Porträt: Konea Ra

Man mag es nennen wie man möchte: Eso-Elektronika, Indie-Dreampop, Elektro-Experimental usw.usf. Fakt ist: Konea Ra bedient sich einem musikalischen wie auch performativen Spektrum, an dem aktuell die gesamte internationale Musikszene Gefallen findet. Egal zu welchem TV-Musiksender man sich gerade durchgezappt hat, überall scheinen feenhafte Gestalten im düsteren Glitzernebel über den Bildschirm zu schweben und mit hauchzarter Engelsstimme über ein elektronisches Soundgeflecht zu singen. Künstler dieses im Trend liegenden musikalischen Zaubermetiers, lassen sich zuhauf aufzählen: Fever Ray, Gusgus, Grimes, Lykke Li, Empire of the Sun, Crystal Castels sind nur einige wenige, die sich gemeinsam mit Konea Ra ins mystifizierte Pop-Gefüge eingliedern.

Konea Ra, unter diesem geheimnisvollen Pseudonym verbergen sich die beiden österreichischen Musiker Matthias Cermak und Stephanie Zamagna. Während Ersterer ein Saxophon-Studium absolviert hat, außerdem unter dem Namen Mangara als Produzent, Sänger und Songschreiber tätig ist und einen Teil des Wien-Berliner Produktions-Kollektivs Berlienna bildet, ist Stephanie Zamagana als Sängerin für diverse Musik-Projekte im Einsatz. So gibt sie unter anderem bei der in Aachen beheimateten Formation Señor Torpedo den Ton an und pendelt dafür regelmäßig zwischen Deutschland und Österreich. Des weiteren hat sie bei diversen Produktionen des Wiener Elektro-Pioniers Karl Möstl ausgeholfen, auf dessen Label Defusion Records eben auch Mangara zuhause ist. Bei Defusion haben sich also die beiden Künstler zufällig kennengelernt und nur wenige Zeit später das gemeinsame Projekt Konea Ra ins Leben gerufen. Benannt hat sich das Duo nach der spirituellen Figur „Ko nea rau neh neh“, die in der indianischen Fabelwelt ihr Unwesen treibt. Inspiriert von der Geschichte des sogenannten “Geisterkopfes”, welches über den Hudson-River geschwebt sein soll, treiben die beiden Österreicher ihr Unwesen über dem weiten Ozean der Klänge.

Konea Ra- das ist eine obskure Kernschmelzung aus vibrierenden Synths, digitalem Geknister, dunklen Bläsern und wummernden Bässen, verziert mit dem souligen Gesang Zamagnas. Kreiert wird hierbei eine mehrheitstaugliche wie auch sonderbare Atmosphäre, für die es ihre ganz bestimmten Gründe gibt. Für die Aufnahmen des Debütalbums „Pray for the Sun“, welches im März dieses Jahres auf dem Label Vienna Wildstyle veröffentlicht wurde, verpflichtete man keinen geringeren als Tontechniker und Studiopartner Alex Rot, der über ein sensationelles Synthesizer-Labor verfügt in das sich das eine Weile einmietete. Dort standen den beiden Musikern haufenweise antiquierte Analog-Maschinen zur Verfügung, die zum Teil erst einer Reparatur unterzogen werden mussten, bevor für das Recording genutzt werden konnten.

Selbstverständlich steht unter diesen Umständen außer Frage, dass bei  Live-Auftritten der Formation schon mal auf Band zurückgegriffen werden muss. Das tut einer spektakulären Performance dennoch nichts zur Sache. Schließlich hat das Duo noch weitere Highlights in petto. Gemäß einer authentischen Elektro-Pop Formation, darf neben der akustischen auch die visuelle Komponente nicht aus den Augen gelassen werden. Diese zeigt sich bei Konea Ra einerseits in der Auswahl auffallender Bühnenkostümierung, andererseits in einer nicht weniger exzentrischen Visual-Light Show, für die stets Experten vom Fach gebucht werden.

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Nach Kooperationen u.a. mit Optikal Engineers stehen Konea Ra aktuell mit den VJs von Luna.Launisch auf der Bühne. Im Rahmen des sound:frame Vienna Visuals Projektes haben sie eben eine Tour durch Mexiko absolviert. Anlässlich dieser Tournee – in der es galt, den Wiener Sound  in die Welt hinauszutragen -wurde gemeinsam mit DJ Phekt ein Cover des Ultravox´ Song „Oh Vienna“ aufgenommen, der in den letzten 3 Wochen zwischen Mexiko-City und der zentralamerikanischen Pazifikküste rauf und runter gespielt wurde. Ebenfalls mit im Gepäck hatte die Formation das gesamte Lieder-Repertoire des ersten Albums. Unter diesem befand sich die aktuelle Single-Auskoppelung „Ping Pong“, zu der sein Jänner eine EP mit Remixen der heimischen Elektroniker-Gilde, u.a. von Ken Hayakawa, Weisz/Schrenk und Tomoroh Hidari erhältlich ist.

Konea Ra öffnet sich nicht nur einem weitläufigen Genre-Metier, was mit dem Album „Pray for the Sun“ bestens unter Beweis gestellt wird. Das Duo zeigt überdies keinerlei Scheu vor Kooperations-Möglichkeiten mit diversen anderen künstlerischer Disziplinen. Für die Vienna Fashion Week haben Stephanie Zamagna und Matthias Cermak das Laufsteg-Spektakel des österreichischen Designer-Duos Mark & Julia musikalisch untermauert und den Models dabei fast die Show gestohlen. Dafür gab es von den Modemachern zum Glück keine Rüge, sondern Outfits, die im folgenden Video durch die beiden Protagonisten und sphärischen Licht-Effekten perfekt in Szene gesetzt werden. Ganz im Sinne der zeitgenössischen Musikclip-Kunst. (bw)

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