Porträt Armin Pokorn – Die Befreiung der E-Gitarre

Ein immenser Wuschelkopf, jenem von Jimi Hendrix nicht ganz unähnlich, und ein stetes, listiges bis hinterlistiges Grinsen, ausgelöst von originellen Einfällen, sind quasi Markenzeichen des Grazer Gitarristen Armin Pokorn. Wobei der Begriff Gitarrist in Pokorns Fall erheblich zu kurz greift, zumal er sich schon früh um elektronische Erweiterungen der E-Gitarre bemüht hat und die Praxis an der so genannten MIDI-Gitarre zur Perfektion entwickelte. Diese Erweiterung erlaubt ihm den Zugriff auf alle denkbaren Sounds, der in seinem Fall nicht selten aus Sprache besteht, aber auch aus oft obskuren Sounds, die er, Computer-untersützt, an den Saiten zu mobilisieren imstande ist.

Armin Pokorn, Jg. 1958, ging nach seinem Grazer Studium der klassischen und der Jazzgitarre in die Niederlande, um in Den Haag Laute und elektronische Komposition zu studieren. Seit mehr als 25 Jahren widmet er sich ausschließlich der Computer-unterstützten Komposition und der MIDI-Gitarre. Unzählige Arbeiten für Musik-, aber auch Tanzensembles kann Pokorn anhand seiner Werkliste bilanzieren, darunten befinden sich solche für die Schauspielhäuser in Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart, Graz und Wien, für die Rundfunkstudios des ORF und der BBC – und darüber hinaus für Gruppierungen wie das Austrian Art Ensemble und Günter Meinharts Formation Studio Percussion. Die Kooperation mit Literaten, z.B. Günter Eichberger, und eine ganze Reihe an Filmmusiken runden Armin Pokorns breites Œuvre ab.

Die Liste seiner Konzertkollegen umfasst ein feines Vademecum des Freejazz und der improvisierten Musik. Angefangen vom Umfeld der Grazer Free-Pioniere The Neighbours, dem Stil bildenden Trio von Dieter Glawischnig, Ewald Oberleitner und dem leider bereits verstorbenen John Preininger. Mit letzterem betrieb Pokorn – in verbaler Anlehnung an die unsterbliche Platte von Miles Davis – das Duo Pitches Crew und spielte in New York CD „Canal Street“ ein. Aber auch mit den guten amerikanischen Neighbours-Freunden, dem Saxofonisten Fred Anderson und dem Trompeter Bill Brimfield. Der Geiger Andy Schreiber ist ebenso zu diesem Umfeld zu zählen (spätestens seit dem Trio Cercle, anfangs mit Tony Oxley am Schlagzeug, später mit John Marshall). Adelhard Roidinger, der Begründer des Jazzinstituts am Linzer Brucknerkonservatorium ist ebenso Pokorn-Partner wie Albert Mangelsdorff, Elton Dean, Lars Lindval, Glen Moore und Nils-Petter Molvaer. Große Kaliber wie Lester Bowie und Hugh Hopper stehen gleichfalls auf Armin Pokorns Reverenzliste.

Seiner kompositorischen Arbeit ist ein Naheverhältnis zu Schlagzeugern und Perkussionisten anzumerken. An ihnen fasziniert Armin Pokorn die Möglichkeit, Rhythmen mit Sounds zu verknüpfen und dabei auch harmonische Strukturen zu berücksichtigen. Worauf er in seiner Musik abzielt, formuliert Armin Pokorn so: „Ich strebe die Unabhängigkeit von traditionellen Funktionen des Instruments an – zu Gunsten der Verwendung autarker, ‚zufällig’ gefundener Klänge.“
Andreas Fellinger

http://www.arminpokorn.com/