
Gitarrist Martin Philadelphy zählt zu jener Art Musiker, für die Konventionen schlicht und einfach da sind, um sie zu überschreiten. Jüngstes Beispiel ist seine aktuelle CD “Ein Glück”, auf welcher der Tiroler Texte verstorbenen deutschen Autors, Satirikers und Zeichners Robert Gernhardt vertont hat. Das vorweihnachtliche Konzert im Wiener Porgy am 23. Dezember ist eine seltenen Gelegenheiten, Philadelphy einmal alleine auf der Bühne zu sehen.
Einem bestimmten Stil verhaftet war Martin Philadelphy nie. Seit er im Alter von zwanzig Jahren den Beschluss fasste, eine musikalische Karriere einzuschlagen, gab es kaum ein Genre, in welches er nicht hineingeschnuppert hat. Schnell stellte der inzwischen in Wien ansässige Philadelphy aber fest, dass jede einzelne Stilrichtung ihrem eigenen Regelwerk unterworfen ist. Die einzige Alternative bot sich in der Verweigerung dieses an.
Der erste Versuch die konventionellen genrebedingten Grenzen zu sprengen, folgte 1994 mit seiner ersten CD “Dezibel”, einem Klangexperiment für sechs E-Gitarren, mit der er die Fachwelt zu überraschen vermochte. Nach einer Phase der Experimente und Ausflüge in die Welt des Musicals, Theaters- und der Filmproduktion entstand 2001 in New York das Jazz- Improvisations-Projekt “Paint”, welches nur kurze Zeit später mit “Paint 2” seine Fortsetzung fand. Philadelphy gelingt es immer wieder, seinen Stil zu verfeinern. So versetzt der Musiker seinen ohnehin schon sehr abwechslungsreichen Jazzrock mit zum Teil höchst experimentellen Soundmalereien.
Das Schaffen von Martin Philadelphy zeugt schon immer von Ideenreichtum und Experimentierfreudigkeit. Ein weiterer Beleg dafür, wie facettenreich und unvorhersehbar der gebürtige Tiroler in seinem künstlerischen Schaffen agiert, zeigt seine aktuelle CD “Ein Glück”. Das Material ist aus der zufälligen Entdeckung des Dichters Robert Gernhardt hervorgegangen. Der Musiker nahm sich Gernhardts Texte an und vertonte sie in der für ihn so typischen Art. Alleine mit seiner Stimme, einer Gitarre und einer Loopstation ausgerüstet, macht sich Philadelphy in einer sehr reduzierten Art und Weise daran, die Worte in ein musikalisches Kostüm zu hüllen. Man darf gespannt sein.(mt)
Foto Martin Philadelphy: Florian Scheider
