Den perfekten Sound für Fans von mit Herz und Hirn gemachten Singer/Songwriter-Klängen. Genau für diesen steht die Musik der Wiener Singer/Songwriter Formation Protestant Work Ethic. Auf den Spuren von solch amerikanischen Songwriter-Größen wie Conor Oberst, Bright Eyes, Tim Buckley, Jason Molina oder Will Oldham wandelnd, begeistert die Truppe rund um Simon Usaty seit Jahren nun schon mit der hohen Kunst des Liedermachens. Grund genug also einmal einen Fokus auf diese außergewöhnliche Band zu richten. Und genau das tut auch die Kunstvideotruppe They Shoot Music im vierten Teil ihrer „Open House Sessions Reihe“ auf dem Wiener Fernsehsender Okto.
Protestant Work Ethic liefern den Beweis, dass es in Sachen Liedermachertum immer noch Spannendes passieren kann, dass trotz der Fülle an Veröffentlichungen in diesem Bereich, sich am Ende erfreulicherweise dann doch zeigt, was Qualität und ein hohes Maß an Eigenständigkeit besitzt. Die Band rund um Simon Usaty weiß einfach, wie sie an die Sache heranzugehen haben. 2003 ursprünglich vom Frontmann als Soloprojekt ins Leben gerufen, haben sich Protestant Work Ethic in der heimischen Musikszene inzwischen längst als eine der interessantesten Singer/Songwriter-Combos einen Namen machen können. Schon die Erstlings-EP “Turned, And Turning” stieß allerorts auf viel Gegenliebe, offenbarte es doch hörbar das große Talent des Hauptsongwriters.
Nicht minder beeindruckend das im Frühling 2010 bei Valeot Records erschienene und von den Kritikern mit viel Lob bedachten Zweitlingswerk „The Jar And Shock“. Was hier auf den Weg gebracht wurde, war ein Stück Musik, das sich höchst erfrischend vom tausend Mal gehörten Einheitsbrei abgehoben hat. Feinsinniger, zurückhaltender und bluesiger Pop mit starkem Hang zum Folk, verpackt in wunderschönen und berührenden Melodien und durchdachten Arrangements, dargebracht mit einem Gefühl, wie man es hierzulande nur selten zu hören bekommt.
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Insgesamt in ruhigeren Gefilden angesiedelt, entfaltet die von jeglichem Ballast und klischeebehafteten Pathos Stücke gerade durch ihre Reduziertheit eine fesselnde emotionale Dichte und Atmosphäre. Zwar spielt sich alles im Kontext der akustischen Popmusik ab, die Art und Weise aber wie der Songwriter diesen Begriff zu interpretieren weiß, ihn dehnt und wendet, zerstückelt und wieder zusammensetzt, lässt einfach nur staunen. Für die klangliche Abwechslung sorgt lediglich das breite und eigenwillige Instrumentarium, welches zum Einsatz kommt. Mit einer dezent im Hintergrund agierenden Begleitband (Stephan Bauch, Christian Mayer, Jörg Kammerhofer und David Schweighart) greift der Simon Usaty je nach Bedarf mal zu einer Gitarre, mal zu einem Banjo, mal zu einer Ukulele oder einem Akkordeon. Hinzu kommt dessen sehr eindringlicher, oft melancholischer Gesang, welcher der Musik zusätzliche emotionale Tiefe und Charakter verleiht.
Besonders zeichnet den Mastermind sein ausgeprägtes Gespür für durchdachte Arrangements und wunderbare Melodien aus, welche er perfekt in Szene zu setzen weiß. Obwohl sich an den großen Americana-Folk-Pop-Entwürfen in der Tradition solcher Acts wie Conor Oberst, Jason Molina, Will Oldham beziehungsweise Bright Eyes orientierend, beschreitet Simon Usaty mit seinen Mitmusikern einen höchst eigenständigen Weg, der zu keinem Zeitpunkt Gefahr läuft, zur Kopie zu verkommen und in den Untiefen des Mainstream-Pops hängen zu bleiben.
Mit Protestant Work Ethic hat Simon Usaty ein wirklich außergewöhnliches Bandprojekt auf den Weg gebracht, eines, das auch musikalischer Sicht keinerlei Vergleiche mit internationalen Größen zu scheuen braucht und welches es sich auf jeden Fall verdient hat, auch einmal von einem breiteren Publikum gehört zu werden. (mt)