PETER ROM – „Wanting Machine II“

Mit „Wanting Machine II“ (Jazzwerkstatt Records) legt Peter Rom ein Album vor, das sich konsequent jenseits vertrauter stilistischer Raster bewegt. Der Wiener Gitarrist – seit vielen Jahren eine prägende Figur der lokalen Szene und Mitinitiator der JazzWerkstatt Wien – öffnet darauf die Tore zu einem ganz eigenen musikalischen Universum. Eines, das seine Geschichte nicht entlang klarer Genregrenzen erzählt, sondern in offenen, ständig in Bewegung befindlichen Klangzuständen.

Gemeinsam mit einem hochkarätigen Ensemble – darunter Bassist Manu Mayr, die Schlagzeuger Lukas König und Valentin Duit, Thereministin Khadijah Pamelia Stickney, die beiden Die Strottern-Mitglieder David Müller und Klemens Lendl sowie Vincent Pongracz an der Klarinette, Matthew Halpin am Altsaxofon und an der Flöte und Benny Omerzell am Piano – entwickelt Rom einen Sound, der auf Reduktion setzt und gerade daraus seine besondere Intensität bezieht. In den großzügig angelegten Freiräumen dieser Musik verdichten sich Stimmungen, einzelne Töne erhalten Gewicht, kleine Verschiebungen entfalten große Wirkung.

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Die Stücke wirken dabei wie fragile Konstruktionen, deren Form sich im Verlauf des Hörens immer wieder verändert. Roms Gitarre fungiert zwar als zentraler Bezugspunkt, tritt jedoch selten als klassisches Soloinstrument hervor. Vielmehr fügt sie sich in ein vielschichtiges Geflecht aus Linien, Geräuschen und rhythmischen Fragmenten ein, das aus unterschiedlichsten instrumentalen Farben gespeist wird.

Gerade diese ungewöhnliche Klangpalette prägt den eigenständigen Charakter des Albums. Neben Bass und Schlagzeug treten Instrumente auf, die im Jazzkontext eher selten anzutreffen sind. Theremin oder singende Säge erweitern das Spektrum ebenso wie verfremdete Bläser- und Streicherklänge. Durch besondere Spieltechniken, Effekte und klangliche Bearbeitungen verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Instrumenten dabei immer wieder.

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Musikalisch bewegt sich „Wanting Machine II“ in einem schwebenden Zwischenbereich aus Komposition und freiem Spiel. Ausgefallene Klangexperimente treffen auf eigenwillige Schlagzeug-Grooves, auf verträumte, leicht neben der Spur liegende Laid-back-Passagen und auf Momente beinahe hypnotischer Ruhe. Dann wiederum verdichten sich die Strukturen plötzlich zu nervösen rhythmischen Feldern oder nehmen einen leicht rockigen Zug an. Diese Wechsel zwischen offener Klangfläche und energiereicher Verdichtung verleihen der Musik eine eigentümliche Spannung.

So entsteht mit „Wanting Machine II“ ein Werk, das bewusst eigene Wege geht und sich klassischen Stildefinitionen entzieht. Es ist eine Musik, die weniger auf unmittelbare Eingängigkeit zielt als auf eine besondere Form des Hörens – und gerade dadurch einen eigenwilligen, atmosphärisch dichten Klangkosmos eröffnet, der lange nachwirkt.

Michael Ternai

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Wanting machine II Albumpräsentation
15. Mär. 2026, 20:30
Porgy & Bess

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Links:
Peter Rom
Jazzwertstatt Records