Marilies Jagsch & Martin Philadelphy in der Bunkerei

Am 15. Mai sind im Rahmen der “Songreiterei” Konzertreihe mit Marilies Jagsch und Martin Philadelphy zwei Aushängeschilder der jungen heimischen Musikszene in der Wiener Bunkerei zu Gast. Das Publikum erwartet einer Konzert voller Tiefgang, anspruchsvoll und frei von jedem Klischee, so wie ein erstklassiges Singer/Songwriter Konzert eben sein sollte. Moderiert wird der Abend von Tini Trampler.

Konzerte zu spielen, zahlt sich eben aus. Marilies Jagsch verdankt ihren beachtlichen Bekanntheitsgrad, der inzwischen auch weit über die heimischen Singer/Songwriter-Szene hinaus reicht, vor allem ihren zahlreichen Live-Auftritten. Unermüdlich tourte sie durch Österreich und bespielte eine Bühne nach der anderen. Wohl auch aus diesem Grund, und natürlich wegen ihrer  hervorragenden Musik, ist mit Clara Luzia schließlich Österreichs führende Songwriterin auf Marilies Jagsch aufmerksam geworden und hat sie vom Fleck weg bei dem von ihr betriebenen Plattenlabel Asinella unter Vertag genommen. Das Anfang des vergangenen Jahres erschienene Debütalbum “Obituary On A Lost Mind” belegte eindrucksvoll, welch großes Potential in der in Ried geborenen Musikerin schlummert. Die über weite Strecken sehr reduziert eingesetzte Instrumentierung erschafft eine unheimlich dichte Atmosphäre, die den/die HörerIn vom ersten Moment in ihren Bann zieht. Zudem verfügt Marilies Jagsch über eine ungemein schmerzhaft-schöne Stimme, mit der sie in der Lage ist, unterschiedlichste Stimmungen zu erzeugen. Im Moment arbeitet die Songwriterin samt kürzlich neu formierter Band an ihrem zweiten Album, das laut eigenen Aussagen mehr in Richtung Rock gehen wird.

Martin Philadelphy hat schon zu zahlreichen Anlässen unter Beweis gestellt, welch vielseitiger Musiker er ist. Einen bestimmten Stil war der gebürtige Tiroler nie verhaftet. Seit er im Alter von zwanzig Jahren den Beschluss fasste, eine musikalische Karriere einzuschlagen, gab es kaum ein Genre, in welches er nicht hineingeschnuppert hat. Schnell stellte der inzwischen in Wien ansässige Philadelphy aber fest, dass jede Stilrichtung ihrem eigenen Regelwerk unterworfen ist. Die einzige Alternative bot sich in der Verweigerung dieses an. Dieser Einstellung folgend geht Philadelphy auch in seinem Programm “Ein Glueck” vor, in welchem er Gedichte des inzwischen verstorbenen Frankfurter Autors Robert Gernhardt vertont. Gernhardt war Mitbegründer des deutschen Satiremagazins “Titanic” und schrieb später dann auch Gags für Otto Waalkes. Ab den Neunzigern machte er sich dann als Lyriker einen Namen. Für den Gitarristen sind die Stücke auf “Ein Glueck” auch viel mehr, als bloß reine Lyrik-Vertonung – vielmehr spiegeln die Gedichte Gernhardts für den Musiker genau das wider, was ihn bewegt und beschäftigt. Philadelphys virtuoses, dabei jedoch nie eitles, Spiel und sein markanter, lapidarer, aber warmer Gesang und Gernhardts Texte harmonieren einfach wunderbar miteinander. Die Grundfarbe ist hierbei ernster Witz bzw. witzige Ernsthaftigkeit, wie sie wohl kaum ein anderer zustande bringen könnte. (mt)

 

Marilies Jagsch by Arnold Poeschl