mica-Interview mit Slon

Dem ohnehin bereits recht produktiven Umfeld des heimischen math- und postrockistischen Zentrums Mödling, rund um das Label Valeot Records, ist vor gar nicht allzu langer Zeit mit dem Quartett Slon eine weitere Band entsprungen, die jetzt mit “Antenne” auch ihr kurzweiliges Album-Debut vorgelegt hat. Die Band im Interview mit Michael Masen.

Euer gerade erschienenes Album “Antenne” wird in den meisten Rezensionen, die ich darüber gelesen habe, in die Post-Rock Schublade gesteckt. Für mich greift das allerdings aufgrund der Dynamik, Abwechslungsfülle und Kompaktheit irgendwie viel zu kurz. Stören euch derartige Schubladisierungen?

David: Mich stört das nicht. Mir ist das relativ gleich, wie sie es nennen.

Alex: In gewisser Weise ist es ja auch irgendwie Post-Rock – nur eben sehr komischer. Wenn ich das hören würde, käme mir diese Bezeichnung, als ein Element unter vielen, ebenfalls in den Sinn.

Wie lange habt ihr an “Antenne” gearbeitet?

Andrei: So eineinhalb Jahre etwa, würde ich sagen. Wir hatten ja zwischendurch auch einen Besetzungswechsel auf der Position des Schlagzeugers, die nun David übernommen hat. Es hat dann natürlich ein Weilchen gedauert, bis die alten Stücke einstudiert und auch neue geschrieben waren.

Alex: Man muss auch sagen, dass es die Band als solche generell noch nicht allzu lange gib – etwa zweieinhalb Jahre jetzt. Ein Jahr hat es ungefähr gedauert, uns ein wenig zu orientieren, wo wir damit hin wollen, dann der Schlagzeuger-Wechsel, eine EP-Aufnahme und schließlich die Arbeit an den neuen Stücken. Dafür, dass wir, zumindest für mein Gefühl, eine recht junge Band sind, ist es dann eigentlich eh recht schnell gegangen, zumindest, was die Stücke für das neue Album betrifft.

Auf das Album haben es am Ende sieben Stücke geschafft. Habt ihr nur an diesen gearbeitet, oder hattet ihr einen größeren Pool an Kompositionen, aus dem schließlich diese sieben ausgewählt wurden?

David: Das war eigentlich alles, was wir an Stücken hatten. Wir haben die Stücke zuvor eine Tour lang live gespielt und dann haben wir sie innerhalb von zwei Tagen aufgenommen.

Alex: Es wurden bei den Konzerten auch keine Zugaben gespielt, einfach auch aus dem Grund, weil wir nicht mehr Stücke hatten.

Andrei: Genau genommen, hatten wir für diese Tour noch zwei Stücke von der EP, die auch live umzusetzen waren, also haben wir insgesamt neun Stücke gespielt. Mittlerweile haben wir auch zwei neue Songs fertig, die wir ebenfalls in unser Repertoire aufgenommen haben – die Sachen von der EP spielen wir jetzt allerdings nicht mehr. Unterm Strich halten wir also derzeit wieder bei neun Songs, die wir live spielen.

Liegt der geringe Output daran, dass ihr auch in anderen Formationen tätig seid?

Alex: Ich finde das jetzt eigentlich gar nicht so wenig. So ein Stück zu machen, dauert halt eine Gewisse Zeit.

Habt ihr einen “Hauptsongwriter”, der für das Grundgerüst der Stücke verantwortlich ist, oder entsteht alles von Anfang an durch gemeinsames Arbeiten?

Alex: Es kommt beides vor. Die meisten Songs schreibt Andrei auf der Gitarre und die anderen ergänzen das dann, das ist so circa bei zwei Drittel unseres Repertoires der Fall, der Rest entsteht aus Improvisationen im Proberaum.

Ändert sich an den jeweiligen Songs noch etwas, sobald sie mal in irgendeiner Form abgeschlossen wurden – also beispielsweise live, im Rahmen von Improvisationen oder haltet ihr euch da an die Komposition?

Alex: Der größte Teil ist schon relativ fix. Ein wenig freier sind die Stücke vielleicht zu einem Viertel. Diese entwickeln sich ja auch im Laufe der Zeit, eben durch das Live-Spielen. Das ist aber nichts Geplantes – es entstehen eben nach mehrmaligem Spielen eines Songs gewisse Ideen dazu, wo man dann auch entsprechend Dinge verändert. Das ist ein ganz normaler Vorgang, würde ich einmal sagen.

Seid ihr auch aktiv bestrebt, euch mit Slon stilistisch von euren anderen Projekten abzuheben, oder denkt ihr über so etwas gar nicht nach?

Bernhard: Es fließt ja auch immer etwas von anderen Bands und Projekten in die Arbeit mit Slon ein. So strikt lässt sich das glaube ich gar nicht trennen.

Wenn ihr jetzt eine Idee für ein Stück habt, wisst ihr da immer schon genau, mit welcher eurer Formationen ihr das umsetzen wollt?

