Hinter dem Projekt K.CIT steht die Multi-Instrumentalistin und Komponistin Ursula Reicher, die auf ihrem gerade erschienen zweiten Album „TIC.K TOCK“ gekonnt Dark-Pop-Arrangements mit zeitgenössischen Klängen kombiniert. Abseits von K.CIT ist Ursula eine gefragte Musikerin und Arrangeurin und u.a. bei Seiler & Speer (Piano), Ina Regen (musikalische Leitung), Streetview Dixie Club (Gesang) und Anja Om Plus (Gesang, Piano) tätig. Sie betreibt zudem das Big Band-Projekt The Globular Cluster. Im Interview mit Clemens Engert spricht Ursula Reicher unter anderem über das Thema Zeit, die Kunst der Reduktion und AI als Bedrohung.
Dein neues Album „TIC.K TOCK“ ist gerade erschienen. Kannst du kurz etwas zum Entstehungsprozess sagen?
K.CIT: Ich habe das Album gemeinsam mit dem Produzenten Philipp Mayer aufgenommen. Wir kennen uns schon sehr lange und sind beim gemeinsamen Musikmachen aufgewachsen. Deswegen wusste ich, dass er versteht, wo meine Wurzeln liegen und was ich will. Das Album ist dann über die letzten drei, vier Jahre hinweg entstanden. Es sind aber auch ein paar Songs dabei, die ich vor langer Zeit geschrieben und jetzt in ein neues Gewand gepackt habe. Es hat einfach ein bisschen Zeit gebraucht, um den Sound für K.CIT zu finden und dann weiterzuentwickeln. Ich bin ja quasi ein musikalischer Tausendsassa und habe noch viele andere Projekte am Laufen.
„Wir denken Zeit ja gerne chronologisch, aber es gibt auch ganz andere Zeit-Konzepte.“
Textlich geht es bei allen Tracks um das Thema Zeit. Was hat dich dazu inspiriert, dich diesem Thema zu widmen?
K.CIT: Ich glaub, dass ein Merkmal meiner musikalischen Arbeit ist, dass sie sehr programmatisch ist. Man kann „TIC.K TOCK“ auch als Konzeptalbum bezeichnen. Ich beschäftige mich hauptsächlich mit Themen, die mich selbst betreffen – also Dinge, die aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz kommen. Außerdem bewege ich mich gerne aus meiner Komfortzone, wenn ich Dinge komponiere. Mit meinem Big Band-Projekt The Globular Cluster habe ich mich zum Beispiel bei einem Album dem Thema Tod gewidmet. Gewisse Fragen drängen sich mir einfach auf und ich kann dann nicht anders, als sie künstlerisch zu verarbeiten. Für dieses Album habe ich mir überlegt, wie man das Thema Zeit denken kann. Wir denken die Zeit ja gerne chronologisch, aber es gibt auch ganz andere Zeit-Konzepte.
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Das klingt sehr philosophisch. Bist du grundsätzlich jemand, der viel über existenzialistische Themen nachdenkt?
K.CIT: Ja, absolut. Ich liebe auch tiefgehende Gespräche. Ich mag es einfach, Fragen zu stellen – selbst, wenn man nicht sofort auf Antworten kommt. Das kann ganz banale Themen betreffen, aber eben auch philosophische.
Welche Künstlerinnen und Künstler haben dich beim Schreiben des neuen Albums besonders inspiriert?
K.CIT: Ganz viele. Mir war immer schon wichtig, viele unterschiedliche Einflüsse zuzulassen. Schon aufgrund meines Studiums hat mich der Jazz immer begleitet, ich hatte jedoch auch eine intensive Metal-Phase. Ich habe auch viel Klassik gehört und viel Pop und Rock. Ein ganz großer Einfluss ist Radiohead. Die haben mich einfach in meiner Jugend begleitet und werden wohl immer einen großen Platz einnehmen. Das alles fließt in meine Musik ein. Ich denke das hört man auch.
