Man glaubt es kaum. Aber das Kulturfestival Esparantella findet heuer bereits zum 10. Mal statt. Zwischen dem 20. und 30. September 2007 kommen in zahlreichen Wiener Lokalitäten Künster/Innen aus den verschiedensten Ecken der Welt zusammen, um den interkulturellen Dialog in musikalischer Form in den Mittelpunkt zu rücken und voranzutreiben.
Kaum jemand hätte es am Anfang für möglich gehalten, dass dieses Festival auf so viel Interesse seitens des Publikums stößt. Die Grundidee des Festivals Esparantella ist es, eine Plattform zur Verfügung zu stellen, auf der ein kultureller Austausch zwischen den Kulturen, den Traditionen, den Generationen, den Geschlechtern und sozialen Gefügen ermöglicht wird.
Welche Formen der Kommunikation würden sich dazu besser eignen als die Musik und der Tanz. Ganz ohne Sprache transportieren diese beiden kulturellen Ausdrucksformen Emotionen und Gefühle, die keiner großen Worte bedürfen. Ihnen fehlt schlichtweg jener ausgrenzende Charakter, den die Sprache schon seit jeher innehat. In der Musik und im Tanz begegnen sich diese Unterschiede auf eher spielerische Weise. Hier können sie sich reiben, miteinander experimentieren und neue interessante Abenteuer erleben.
Esperantella folgt dem Ziel, gesellschaftliche Rollenbilder und Klischees, mit welchen Mitmenschen anderer Herkunft tagtäglich konfrontiert werden, in musikalischer Form zu entkräften und neu zu definieren. Wien, das schon seit jeher als eine Drehscheibe für internationales Zusammentreffen der Kulturen fungiert, bietet den idealen Ort für ein solches Vorhaben.
Schon der Eröffnungsabend zeigt, welchen Weg das Programm einschlägt. Die aus vier Australiern, einem Halb-Türken und zwei angesehenen Roma Musiker bestehende Band liefert eindrucksvoll den Beweis, das jegliche starre Zuordnung fehlschlagen muss.
Ganz im Sinne des Festivals kommen hier Musiker aus den verschiedensten Teilen der Welt zusammen, um den Dialog über die Musik zu ermöglichen. Dem Publikum wird dabei neben dieser kommunikativen Funktion natürlich auch Unterhaltung auf höchstem Niveau geboten.
Neben den vielen bunt gemischten und internationalen Bands und Tanzgruppen, wie etwa Neshoua – Habib Samandi, Rudy Ochoa & CubaSon, dem Montreux Jazz Quintett oder den Pallawatsch bildet der Auftritt des Ensembles Besh o droM mit Sicherheit einen der Höhepunkte des Festivals. Diese Band vermag es wie kaum eine andere, Musikstile aus unterschiedlichsten Traditionen auf einen Nenner zu bringen, ohne dabei jegliche Aussagekraft zu verlieren. Bekannt geworden ist sie durch die Zusammenarbeit mit Hubert von Goisern.
Das diesjährige Esperantella Festival belegt einmal mehr die Tatsache, dass sich Wien, begünstigt durch seinen multikulturellen Charakter, in den letzten Jahren zu einer Art Metropole der Weltmusik entwickelt hat. Wo sonst in Europa finden in solch kurzen Abständen so viele hervorragende Festivals statt, wie sie es hier tun.(mt)

