Musiktheater und Gehörlosigkeit, wie geht das zusammen? Gerade im musiktheatralen Bereich scheint die Hürde für Taubes Publikum besonders hoch, ist doch gerade die Hörerfahrung gerade so relevant. Jeffrey Döring forscht mit einem Team aus hörenden und Tauben Künstler:innen seit Jahren zu Musiktheater für Taubes Publikum. Ihm geht es darum, dass nicht einfach das Libretto oder Songtexte in Gebärdensprache gedolmetscht werden, sondern sich ästhetische Erfahrungsräume für das Taube Publikum erschließen. In seinem Projekt „Rat Krespel“, einer sog. Gehörlosen-Oper, nutzen Döring und sein Team dramaturgische Mittel des Musiktheaters, wie Rhythmus, Repetition, Übertitelung, und gestalten diese gezielt so, dass der Hörsinn dafür irrelevant wird. Entstanden ist eine Produktion, die Teile der Partitur von „Les Contes d’Hoffmann“ in Bodenvibrationen, Music Visuals (rhythmische Projektionen) und starke Bass-Impulse übersetzt. Somit entstand ein Musiktheater für hörende und Taube Menschen, das über den Seh- und Tastsinn erfahrbar wird. In einem kurzen Best Practice stellt er die Arbeit und seine Herangehensweise vor, als auch zu beachtende Besonderheiten im diskriminierungs-sensiblen Umgang als Hörender mit Tauben Kolleg:innen und Zuschauer:innen.
* Das Wort Taub wird gezielt großgeschrieben als Beschreibung kultureller Zugehörigkeit von Menschen zur Deaf Community. Der Begriff muss nicht zwangsläufig eine Aussage über den Hörstatus der Adressierten treffen (wie bspw. gehörlos geboren, ertaubt, schwerhörig, CoDA).
Jeffrey Döring
Jeffrey Döring (*1991) studierte von 2010–2013 Theaterwissenschaft, Philosophie und Germanistik an der Freien Universität Berlin. Es folgte 2013–2015 ein Masterstudium der Dramaturgie an der Akademie für Darstellende Kunst & der Filmakademie Baden-Württemberg. Anschließend absolvierte er ein Volontariat an der Bayerischen Staatsoper München.
Seine Arbeiten bewegen sich zwischen medialer Installation und gamifizierter Performance und wurden u.a. bei den RAUMWELTEN in Ludwigsburg, am Theater Rampe in Stuttgart, am Volkstheater Rostock, beim PODIUM Festival Esslingen, der Oper Stuttgart sowie der Kunsthalle Tübingen und dem Landesmuseum Württemberg präsentiert. Im Dezember 2025 folgt eine Produktion an der Opéra de Lille.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Arbeit mit Tauben Performer:innen und die künstlerische Erforschung der Deutschen Gebärdensprache auf der Bühne. Seine Arbeit mit dem Deutschen Gehörlosentheater wurde u.a. im Gasteig München, im Admiralspalast Berlin, der WLB Esslingen, dem Staatstheater Karlsruhe und dem Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg gezeigt.
Er ist Gründer und künstlerischer Leiter von Goldstaub e.V., einer freien Theater- und Mediengruppe, mit der bisher die Gehörlosenoper „Rat Krespel“ (2016), das installative Musiktheater „Brennender Schnee“ (2017), das musikalische Stationentheater „Wankelmut der Herzen“ (2019) und der Opernfilm „Tränen der Daphne“ (2021) entstanden.
Für seine Arbeiten erhielt er 2017 das „Marie-Zimmermann-Stipendium“ der Akademie Schloss Solitude, 2020 das „denkzeit-Stipendium“ der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen, das „Reload-Stipendium“ der Kulturstiftung des Bundes und das „#takecare-Stipendium“ des Fonds Darstellende Künste. 2021 folgten das Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaats Sachsens und das des Kulturamts Leipzig. 2024 erhielt er den internationalen Mortier Next Generation Award für sein Konzept zu Bartóks „Blaubarts Burg“. Im selben Jahr war er für den Deutschen Theaterpreis „DER FAUST“für seine Produktion „RUSALKA“mit Tauben und hörenden Performer:innen nominiert.
Seit 2025 ist der Künstlerische Leiter des Greizer Theaterherbst, einem soziokulturellen Theaterfestival in Ostthüringen.
