Low Life Rich Kids – „Lieblingslieder“

Genretechnisch kann LOW LIFE RICH KIDS nur schwer eingeordnet werden. Das gilt auch für ihr Debütalbum „Lieblingslieder“ (LasVegas // VÖ: 23.05.‘25). In einer klanglichen Welt von Postpunk, Pop und Rock pflanzen sie Texte, die thematisch nicht näher am Puls der Zeit sein könnten.

Der Beginn war ein Theaterstück. Dort haben sich Schauspielerinnen Coco Brell und Mara Romei und Singer-Songwriter und Theatermusiker Bernhard Eder kennengelernt. Ihre Debütsingle „Angst“ wurde nicht nur in der Inszenierung „Über Nacht“ von Lucien Haugs verwendet, sondern schaffte es prompt auch an die Spitze der FM4-Charts. Der nächste Schritt wurde dadurch bereits eigentlich vorgegeben – eine Band musste gegründet werden. Im September 2024 erschien ihre erste EP „LLRK“. Jetzt folgt das erste Album mit dem Titel „Lieblingslieder“. Darauf finden sich zehn Nummern, die als Wake-Up-Call für die Anti-Woke Generation dienen. Dabei vermeidet die Band bewusst den Zeigefinger, bringen jedoch stets kritische Themen auf den Tisch. Es geht um die globale Erwärmung, soziale Ungerechtigkeit und um die ständige Selbstoptimierung, der wir heutzutage ausgesetzt sind. Dabei beleuchten sie unterschiedliche Facetten durch kreative textliche Auslegungen.

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Das Album beginnt mit der titelgebenden Nummer „Lieblingslieder“. Darin geht es um Selbstzweifel und das Gefühl in einer Schleife gefangen zu sein. Nur die eignen Lieblingslieder können aus dieser negativen Spirale rausreißen. In „NNNDW“ thematisiert die Band, den häufig getroffenen Vergleich ihres Sounds mit dem der Neuen Deutschen Welle. Zugegebenermaßen lässt sich ein Funke davon nicht verleugnen. Die Band stellt sich jedoch mit Augenzwinkern entschieden gegen diese Aussage, sie wollen nicht die Neue Neue Neue Deutsche Welle sein. Geschickt bauen sie textlich einige Referenzen zu NDW-Klassikern ein und wehren sich somit gegen die Schubladisierung ihrer Musik. Die Nummer „Unter den Wolken“ beschäftigt sich mit den steigenden Zahlen des Flugverkehrs. An manchen schönen Tagen ist der blaue Himmel vor lauter Kondensstreifen gar nicht mehr ersichtlich. Eine Mahnung darüber nachzudenken, was der ganze Verkehr da oben, für uns und unseren Planeten hier herunten eigentlich für Auswirkungen hat. Genauso kritisch und noch direkter ist die Nummer „Anti-Woke-Generation“. Gegen eine Generation anzukämpfen, die viel zu oft immer nur „Nein“ sagt und überall dagegen ist, kann hart sein. Low Life Rich Kids macht es trotzdem und hält ihnen den Spiegel vor, denn gegen alles zu sein hat ihre Konsequenzen. Konsequenzen, die die Generationen danach tragen mus.

Ein Bild der dreiköpfigen Band Low Life Rich Kids
Low Life Rich Kids © Nico Hafner

Klanglich zeigt sich Low Life Rich Kids als genreelastisch und flexibel. Sie lassen unterschiedliche Themen und Ideen in ihre Musik einfließen. Dadurch entsteht ein zeitloser Sound. Besonders markant ist die Mischung aus gesprochenem Wort und mehrstimmigem Gesang. Die beiden Sängerinnen Bell und Romei ergänzen sich dabei auf gelungene Art und Weise. Dazu produziert Eder einen individuellen Klang, der mit tiefe, Synth-Sound und geradlinigen Beats spielt. Immer wieder treten verzerrte Klangelemente und groovige Basslines auf. So baut die Band komplexe Klangbilder, die gleichzeitig auch hängen bleiben.

Mit „Lieblingslieder“ ist Low Life Rich Kids ein gelungenes Debüt geglückt. Sie schaffen es, durch ihren speziellen Sound in einer immer dichteren Musikwelt herauszustechen. Als Band bauen sie bunte Klangwelten mit kritischen und durchdachten Texten, die unweigerlich Geschichten im Kopf entstehen lassen.

Ylva Hintersteiner

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Live
28.05. Salzburg, Arge
30.05. Vöcklabruck, OKH

Links
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Low Life Rich Kids Bandcamp
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