Der Ö3 Soundcheck 2007, bei dem auch heuer das mica wieder beteiligt war, ist seit einigen Tagen beendet und die Ska-Punk Band PBH Club hat sich im Finale gegen über 600 Konkurrenten aus ganz Österreich durchgesetzt. Im mica-Interview spricht die Band über den Wettbewerb, die Zusammenarbeit mit Sony BMG und sonstige Zukunftspläne.
Wie lange gibt es euch als Band, als PBH Club jetzt schon?
In der Form wie die Band heute besteht und wie wir jetzt hier sitzen seit 2004. Die Band an und für sich gibt es schon länger, aber da gab es zwischenzeitlich immer mal wieder kleinere Besetzungswechsel.
Wart ihr vor PBH Club schon bei anderen Formationen beteiligt?
Ja, es hat eigentlich schon jeder von uns eine längere “musikalische Karriere” hinter sich. Jeder hat ein Musikinstrument gelernt, aber jetzt in der Band spielt interessanterweise keiner das Instrument, auf dem er ursprünglich ausgebildet wurde.
Da es euch jetzt ja schon einige Zeit gibt, stellt sich die Frage, ob der Ö3-Soundcheck der erste Bandcontest war, an dem ihr teilgenommen habt. Gab es davor auch schon Wettbewerbsteilnahmen eurerseits?
Ja, der Soundcheck jetzt war der erste Bandwettbewerb, an dem wir teilgenommen haben. Wir haben so was bis jetzt eigentlich kategorisch ausgelassen. Den Ö3 Soundcheck haben wir prinzipiell eigentlich schon 2005 angepeilt gehabt, nur dabei die Frist zum Einschicken (der Lieder; Anm. d. Verf.) verpasst, umso mehr freuen wir uns natürlich, dass wir es heuer geschafft haben und ihn auch gewinnen konnten.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, da überhaupt mit zu machen? Gibt es einen Grund, warum es jetzt gerade der Ö3 Soundcheck wurde und nicht irgendein anderer Wettbewerb?
Naja, in Wahrheit hat uns eigentlich kein anderer Radiosender gespielt (Gelächter), um ehrlich zu sein, und da haben wir uns gedacht, “eigentlich haben wir nichts zu verlieren” und haben es dann einfach bei Ö3 probiert und es hat funktioniert. Es ist aber eben wirklich der größte Bandwettbewerb in Österreich und auch der einzige, wo im Endeffekt auch wirklich was rausschaut. Viele Bandwettbewerbe sind halt einfach nicht besonders repräsentativ, man hat nur sehr kurz Zeit, zu spielen und am Schluss bringt es einfach nicht viel, einen Bandwettbewerb im kleinen Rahmen zu gewinnen, weil dann meistens nur irgendwelche Sachpreise vergeben werden. Und außerdem fehlt dabei auch irgendwie die Publicity, die der Ö3 Soundcheck jedenfalls bietet.
Wir haben uns da lieber auf uns konzentriert, dass wir Musik machen und Konzerte spielen und wenn wir dann in irgendeiner Zeitung von einem Bandwettbewerb-Finale gelesen haben, war es ja ohnehin schon zu spät, da mitzumachen, was bei uns dann, ehrlich gesagt, auch sehr oft der Fall war.
Wir wollten uns dann auch lieber bei Auftritten, vor einem “echten Publikum” erproben und präsentieren. Bei Bandwettbewerben ist es ja meistens so, dass das Publikum nur für eine spezielle Band dort ist.
Beim Soundcheck werden ja nur Studio- bwz. Demo-Sachen eingeschickt, aus denen dann der Sieger ermittelt wird. Gerade weil ihr ja sagt, es ist euch wichtig, live zu spielen, habe ich mich gefragt, warum ihr gerade hier mitgemacht habt.
