Inina Gap im B72

Es gibt sie doch noch. Bands, die abseits von Casting Shows und kommerziellen Radiostationen, ihren musikalischen Weg unbeirrt weiterführen und eindrucksvoll belegen, dass auch hierzulande in Österreich durchaus anspruchsvolle Popmusik entstehen kann. Eine dieser jungen und aufstrebenden Bands ist Inina Gap. Am 13. Dezember sind die Kärntner mit ihrer äußerst gelungenen Mischung aus Elektronik, Funk und Rock zu Gast im Wiener Gürtellokal B72 und eröffnen für den Amerikaner Dan Deacon.

Schon früh eilte Inina Gap der Ruf voraus, verschiedenste musikalische Elemente mit viel Gefühl vereinen zu können. Das Debüt-Album “Software Society” im Jahre 2005 belegte schließlich diese Vermutung auf eine eindrucksvolle Art und Weise und übertraf sogar die Erwartungen. So vermischen sich in den Songs Electro-Fusion-Beats mit psychedelischem Chill-out und groovigen Club-Sounds. Dazu gesellen sich zudem noch Einflüsse aus dem Soul und dem Funk, welche den Kompositionen zusätzliche Tiefe verleihen. Gekonnt und mit viel Übersicht verstehen es die Musiker, diese Stilmittel einzusetzen und die Songs so kontinuierlich bis hin zum absoluten Höhepunkt zu steigern. Der ständige Wechsel zwischen eingängigen und komplexeren Songstrukturen macht das Gehörte unverwechselbar und hält zu jedem Zeitpunkt den Spannungsbogen irgendwo zwischen Verletzlichkeit und leichtem Optimismus aufrecht. Über allem thront die unglaublich angenehme Stimme von Ludwig Heili, welche den anspruchsvollen Texten zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht.

Der Stil entstand natürlich nicht über Nacht. Begonnen hat alles im Jahr 2000, als Ludwig Heili von Villach aus nach New York aufbrach, um sich ganz der Musik zu widmen. Wenig später gründete er mit zwei Freunden – ebenfalls aus Kärnten- die Electro-Fusion-Formation inina gap. Die Musiker experimentierten über Jahre hinweg mit der Materie und entwickelten in unzähligen Sessions, Recordings und Live-Konzerten in Wien, New York, L.A., Lissabon und Kärnten den Sound immer weiter. Mittlerweile ist Inina Gap von einem Trio zu einer fünfköpfigen Band angewachsen und ein jedes Mitglied ist gleichberechtigt am Songwriting für die neue CD “The End of Red”, die in Bälde veröffentlicht werden soll, beteiligt. Einen ersten Eindruck über das neue Material lieferte bereits die im Juni 2007 erschienene Maxi-CD, auf der erstmals die schwedische Sängerin Johanna Tham zu hören ist.

Das Konzert bietet dem interessierten Publikum eine hervorragende Möglichkeit, sich auch von den Live-Qualitäten der Band zu überzeugen. Eines kann man vorweg schon sagen, dass nach diesem Abend Inina Gap mit Sicherheit ihren Fankreis um einige Leute vergrößert haben wird.

Michael Ternai

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