MODELL DOO – „Orbit Utopia“

Drei Jahre nach ihrem bislang letzten Output „Dinky Diamond“ melden sich die beiden Popklangforscher von MODELL DOO nun mit neuem Album zurück. „Orbit Utopia” (ModellMusik) heißt dieses und wie schon in der Vergangenheit wartet das Wiener Duo auch dieses Mal mit einer sehr eigenwilligen und deshalb auch so interessanten Version elektronischer Musik auf.

Musikalisch lässt sich das von Modell Doo Dargebotene grob zwischen Song, abstrakter Klangkunst und detailreicher Soundtüftelei verorten. Wiewohl dieser Versuch einer Beschreibung nicht annähernd ausreichend ist. Es passiert zwischen den elektronisch wie auch analog generierten Melodien, maschinenhaften Geräuschen, tiefen Bässen, den sich weit ausbreitenden Synthieflächen und variantenreichen Drum Machine-Beats nämlich viel mehr. Das seit Mitte der 80er Jahre aktive Wiener Zweiergespann begnügt sich in seinen Nummern nicht einfach damit, den üblichen Schema F-Song-Strukturen zu folgen, vielmehr setzt es bewusst auf offene Formen, was letztlich auch ein Mehr an Abwechslung mit sich bringt.

Zwölf vertonte Biographien von WissenschaftlerInnen

Der von Modell Doo auf dem neuen Album gespannte musikalische Bogen reicht von ruhigen, filigranen und klanglich reduzierten Passagen der Sorte Kraftwerk und Bauhaus bis hin zu recht eigenwilligen recoilschen Soundkonstruktionen, die in ihrer Art nicht selten fast schon ins avantgardistisch und futuristisch anmutende Experimentelle hineinreichen. Stilistisch das Feld zwischen Elektronik, Pop, Ambient, Dub, Industrial, Post Punk, Dark Wave und Rock in recht unkonventioneller Weise bearbeitend lassen die beiden Wiener Nummern entstehen, die ihre ganz eigene Atmosphäre entfalten, eine, die in die düstere Richtung geht.

Inhaltlich ist „Orbit Utopia” als Konzeptalbum angelegt. Modell Doo erzählen die Geschichten von zwölf WissenschaftlerInnen (Coombs, Le Prince, Fragonard, Rafinesque-Schmaltz, Grebennikov, Cunitz, Dietrich, Derbyshire, Driscoll, Bourdais, Meckel, Konrad). Zehn dieser Menschen existierten zwischen 1610 und 2001 real, zwei davon entstammen Romanen von Jonathan Lethem und Thomas Bernhard.  Die Personen werden alle als Visionäre beschrieben, die sich ihren Bereichen aus unterschiedlichsten Perspektiven annäherten. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

„Orbit Utopia” ist ein Stück Musik geworden, das definitiv darauf abzielt, sich mit ihm zu beschäftigen. Modell Doo gehen bewusst in die Tiefe und fordern heraus. Und genau dieser Aspekt ist es auch, der die Musik dieses Duos zu so einer interessanten Sache werden lässt.

Michael Ternai

http://www.modelldoo.com/