
Mit dem in Wien geborenen Joe Zawinul ist vergangene Nacht einer der wenigen internationalen Stars der heimischen Musikszene im Alter von 75 Jahren in einem Wiener Spital verstorben. Neben seiner musikalischen Karriere war er vor allem auch als Gründer des Jazzlokals Birdland bekannt.
Zawinul, der erst im Juli dieses Jahres seinen 75. Geburtstag gefeiert hatte, befand sich seit Anfang August in stationärer Behandlung, wie sein Sohn Erich bestätigt. Der 1937 geborene Musiker wuchs in eher einfachen Verhältnissen in Wien auf. Aufgrund seiner offensichtlichen Hochbegabung erhielt er kostenlos Unterricht am Wiener Konservatorium. Anfangs noch der Klassik verhaftet wandte er sich mit siebzehn immer mehr dem Jazz zu. Nach ersten Erfahrungen in der Combo von Vera Auer spielte er in der Johannes Fehring Big Band und war 1954 mit Hans Salomon Mitbegründer der Austrian All Stars. Schließlich übersiedelte er in die USA, wo er nach kurzer Zeit als Pianist der Maynard Ferguson Band engagiert wurde. Auch dort erspielte er sich innerhalb kürzester Zeit den Respekt seiner Kollegen. Er zählte zu den wenigen weißen Musikern dieser Zeit, der auch innerhalb der schwarzen Musiker-Community anerkannt wurde.Von 1962-1970 war Joe Zawinul schließlich Mitglied der Band von Cannonball Adderley, für dessen Band er seinen ersten großen Hit “Mercy, Mercy, Mercy” komponierte. In den siebziger Jahren folgten zahlreiche Kooperationen mit Größen wie Wayne Shorter, Miroslav Vitous oder Miles Davis. Seit den 1990er Jahren entwickelte Zawinul, der inzwischen nach Wien zurückgekehrt war, mit seinem Ensemble, dem Zawinul Syndicate einen unverkennbaren Stil, der die Grenzen zwischen Jazz, Welt- und Tanzmusik auflöst. Schließlich eröffnete der Musiker in seinem Wiener Heimatbezirk 2004 den inzwischen legendären Jazz- und Musikclub Birdland.
Über Jahrzehnte erhielt Zawinul unzählige Auszeichnungen für sein Schaffen, darunter mehrere Grammys, unzählige Down-Beat-Readers’-Poll-Gewinne, Amadeus, Hans-Koller-Preis, Ehrenring der Stadt Wien und Miles-Davis-Award. (mt)