Das hängt ja auch mit der großen Fülle an Bands zusammen, die beim Soundcheck mitmachen. Wenn man 670 Bands live spielen lassen wollte, würde man sicher Probleme bekommen, das funktioniert einfach nicht. Wir haben da auch nicht wirklich großartig drüber nachgedacht. Wir haben da ganz einfach unser Material eingeschickt, wir haben gewusst, da schicken viele Leute ihre Sachen ein und wie genau, nach welchen Kriterien, die Jury da jetzt entschieden und aussortiert hat, da haben wir eh keine Ahnung, wie das funktioniert. Letzten Endes sind wir einfach glücklich, dass wir mitgemacht haben und vor allem, endlich mal die Anmeldefrist geschafft haben einzuhalten.
Dazu muss man noch sagen, dass es auch eine kurze Live-Show gegeben hat. Die 15 Finalisten haben die Möglichkeit gehabt, in der Szene Wien vor Publikum aufzutreten, was sicher auch für viele ausschlaggebend war, per Sms für die Bands zu voten. Da haben die Jury-Mitglieder auch wirklich ganze Arbeit bei der Vorauswahl geleistet – die Bands, die dort aufgetreten sind, waren wirklich alle super.
Hat euer Sieger-Song “Mehr Meer” schon vor dem Entschluss, beim Soundcheck teilzunehmen, existiert, oder wurde der extra dafür geschrieben, vielleicht auch im Hinblick darauf, Ö3-Publikum-kompatibleres Material zu haben?
Nein, das Lied haben wir schon davor geschrieben und auch schon live gespielt, das gibt es jetzt schon seit Sommer 2006. Zur Massentauglichkeit des Songs: Das hat sich irgendwie so ergeben. Wir haben uns nie davor gesträubt, deutsche Texte zu schreiben und ehrlich gesagt haben wir auch im Live-Set Nummern gespielt, die einfach entspannter, oder entspannender fürs Publikum sind.
Das geht auch gar nicht, beim Live-Auftritt eineinhalb Stunden durch, Vollgas zu geben, weder für uns noch für das Publikum. Deshalb streuen wir immer wieder auch mal ruhigere Sachen mit ein. Aber das ist auch gar nicht der Hintergrund, warum wir jetzt genau dieses Stück “Mehr Meer” gewählt haben. Das ist einfach so passiert und die Nummer hat halt gerade gut gepasst.

Nein, davon distanzieren wir uns ganz klar, dass wir extra für den Soundcheck Nummern geschrieben haben. Das Stück gibt es jetzt seit einem Jahr und wir haben es gemacht, weil wir damals eben eine tolle Zeit gehabt haben und uns einfach danach gewesen ist, es zu machen. In Wahrheit passiert es oft, wann man Nummern schreibt und man sie sich anhört, nachdem sie fertig sind, dass man sich denkt, diese oder jene Nummer könnte jetzt vielleicht ganz gut ankommen oder eben auch mal umgekehrt, dass man sich denkt, die Nummer ist schlecht und man sie eigentlich schon aus dem Programm rausschmeißen will.
Dann aber kommt dieselbe Nummer live wiederum total super an, obwohl sie uns selbst eigentlich gar nicht so gut gefällt. Da denken wir uns dann auch oft “warum eigentlich?”. Im Vorhinein kann man das daher also nicht wirklich planen, einen Song mit einer bestimmten Publikumswirkung zu machen – also, zumindest wir nicht.
Der Gewinn des Ö3-Soundchecks hat euch ja jetzt eine Zusammenarbeit mit Sony BMG eingebracht. Wie sehen da jetzt eure Pläne für die nähere Zukunft aus – hinsichtlich Konzerten, Album-Aufnahme, etc.?
Wir fahren jetzt mal auf Tour, spielen in ganz Österreich, eigentlich in jedem Bundesland, die genauen Daten und Orte kann man auf unserer Homepage nachlesen. Dazu muss man sagen, dass diese aktuelle Tour jetzt mit Sony BMG noch nichts zu tun hat. Die Tour hat der Ernstl aufgestellt, der für uns das Booking macht und eben 95 % der Termine, die jetzt auf unserer Homepage stehen, schon vor unserem Gewinn des Soundchecks fixiert waren und das seit Mitte bis Ende Jänner. Wir freuen uns jedenfalls schon sehr auf diese Tour.
