
Kannst du mir kurz etwas über die Entstehung und nun doch schon lange andauernde Geschichte des Vereins erzählen?
Der gemeinnützige Kulturverein “VEREIN INNENHOFKULTUR” wurde im Jahre 1983 gegründet, nachdem zahlreiche MitarbeiterInnen bereits zuvor, bereits seit 1982, organisatorische und veranstalterische Tätigkeiten ehrenamtlich durchgeführt hatten. Wichtigstes Vereinsziel war und ist es, einen Ort für zeitgenössische, übergreifende und innovative Kunstformen im Bereich der darstellenden und bildenden Kunst, der Musik und der Literatur zu schaffen.
Freiere, auf Improvisation basierende Musikformen (Jazz, Neue Musik, Neue Volxmusik u.ä.) rückten stärker in den Vordergrund und entwickelten bald eine Eigendynamik. Durch die guten Kontakte zu Slowenien wurde die ‘Goldene Gans’ jenseits dieser Grenze als Veranstaltungsort bekannt, wie es auch zu vielen grenzüberschreitenden Projekten kam, nicht nur im Musikbereich.
Danach kamen 9 Jahre im Künstlerhaus Klagenfurt. In dieser Zeit – in der Anfangsphase, als es noch den sozialdemokratischen Kulturreferenten des Landes, Michael Ausserwinkler, gab, wurde das Festival „3 Nights of Jazz“ etabliert (2 nights of jazz gab es schon – durch die Kooperation mit dem Verein Innenhofkultur wurden 3 NIGHTS OF JAZZ daraus), welches kurz darauf zum NO BORDERS MUSIC FESTIVAL mutierte, da Slowenien und Italien (Bled & Tarvisio) als Partner hinzukamen. Ein abruptes Ende war mit Haiders Amtsantritt als Kulturreferent und natürlich auch als Landeshauptmann des Landes gegeben.
Im Jahre 2009 erfolgte die Übersiedelung des Vereins an die jetzige Adresse – Badgasse 7, Klagenfurt. Trotz aller wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Probleme wurde durch ungeheuer viel Eigeneinsatz der Kooperationspartner VEREIN FLECHTWERK, des VEREIN INNENHOFKULTUR und durch die MUSIKERINNEN aus mehreren Ländern ein neues Festival ins Leben gerufen – NEW ADITS – FESTIVAL FÜR GEGENWÄRTIGE MUSIK – und selbiges wird heuer zum 4. Mal stattfinden.
UND WAS AM 3. MÄRZ IN KÄRNTEN GESCHAH, WEISS JEDER!
Wird das RAJ durch Förderungen unterstützt?
– seit 2000 keine Förderung durch das Land Kärnten (exclusive 2 Alibizahlungen in der Höhe von 3000 und 2700 Euro pro Jahr)
– auch Förderungsausfälle seitens der Kulturabteilung der Stadt Klagenfurt, doch seit einigen Jahren wieder als Förderer tätig (nicht mehr in der Höhe der Zeit vor 2000)
– das Überleben wurde durch die konstante Kooperation mit dem Bund, bzw. Subvention desselben möglich gemacht.
Wie würde sich der Wegfall von Förderungen auf eure Bookingpolitik auswirken?
Logischerweise würde sich ein Totalausfall von Subventionen auf unser Booking bzw. auf unsere Arbeit auswirken. Das Programm würde seichter werden, zufälliger, mainstreambetonter und seltener. Ein Schlag in das Gesicht der Musik- und/oder Kunstentwicklung.
Welche musikalischen Schwerpunkte habt ihr?
– Gegenwärtige Musik
– Neue Musikformen
– Forcierung von jungen Gruppierungen – stilunabhängig.
– Mainstreamelemente lediglich, um wirtschaftlich zu überleben.

– Sie darf keine Bigband sein, weil der Platz nicht ausreicht.
– Sie sollte inhaltlich Neuland betreten oder gut interpretieren.
– Rock ist ortsspezifisch unpassend
– Überlappungen mit anderen Kunstformen ist gefragt.
– Sie darf nicht IRR laut sein, da wir einen „WACHHUND“ haben.
– Sie darf (leider) nicht allzu viel kosten, d.h. Gesamtspesen müssen mehr als überschaubar sein.
Wie sehen die Deals mit den Künstlern aus? Besteht heute ein größeres Risiko eine unbekannte Band zu buchen, als früher?
Ja – in Kärnten sicher. Hier lebt man: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Die Deals sind individuell unterschiedlich – von Fixgagen über Beteiligung bis zu Entgegennahme des Eintritts inklusive Benefizveranstaltungen ist alles möglich.
Bemerkst du in den letzten Jahren einen Anstieg bei Bookinganfragen, Stichwort: Umsatzrückgang bei Tonträgerverkäufen, Konzentration auf den Livemarkt?
Anstieg ist harmlos ausgedrückt. Es gibt eine Angebotsüberflutung, mit welcher man als Einzelperson für alles nicht zurechtkommt. Tja, in unserem Segment ist die Tonträgerverkaufsgeschichte ohnehin eine Minimale. Labels wollen verkaufen, Experimente werden selten eingegangen – man will viel live spielen.
Wie hast du die Entwicklung der österreichischen Musiklandschaft in den letzten paar Jahren wahrgenommen? Gibt es heutzutage mehr österreichische Bands, die eine gewisse Reichweite haben und dir das RAJ gefüllt haben oder hat sich da nicht viel verändert?
Eigentlich sehe ich eine positive Entwicklung. Wenn man die Überstrahlung des Ramsch ausblendet, offenbart sich großartiges Musikgeschehen (wie auch in Literatur & Film). Es gibt heute mehr Bands, die Selektion ist schwieriger, aber Stichwort (nicht wirklich neu) NAKED LUNCH füllt und füllt. Die spielen allerdings nicht als Band bei mir sondern nur als Einzelinterpreten (z.B. Oliver Welter). Es gibt nirgendwo was, wo sich nicht viel ändert!
Wie siehst du das Publikumsthema? Sind die Leute heutzutage bereit, mehr für ein Konzert auszugeben? Wie hat sich das Publikum in den letzten Jahren verändert?
Dieser Punkt ist problematisch. Die Leute geben nicht mehr aus – und haben es oft auch nicht….
Das Publikum ist unverlässlicher geworden – von überraschend viele bis überraschend wenige. In den 80er Jahren hatte ich viel mehr Publikum (aber es gab weniger und man hatte mehr Geld). Die Publikumsstruktur hängt von der Stilrichtung ab, doch sei zu bemerken, dass jeder Platz seine Prägung hat…
Wie nützt ihr als Veranstaltungslocation die Möglichkeit zur digitalen Vernetzung? Seid ihr hier sehr aktiv und bemerkt ihr eventuell einen Publikumszuwachs?
Wir machen das uns mögliche – Website, Facebook, Email etc. Ich denke, für Kärnten sind wir sehr aktiv. Publikumszuwächse nur via Facebook – allerdings nur bei „richtigem“ Inhalt (Stichwort – Nino aus Wien etc.)
Welche Wünsche hast du als Leiter eines Veranstaltungsbetriebes?
Keine Probleme mehr mit der Nachbarschaft. Auf öffentlicher Ebene Personen, die zumindest Deutsch verstehen. Weniger Dummheit, Arroganz und Profitmaximierungsdenken bei den Medien. Eine Landes- und Stadtkulturpolitik, wo die Repräsentanten verstehen, was man will. Kurz: höherer Bildungsgrad bei all den Genannten (Günstlingswirtschaftsende).
Peter Balon
http://www.innenhofkultur.at/