Neu in der mica-Bibliothek: Biographien oberösterreichischer Komponisten

Das Land Oberösterreich porträtiert seit geraumer Zeit in einer Buchreihe seine bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten. Die Musikdirektion des Landes Oberösterreich hat fünf Ausgaben dieser beim Trauner Verlag erscheinenden Reihe nun der mica-Bibliothek gespendet.

Balduin Sulzer (Autor: Norbert Trawöger)

Als Komponist hat Balduin Sulzer eine Fangemeinde, die bis Japan reicht. Sein Schüler Franz Welser-Möst spricht von einem Phänomen. Auch für viele andere war „der Herr Lehrer“ am Linzer Musikgymnasium eine prägende, begeisternde und oft wegweisende Leitfigur. Ehemaliger Domkapellmeister, für den „Grammy“ nominierter Chorleiter, Zisterzienser-Chorherr oder Musikrezensent: Ohne sein vielfältiges Wirken wäre die heimische Klanglandschaft um viele Farben ärmer. Unverwechselbar sind auch seine Physiognomie und sein Humor. In den „nächsten 100 Jahren“ wird er, wie immer wieder betont, „das erste Mal 80 Jahre“.
Balduin Sulzer hat viele Gesichter und ist doch immer „nur“ er. Grund genug, eine Reise in sein Universum zu unternehmen. Dieses Buch empfiehlt sich dabei als Begleiter durch die abenteuerlichen Landschaften des Sulzer’schen Daseins. Ein besonderes Alphabet für Freunde zeitgenössischer Musik und solche, die es noch werden wollen.


Heinrich Gattermeyer (Autorin: Georgina Szeless)

Heinrich Gattermeyer, der heuer seinen 90. Geburtstag feierte, prägte jahrzehntelang nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent, Musikerzieher und Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst die heimische Musikszene. Daneben erwarb er sich als Organisator und Funktionär an der Spitze von Interessenvertretungen ein hohes Ansehen in der Fachwelt. Unermüdlich und ideenreich vertrat er die Anliegen seiner Kollegen und Schüler, die heute in vielen Fällen bedeutende Positionen in der Musikwelt einnehmen.
Mit einem angeschlossenen Werkverzeichnis dokumentiert das vorliegende Buch das umfangreiche musikalische Schaffen des vielseitigen Künstlers Heinrich Gattermeyer.


Alfred Peschek (Autorin: Georgina Szeless)

Das vorliegende Buch ist dem in Linz lebenden, international angesehenen Musiker Alfred Peschek gewidmet, der heuer seinen 80. Geburtstag begeht. Alfred Pescheks künstlerisches Wirken ist von einer ungewöhnlichen Reichweite und findet durch die schöpferische Vielfalt und Vielseitigkeit seinen Niederschlag in mehreren Aufgabenbereichen. Als Komponist gilt Peschek seit jeher als eine für seine Unbeirrbarkeit und seine Geradlinigkeit bewundernswerte Ausnahmeerscheinung in der heimischen Kulturszene. Was ihn darüber hinaus besonders auszeichnet, ist der unermüdliche Fleiß, mit dem er es auch im Sport zu beachtlichen Leistungen brachte.
Mitreißend schildert die Autorin den musikalischen Werdegang Pescheks, der geprägt ist von der Suche nach neuen Formen und Ausdrucksmitteln, von den frühen Improvisationen, die ihm das Tor zur Weltelite öffneten, über die ersten skandalumwitterten Konzerte des Enfant terrible der Linzer Szene in den späten Sechzigerjahren bis hin zur Vollendung seines Traumes von der Pantonalen Musik.
Die reich bebilderte Publikation verspricht nicht nur dem Musikinteressierten eine spannende Lektüre, sondern empfiehlt sich zugleich als ein informatives Nachschlagewerk über die Situation der klassischen Gegenwartsmusik in Linz während eines halben Jahrhunderts.

Fridolin Dallinger (Autorin: Georgina Szeless)

Das Talent Fridolin Dallingers entspringt in zweifacher Hinsicht fruchtbarem Boden: einer überaus musikalischen Familie, die der Cousin Gottfried Gansinger dem Leser vorstellt, und der Stadt Eferding, die Komponisten wie Johann Nepomuk David hervorgebracht hat. Georgina Szeless, langjährige Musikkritikerin bei diversen Zeitungen, derzeit beim Neuen Volksblatt, beschreibt die musikalische Entwicklung Dallingers, greift die wichtigsten Werke heraus und lässt auch Dallingers Freunde, Kollegen und Schüler zu Wort kommen. Mit einer ausführlichen Werkliste ist dieses Buch ein Standardwerk für alle Musikliebhaber.

Ernst Ludwig Leitner (Autor: Michael Wruss)

Ernst Ludwig Leitner ist zweifelsohne einer der wichtigsten Komponisten unseres Landes und hat darüber hinaus als zentrale Figur in der österreichischen Musiklandschaft deutliche Spuren hinterlassen. Spuren als Organist, als Chorleiter und vor allem als umtriebiger Hochschulprofessor, als der er zwar nicht immer nur auf Gegenliebe bei den Kollegen stieß, sich aber dafür höchst intensiv für seine Studenten einsetzte.
Dabei war Ernst Ludwig Leitner kein Wunderkind, sondern musste sich als einfacher Arbeitersohn den Aufstieg in die Kunstwelt mühsam erarbeiten. Als Schüler Josef Friedrich Doppelbauers steht er in der Tradition einer gemäßigten Moderne, die ihre scheinbar harmonischen Bezüge zur Musik der Vergangenheit aus heutigen, meist seriellen Techniken bezieht, und damit das Bestehende übermalt bzw. einer spannenden Metamorphose unterzieht.
Der vorliegende Band bietet einen vielfältigen Zugang zur Persönlichkeit ebenso wie zur Musik Ernst Ludwig Leitners und gewährt erhellende Einblicke in die Werkstatt eines Komponisten.

Buchbeschreibungen und Bilder: Trauner Verlag

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