Was konkret mit Sony BMG zu tun hat, ist, dass jetzt am 18. Mai die Single “Mehr Meer” rauskommt, das ist definitiv die “Schuld” von Sony BMG, wenn man das so sagen will. An diesem Tag spielen wir auch im Flex, eine Release-Party sozusagen. Dieses Konzert war aber eben auch schon, unabhängig vom Single-Release, lange geplant und es trifft sich jetzt halt gut, dass das alles zusammen fällt.
Dann wird es noch irgendwann ein Album geben, wobei hierfür noch kein konkreter Termin feststeht. Ansonsten bringt uns der Gewinn des Soundchecks und der daraus resultierende Vertrag mit Sony BMG halt Interviews, Stories und hoffentlich noch viele andere Geschichten, die sich jetzt noch nicht absehen lassen. Die Zusammenarbeit mit dem Label hilft natürlich, unseren Bekanntheitsgrad zu steigern, was wir letztendlich daraus machen, ob wir die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben nutzen, liegt jedoch bei uns selbst.
Man bekommt ja auch oftmals zu hören, dass man als ernsthafter Künstler nicht zum Major-Label geht. Was haltet ihr von dieser Aussage und wie definiert ihr “ernsthafter Künstler” bzw. wollt ihr das überhaupt sein?
Also, wenn du jetzt noch zehn Minuten mit uns hier sitzt, wirst du merken, dass wir nicht ernsthaft sind. Aber als Musiker..sagen wir mal so: Man macht nicht Jahre lang Musik, vor allem nicht mit dem Energie- und Zeitaufwand, wie wir das gemacht haben, wenn es keinen Spaß macht. Das heißt, wir spielen was wir wollen, was uns Spaß macht, was uns irgendwie etwas bringt, in dem Sinne, dass wir sonst eh arbeiten und studieren und eben Sachen machen, die man nicht so gerne macht und da soll Musik eben genau das sein, was Spaß bringt.
So war das bei uns schon immer und hat sich auch jetzt nicht geändert. Und was gibt es schöneres, als immer das machen zu können, was man gerne macht und das ist bei uns eben die Musik. Um da hin zu kommen, gibt es verschiedene Wege und einer davon ist eben, für uns hoffentlich, dieser Ö3-Soundcheck und führt damit auch über das Major-Label.
Wir sehen das jetzt aber weder negativ noch besonders positiv. Für uns ist das einfach ein Weg, unserem Ziel näher zu kommen. Wir hören auch von vielen Kollegen, die auch Musik machen, dass es generell für den alternativen Bereich etwas Positives ist, dass eine Band wie wir einmal so einen Wettbewerb gewonnen hat. Wir sehen da also wirklich absolut nichts Negatives dabei, jetzt bei Sony BMG zu sein. Und wenn man sich das Label ansieht, auch international, welche Künstler da vertreten sind, kann man ihm eine Ernsthaftigkeit sicher nicht absprechen.
Beispielsweise Bands wie System of a Down sind ja auch beim Major und wenn die nicht ernsthafte Musiker sind, auch von den technischen, spielerischen Qualitäten her, oder die Fantastischen 4.. Es ist jedenfalls so, dass es sicher ein Weg ist und dieser Weg sicher teilweise verpönt ist, aber wir sehen das eindeutig als Chance, nicht nur für uns, sondern auch für andere alternative Bands, für härtere Musik in Österreich, vielleicht beim Major Fuß fassen zu können.
Ist Sony BMG jetzt euer erstes Label oder wart ihr vorher auch schon irgendwo?
Wir haben unser erstes Album und eine EP selbst raus gebracht, dann waren wir bei Remedy Records, einem österreichischen Independent Label, das macht der Michael Viehböck, der uns wirklich sehr super unterstützt hat.
Also vom Umfeld her wirklich durchgehend positive Resonanz bis jetzt?
