Ein Palimpsest ist ein altes Manuskript, dessen ursprüngliche Schrift gelöscht wurde, um Platz für eine neue zu schaffen – und doch bleiben Spuren sichtbar. Unter dem „aktuellen“ Text schimmern die Linien der Vergangenheit durch, manchmal deutlich, manchmal kaum wahrnehmbar, wie ein verborgenes Echo.
Die fünfte Ausgabe des SUENA FESTIVALS für zeitgenössische iberoamerikanische Musik, die vom 6. bis 12. Mai 2026 in Wien stattfindet, nimmt dieses Bild als Ausgangspunkt: das Nebeneinander von Vergangenem und Neuem, das Weiterwirken des Alten im Heute, das Aufblitzen vergessener Spuren in frischen Klängen. Neue Werke entstehen aus dem, was bereits da ist – aus Traditionen, Erinnerungen und den eigenen künstlerischen Wegen der Komponist:innen, die im Prozess des Weitergehens auch immer wieder loslassen müssen.
Insgesamt sieben Konzerte präsentieren Ensembles wie das Klangforum Wien, NAMES sowie international renommierte Solist:innen – darunter der Flötist Matteo Cesari – mit Werken von Komponist:innen unterschiedlichster Herkunft. Besonders hervorzuheben sind die beiden „Featured Composers“ Hèctor Parra und Macarena Rosmanich, die mit neuen Arbeiten sowie im Austausch mit dem Publikum das Festival prägen.
Erstmals wird in dieser Ausgabe auch ein pädagogisches Projekt realisiert: Gemeinsam mit Jugendlichen der Musikschule Wien und dem Schlagzeuger Hannes Schöggl entsteht ein interaktiver Zugang zu zeitgenössischer Musik, bei dem das eigene Musizieren mit Perkussionsinstrumenten im Mittelpunkt steht. Darüber hinaus lädt eine Podiumsdiskussion Komponist:innen dazu ein, Einblicke in ihre kreativen Prozesse zu geben und mit dem Publikum in Dialog zu treten.
So wie in den Schichten alter Handschriften finden sich auch in der Musik Spuren, die mal nur leise zu erahnen, mal deutlich hörbar sind. Sie tragen das Gewicht einer Geschichte und öffnen zugleich den Raum für neue Erzählungen. Zeitgenössische Musik erlaubt zudem Brücken zu anderen Künsten – etwa zur Malerei, Literatur oder zum Theater –, die als Resonanzräume wirken und Schicht um Schicht neue Bedeutungen entstehen lassen. Jede neue Komposition wird so zu einem vielschichtigen Gewebe aus Referenzen, Erinnerungen und Entdeckungen, in dem sich Bekanntes mit dem Noch-nicht-Dagewesenen verbindet.
Und manchmal führt gerade die Technologie zu einem faszinierenden Paradox: Das Medium ist neu, der Inhalt jedoch ein wiederentdeckter Abdruck vergangener Klänge – ein Palimpsest aus Tradition und Zukunft.
Besonderen Wert legen wir auf die Zusammenarbeit mit erstklassigen Ensembles. Ebenso freut uns die Fortsetzung der Kooperationen mit Alte Schmiede, mdw, KUG-PPCM, Ruprechtskirche, Reaktor und Echoraum sowie die freundliche Unterstützung unserer Förder:innen: Stadt Wien Kultur, BMWKMS, BMEIA und SKE.
Die fünfte Ausgabe umfasst die Teilnahme von fünf Ensembles aus Österreich sowie eine Zusammenarbeit mit der Musikschule Wien im Rahmen eines Projekts unter der Leitung des Perkussionisten, Komponisten und Pädagogen Hannes Schöggl.
Damit bekräftigt das Suena Festival auch in diesem Jahr sein Engagement als Plattform für die Sichtbarkeit neu geschaffener Werke sowie für die Förderung kultureller Beziehungen zwischen Österreich und Iberoamerika.
Erstmals gibt es auch einen Festivalpass, der den Zutritt zu allen Konzerten ermöglicht.
Überblick aller Konzerte
Die dunkle Flamme – ARGO-Kollektiv (06.05.2026, 20 | Echoraum)
Kosmische Palimpseste – Ensemble Konstellationen (08.05.2026, 15 | Klangtheater mdw)
Visuelle Resonanzen – Ensemble N (08.05.2026, 19 | Alte Schmiede)
Digitale Schichten – NAMES Ensemble (09.5.2026, 19 | Westbahnstudios)
Spuren im Klang – KUG/PPCM- Soinu Ensemble (10.5.2026, 19 | Ruprechtskirche)
Zwischen den Schichten – Matteo Cesari (11.05.2026, 19.30 | Reaktor)
Verborgene Räume – Klangforum Wien (12.05.2026, 19.30 | Reaktor)
Weitere Aktivitäten
“¿Danzas rítmicas?” – Pädagogisches Projekt mit der Musikschule Wien und dem Schlagzeuger, Pädagogen und Komponisten Hannes Schöggl (09.05.2026, Westbahnstudios)
Link:
Suena Festival