Andrei: Ich glaube, das ist schon immer relativ klar, weil ja auch die Arbeitsweisen überall unterschiedlich sind.

Alex: Und die Instrumentenverteilung ja ebenfalls. David und ich sind diejenigen mit den meisten Projekten. Er spielt Schlagzeug, ich Bass – das sind bei Slon nicht die Hauptinstrumente, weshalb wir hier auch eher selten die Ideengeber sind, was die wichtigen Parts der Musik betrifft, würde ich einmal behaupten. Ein bisschen überschneidet sich das zwischen den Bands schon glaube ich, aber wenn ich in Reviews beispielsweise lese “.Refused trifft Tupulev trifft Mogwai.”, dann muss ich schon sehr lachen.

 

 

Passiert euch das oft, dass jeder andere Vorstellungen hat, in welche Richtung sich ein Stück entwickeln soll?

David: Ich denke schon, dass jeder seine eigenen Vorstellungen hat, aber irgendwie finden wir dann doch immer wieder einen grünen Zweig. Es wäre ja auch langweilig, wenn jeder dasselbe machen wollen würde. Wir sind in dieser Hinsicht glaube ich schon ziemlich verschieden und unser Output spiegelt eben genau das wider. Wenn man Leute mit unterschiedlichen Ansätzen und Vorlieben zusammen wirft, kommt Slon dabei raus. So, wie bei einem Fleischwolf.

Wann und wo wird man euch demnächst live hören können?

Andrei: Im August irgendwann spielen wir zusammen auf einem Festival mit unter anderem Scarabeus Dream und Mitte September gehen wir dann für zweieinhalb Wochen auf Tour.

Ist das dann sozusagen die Tour zum neuen Album?

Andrei: Genau genommen, touren wir mit diesem Album jetzt bereits zum vierten Mal. Es kommt ja aber auch noch die 7″-Platte raus. Vielleicht wird es also auch die 7″-Promo-Tour.

Alex: Wir haben ja seit den Aufnahmen für das Album zwei neue Stücke geschrieben, die jetzt nächste Woche aufgenommen und eben dann im Herbst in Form einer 7″-Platte erscheinen werden. Ansonsten gibt es vorerst aber keine Pläne, wie es dann stücketechnisch weiter gehen wird, weil Bernhard jetzt vielleicht für zwei Jahre für ein Doktoratsstudium ins Ausland geht.

Wird diese 7″-Platte wieder auf deinem Label, Valeot Records, erscheinen?

Alex: Ja genau, die kommt auf Valeot Records raus, dem Label von Peter Holy und mir. Das ist halt die beste Möglichkeit, Sachen schnell und unkompliziert zu veröffentlichen.

Wie sieht es bezüglich des Vertriebs von “Antenne” aus? Beschränkt sich das auf Österreich?

Andrei: Nein, Promo gibt es dafür eigentlich fast ganz europaweit. Das Album wird in Deutschland beworben, in Frankreich, Italien, BENELUX-Länder und auch in den USA.

Wie ist die Resonanz auf das Album außerhalb Österreichs, also dort, wo man euch nicht so gut kennt?

Alex: In Deutschland eigentlich ganz gut. Mit ein Grund ist wohl, dass wir schon zweimal dort getourt sind und solche Bands, wie wir es sind, dort meistens gut ankommen. Frankreich läuft eher so mittelmäßig, Italien hingegen auch ganz gut. Das hat aber auch damit zu tun, dass ich auch bei Port Royal mitspiele und man das letzte Tupolev-Album, das ebenfalls auf Valeot Records erschienen ist, dort ebenfalls sehr gut aufgenommen hat. Deswegen haben wir da wohl auch von positiven Assoziationen profitiert.

Wir haben in Italien jetzt auch eine kleine aber feine Booking Agentur gefunden, die uns für die Herbsttour vier Gigs bucht und auch eine in Deutschland, mit der wir nun bereits zum zweiten Mal zusammen arbeiten. An sich ist, für eine Band, die sich vor etwas mehr als einem Jahr dazu entschieden hat, ernsthaft Musik zu machen, schon ziemlich viel weiter gegangen – vor allem auch im Vergleich zu anderen Projekten.

Andrei: Ein tolles Konzert hatten wir beispielsweise in Hanau am Main, in der Nähe von Frankfurt. Wir haben für den betreffenden Tag, ein Karfreitag, noch ein Konzert gesucht und kurz bevor wir losgefahren sind, haben sich Leute von dort gemeldet und gemeint, wir könnten bei ihnen spielen. Es war dann eine total schräge Konstellation dort, weil wir mit zwei Deutschpunk-/Hardcore-Bands gespielt haben – Surfing Hundekuchen und Dallas Hangover. Waren aber alles sehr nette Jungs.

 

 

Wie waren da die Publikumsreaktionen? Wenn zuerst Punkbands spielen und danach ihr, kann ich mir vorstellen, dass die meisten Leute von diesen stilistischen Unterschieden nicht gerade mitgerissen waren?