Die Resonanz war bis jetzt wirklich überraschend sehr positiv, was wir selbst auch nicht in dieser Deutlichkeit erwartet haben. Vor allem auch von anderen Bands haben wir viel positives Feedback bekommen. Die freuen sich einfach auch, das jetzt in unserer Sparte, also eher alternativ, rockig, ein bisschen was geht und vielleicht auch sie selbst davon profitieren können.
Es war uns auch sehr wichtig, dass wir unsere Musik, unseren Stil beibehalten können und uns jetzt nicht in irgendeine vorgegebene Richtung bewegen müssen. Das ist uns mittlerweile auch vom Label zugesagt und abgesegnet worden. Wir werden weiterhin Ska-Punk machen und jetzt nicht irgendwie softer oder eine “typische Ö3-Band” werden. Wir werden das live so machen und wir werden das auch auf unserem Album so machen.

Naja, wir haben den Wettbewerb als Ska/Punk/Fun/Rock Band gewonnen und das sollte dann eigentlich schon so bleiben. Unser erstes Album war schon so, die EP war so und das wird jetzt auch weiter so sein. Abgesehen davon, dass wir keinen Free Jazz spielen können.
Wie lange ist jetzt erstmal die Zusammenarbeit mit Sony BMG angedacht?
Geplant sind jetzt vorerst die Single und das Album. Dafür gibt es sowieso jede Menge zu tun; weiter zu denken hätte da momentan noch wenig Sinn.
Habt ihr keine Angst, dass ihr jetzt vom Major-Label schneller “verheizt” werdet, als das bei einem kleineren Label der Fall wäre? Vor allem wenn man sich die Gewinner anderer Wettbewerbe ansieht, so ist da der Anteil an “Eintagsfliegen” doch ziemlich hoch.
Dafür ist aber auch die Chance größer, einmal von der Musik leben zu können. Es liegt aber vor allem an uns, dass wir da wirklich stark gemeinsam daran arbeiten und auch lernen, mit der Situation umzugehen; bis jetzt waren wir halt daran gewohnt, alles selbst zu machen. Die Gefahr, als Eintagsfliege zu verkommen, ist natürlich gegeben, aber es liegt hier eben vor allem an uns, dass uns so etwas nicht passiert, dass wir uns interessante Sachen einfallen lassen, dass wir kreativ sind usw.
Für einen Ö3-Hörer beispielsweise, sind wir jetzt plötzlich aus dem Nichts einfach da, tatsächlich gibt es uns aber schon viel länger und wir haben letztes Jahr in etwa 60 oder 70 Konzerte gespielt, in ganz Österreich und auch im Ausland. Das sollte man also schon mit ein wenig Abstand betrachten. Wir sind keine gecastete Band oder ähnliches und uns hat es schon vor dem Soundcheck gegeben.
Besteht nicht auch die Gefahr, wenn ihr jetzt, durch die momentane Popularität bedingt, auf großen Bühnen spielt, später aber dann das Interesse an euch nachlässt und ihr auf kleinere Locations zurück wolltet, deren Booker sagen könnten, wir wollen keine Ö3-Band oä.?
Die Gefahr ist natürlich gegeben. Aber wir sehen das so, dass alles, was uns bis jetzt passiert ist, uns auch niemand mehr nehmen kann. Wenn der, seit längerer Zeit anhaltende Aufstieg fortdauert und wir dann vor 20.000 Leuten spielen und im Jahr darauf sich keiner mehr für uns interessiert, dann ist das auch in Ordnung.
Außerdem haben wir uns in den vergangenen Jahren wirklich gute Kontakte aufgebaut und es ist ja jetzt auch nicht so, dass wir zum Booker von einem 250 Leute fassenden Club auf einmal plötzlich sagen würden, nein, das interessiert uns nicht mehr. Für uns sind kleine Club-Shows genau so interessant, wie große Bühnen und vor allem ist in kleinen Locations der Kontakt zum Publikum viel mehr gegeben. Damit werden wir jetzt sicher nicht aufhören und deshalb wird es auch nicht so sein, sollte es mit Ö3 jetzt nicht so funktionieren, dass wir keine Auftritte mehr bekommen.
Michael Masen