„Ich habe dieses Mal bewusst versucht, mit nur wenigen Elementen zu arbeiten.“
Die Arrangements auf deinem neuen Album sind eher reduziert. Hast du bewusst versucht, mit eher wenigen Elementen zu arbeiten und das Ganze sehr intim zu halten?
K.CIT: Absolut. Es war tatsächlich ein großes Ziel, aus wenigen Elementen viel rauszuholen. Das ist manchmal gar nicht so einfach, aber es ist eine schöne Herausforderung. Oft ist man ja als Arrangeurin dazu verleitet, ganz viel in einen Song hineinzupacken. Das erweist sich jedoch dann oft als Hindernis. Deswegen habe ich dieses Mal bewusst versucht, mit nur wenigen Elementen zu arbeiten.
Eine der Singles ist „Best of you“ – ein Foo Fighters-Cover, das jedoch einen komplett anderen Ansatz verfolgt als das Original. Die Version ist sehr gelungen, finde ich. Wie ist dir die Idee zu diesem Cover gekommen?
K.CIT: Ich bin ein großer Foo Fighters-Fan und eines meiner Lieblingsalben ist „In Your Honor“, wo „Best of you“ oben ist. Der Song hat mich immer schon mitgenommen, weil er einfach sehr treibend ist und eine klare Botschaft hat. Als die Idee zu diesem Cover entstanden ist, war ich gerade in einer etwas schwierigen persönlichen Phase und der Text des Songs hat mich sehr angesprochen. Ich habe mich während dieser Zeit nämlich oft gefragt, was die beste Version von mir selbst ist und wie ich diese zeigen kann. Ich wollte den Song dann musikalisch in ein völlig neues Gewand packen und habe eine Ballade daraus gemacht.
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„Ich bin guter Dinge, dass es auch in Zukunft Leute geben wird, denen es wichtig ist, dass etwas von Menschen gemacht wird.“
Du hast Jazz-Komposition studiert und mit The Globular Cluster auch ein Big Band-Projekt. Versuchst du bei K.CIT bewusst, eine andere, poppigere Seite auszuleben?
K.CIT: Bewusst mache ich das nicht unbedingt, weil ich mich nicht von vornherein einschränken will. Für mich ist der größte Unterschied, dass ich bei meinem Big Band-Projekt mit anderen Themen und einem anderen Klangkörper arbeite. Ich denke aber, dass man trotzdem hören kann, dass es Ähnlichkeiten zwischen beiden Projekten gibt. Das passiert ganz natürlich, weil ich meinen eigenen Stil ja auch nicht verstecken will. Ich versuche einfach zunehmend, mein eigenes Ding zu machen und von diesem „Gefallen-Wollen“ wegzukommen.
Wie nimmst du die Entwicklungen rund um die Thematik „AI in der Musik“ wahr?
K.CIT: Ich finde es tatsächlich beängstigend. Ich bin da wirklich oldschool und kann an mir selbst beobachten, dass ich dazu neige, mich zu weigern, bestimmte Tools zu verwenden. Ich versuche, konsequent bei den altbewährten Mitteln zu bleiben. Für mich als Komponistin ist AI natürlich auch ein bisschen eine Bedrohung. Zugleich bin ich aber guter Dinge, dass es auch in Zukunft weiterhin Leute geben wird, denen es wichtig ist, dass etwas von Menschen gemacht wird.
Du bist auch außerhalb von K.CIT musikalisch sehr umtriebig. Was steht neben dem Album-Release heuer noch alles an bei dir?
K.CIT: Für K.CIT bin ich gerade dabei, weitere Konzerte zu organisieren und ich werde auch neue Songs schreiben. Im Herbst nehmen wir dann das neue Album meines Big Band-Projektes The Global Cluster auf. Außerdem stehen viele Konzerte als Side-Musikerin dieses Jahr an. Zudem gibt es noch viel zum Arrangieren für andere Projekte und Big Bands. Es kommt also viel auf mich zu, worauf ich mich freue.
Vielen Dank für das Gespräch!
Clemens Engert
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Live-Termine:
10.09 Graz Folk-Art-Festival Graz – Murinsel Graz
14.10. Spotting – Postgarage Graz – mit NOW.
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