Andrei: Wir haben auf dieser Tour eigentlich mit vielen Bands aus dem eher härteren Eck gespielt und das Feedback seitens des Publikums, das wegen diesen Bands bei den Konzerten war, war eigentlich immer ziemlich gut. Wir haben in Frankfurt mit Digression Assassins aus Schweden gespielt, einer Metalcore Band, und immerhin fast die Hälfte des Publikums, nämlich zwei von fünf Leuten, hat eine CD von uns gekauft. Frankfurt ist generell keine gute Stadt, um dort zu spielen.

Teilt ihr euch generell die Bühne lieber mit Bands, die euch stilistisch nahe stehen, oder bevorzugt ihr da einen größeren Kontrast?

Bernhard: Uns ist das eigentlich relativ egal, aber ich glaube, dass niemand zwei Math-/Post-Rock Bands an einem Abend sehen möchte. Von daher ist es vielleicht sogar einfacher, mit Metal oder Punk Bands zu spielen. Einen unserer großartigsten Gigs hatten wir in einem kleinen Dorf in Nordtschechien, ungefähr 30 oder 40 Kilometer Luftlinie von Dresden entfernt. Irgendwann um elf Uhr nachts sind dann dort irgendwelche Oi-Punks aufgetaucht und haben uns während des Konzerts mit Pizza gefüttert – zumindest haben sie das versucht.

Ich finde auch, dass das Publikum in Tschechien, Serbien oder Kroatien viel offener ist als in Deutschland und Österreich. Hier sind die Leute immer ein wenig verklemmt, aber dort gehen sie auf dich zu, kommen auf die Bühne und überhaupt läuft die Kommunikation viel besser.

Alex: Von Gig zu Gig haben wir uns auch mehr angewöhnt, nicht auf der Bühne zu spielen, sondern direkt mitten im Saal, unter dem Publikum. Wir stellen uns dann einfach mitten in den Raum – die Gitarren unverstärkt, vom Schlagzeug nur die Bass-Drum und ein wenig Bass abgenommen. Das funktioniert immer ganz gut und macht auch viel Spaß.

Merkt man da, dass sich das Publikum jetzt mehr auf die Musik einlässt, wenn es sozusagen mittendrin statt nur dabei ist?

Peter Holy (Valeot Records): Ich halte das jedenfalls für eine tolle Idee, weil sich einem dadurch neue Perspektiven des Konzerts eröffnen. So kann man beispielsweise das Konzert von hinter dem Schlagzeug erleben und generell klingt der Sound von jeder Seite aus anders.

Slon ist ja jetzt nicht gerade eine Band, die man täglich im Radio zu hören bekommt. Würdet ihr euch generell wünschen, dass Musik, wie ihr sie macht, mehr Aufmerksamkeit zuteil wird? Wie könnte man das erreichen?

Alex: Ich finde die Lage in Österreich ja gar nicht einmal so schlecht. Das Problem ist nur, dass es so klein ist und es deshalb wenige Städte mit mehr als 200000 Einwohnern gibt. In Wien zu spielen, in Linz oder Graz ist zwar toll, aber abseits davon gibt es nicht mehr wirklich viel. Wenn man in Deutschland oder Italien ist, dann gibt es dort gleich 50 Städte in dieser Größenordnung. Da kann man dann auch wirklich im eigenen Land eine Tour machen, was hierzulande definitiv nicht möglich ist.

Folglich bleibt man dann eben eine nationale Band und wird auf FM4 rauf und runter gespielt oder man geht den harten Weg und spielt sich 20 Jahre lang hier den Arsch ab oder geht gleich ins Ausland. Bands wie Valina oder Bulbul haben es ja auch ohne Radiounterstützung geschafft.

Denkt ihr, dass ihr ähnlich hartnäckig sein könnt bzw. werdet, um das so lange durchzuziehen?

Alex: Ich für meine Seite schon, ja. Und ich mache das jetzt mittlerweile schon seit sechs Jahren. Anfangs kam überhaupt kein Feedback und mittlerweile kommt auch schon ein bisschen etwas zurück. Wenn es ausgeblieben ist, so war das für mich eigentlich dann eher eine Motivation, einfach noch mehr zu machen. Man muss da halt hartnäckig bleiben. Wenn du kurz Musik machst und schnell gehyped wirst, dann fällst du auch genau so schnell wieder runter. Aber wenn man es langsam aufbaut, so, wie es die meisten Bands eben machen, dann kann etwas Längerfristiges daraus entstehen. Hoffe ich zumindest.

Das Problem der meisten Bands ist, dass sie zu kurz zusammen spielen und sich dann auflösen. Aber davon ist wirklich jede Band betroffen. Wenn Bernhard jetzt vielleicht für zwei Jahre weg geht, gibt es uns ja vielleicht auch nicht mehr. Man muss sich einfach immer durchkämpfen, aber generell finde ich die Lage hier in Österreich nicht so schlecht. Das Problem, dass das Land einfach zu klein ist, lässt sich halt nicht lösen.

Vielen Dank fürs Interview.

Fotos Slon © Lukas Scholler

 

 

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