigen Katalog des Labels so ungemein interessant macht. Wolfgang Muthspiel lässt „seinen“ KünstlerInnen im Gegensatz zu vielen Major-Firmen  genügend Raum sich kreativ zu entfalten. Er lässt ihnen genügend Zeit, ihre eigenen Visionen zu verwirklichen. Der Gitarrist will als Leiter der Firma auch keinen speziellen Sound etablieren. Vielmehr sollen Gruppen von KünstlerInnen gefördert werden, die gewisse Verwandtschaften aufweisen. Zudem geht es ihm primär nicht um den kommerziellen Erfolg eines Albums, sondern um die hohe Qualität sowie die innovative Kraft der Musik. Natürlich sollte und muss sich eine Aufnahme im Nachhinein auch rechnen, wer steigt schon gerne mit einem Minus aus, doch es ist nicht der primäre Antrieb. Außerdem, Muthspiels gutes Händchen bei der Auswahl von MusikerInnen, Bands und Ensembles hat bisher ohnehin bestens funktioniert.

Stilistisch umfasst das musikalische Repertoire des Labels im weitesten Sinne die drei Bereiche Gebiete Jazz, Song und Klassik. Neue innovative Jazzproduktionen finden sich daher ebenso auf der Liste wie talentierte und aufstrebende Singer/SongwriterInnen sowie neu komponierte oder auf neue Art und Weise interpretierte Klassik. Alleine die Namen der KünstlerInnen, die über Material Records ihre Alben veröffentlichen oder veröffentlicht haben, belegen, welch hohe Reputation Muthspiels Label inzwischen genießt. Und das national wie auch international. Die Artists von Material Records umfassen unter anderem natürlich Wolfgang Muthspiel selbst, Triology, Beefolk, Brian Blade, Dhafer Youssef, Amarcord Wien, Christian Muthspiel, Helgi Jonsson, Martin Reiter, Rebekka Bakken uvm. (mt)

http://www.materialrecords.com