Neue Oper Wien spielt Tan Dun

Nach dem bereits 1998 von ihr aufgeführtem “Marco Polo” präsentiert die Neue Oper Wien nun “Tea” (2002) von dem chinesischen Kultkomponisten Tan Dun. Die 1990 von Walter Kobéra und Freunden begründete freie Operngruppe trug zu Beginn der 90-er Jahre mit zur Britten-Renaissance bei und hat in der Folge etliche österreichische Erstaufführungen neuerer Opern realisiert – darunter von Lachenmann, Tippett, Eötvös, Trojahn, Dallapiccola, natürlich immer wieder auch Werke österreichischer Komponisten (Pernes, Cech, Schwertsik, HK Gruber, D’Ase, zuletzt wieder Gerhard Schedl).

Tee als Spiegel der Seele
Tan Dun hat den poetisch hoch anregenden Text zu seiner Oper mit dem Titel “Tee” selbst geschrieben. Inspiriert haben ihn diverse Bücher: “Reise nach dem Westen”, “Der goldene Lotus” und das “Buch des Tees”. Zum entscheidenden Schlüssel aber wurde die Begegnung mit einer Nonne im südlichen China. Sie reicht ihr unbekannten Gästen zunächst eine leere Teeschale, um zur Begrüßung selber aus einer leeren Teeschale zu “trinken”.

Das Spannungsfeld zwischen Leidenschaft und Weisheit ist der eigentliche Kern der Handlung: Eine tragische Liebesgeschichte zwischen einer chinesischen Prinzessin, ihrem Bruder und einem japanischen Prinzen. Unter dem Deckmantel der Suche nach dem “Buch des Tees” glauben sie notwendigen Entscheidungen entfliehen zu können, verstricken sich in Abhängigkeiten und schaffen es nicht, ihre Liebe zu leben. Eine Art Fabel, die verdeutlicht, dass die Suche nach der Weisheit durchaus auch von der wirklichen Weisheit wegführen kann.

Dem Hörer obliegt es, das Geheimnis des Werkes zu ergründen: “Die Farbe zu hören, den Klang zu sehen, mit Lan Tee zu trinken, nicht aus Durst, sondern um die Wärme zu spüren und innere Räume zu berühren.”

 

“Tea: A Mirror of Soul” hatte 2002 in Japan Premiere, wurde erfolgreich in Amsterdam, Lyon und Neuseeland aufgeführt, 2007 gibt es Neuproduktionen in Santa Fe und im November beim Composer’s Festival in Schweden und jetzt – dank der Neuen Oper Wien – eben auch in Wien! (hr)

 

Premiere am Di., 11.10., 20.30 Uhr, Semperdepot (Atelierhaus der Bildenden Künste, Lehargasse, Wien VI).
Weitere Vorstellungen: 14., 15., 18., 20., 21., 22. 9.
(Besetzung und Infos siehe auch: mica-Konzertankündigungen)

 

Foto Plakat tea © www.garnitur.com
Foto Walter Kobéra © Armin Bardel
Foto Tan Dun © Klangforum