
“Who was Mr. Feldman” – die Frage sollte vielmehr lauten, wer sind milk+? Hinter diesem recht eigenwilligen Namen stehen die drei Musiker David Furrer, Navid Djawadi und Christopher Czerny. Im Unterschied zu manchen ihrer Kollegen gehen die Fähigkeiten des Trios über das Spielen von drei, vier Akkorden hinaus. Sie beherrschen ihre Instrumente und wissen auch etwas mit ihren Fähigkeiten anzufangen. Man kommt beim Durchhören der Songs nicht umhin zu bemerken, dass die Milk+ offensichtlich ein großes musikalisches Vorbild haben, und zwar Radiohead. Um ehrlich zu sein, man kann wirklich schlechtere Vorbilder haben. Gesang, Instrumentierung und Songwriting ähneln in vielerlei Hinsicht dem der britischen Alternativrock-Ikonen. Im Gegensatz zu den vielen gescheiterten Versuchen anderer Bands diesem Ideal nahe zukommen, gelingt es dem jungen Trio aber erstaunlich gut, die besten Momente von Radiohead in die eigenen Kompositionen einfließen zu lassen, ohne dabei aber zu einer der tausend Kopien zu verkommen.
Das liegt womöglich auch zum Teil daran, dass genügend eigene Ideen und spielerisches Potential vorhanden sind. Die Songs sind eine Mischung aus eingängigen Melodien, innovativen Strukturen und rhythmischer Komplexität. Stilistische Grenzen kennen Milk+ dabei keine. Auch verzichtet das Trio fast vollständig auf alt bewährte Popkonzeptionen und gibt sich teils verträumt, teils richtig heftig. Generell folgt die Band sehr hohen Ansprüchen: “Das Ziel: eine Veränderung der musikalischen Ästhetik und eine Aufwertung der kreativen Selbstverwirklichung gegenüber der absatzorientierten Verwertung zyklisch wiederkehrender Plagiate.”
Man muss dem Album “Who was Mr. Feldman” schon eine gewisse Zeit geben. Schließlich handelt es sich hier nicht unbedingt um ein Mainstream-Produkt. Doch lässt man sich einmal auf die Band und die Musik ein, eröffnet sich ein ungemein spannendes, qualitätsvolles und abwechslungsreiches Hörerlebnis.(mt)