HHANOI – „THE UNSPOILT BITTERNESS OF YOUTH IS SLOWLY FADING AWAY“

Jetzt sind schon sechs Bandjahre ins Land gezogen und Hans Hauser findet noch immer andere Wege, das Groß-Genre Rock für sich neu zu erfinden. Auf „the unspoilt bitterness of youth is slowly fading away“ (seriously records) dem neuen Album seines Duos HHANOI, singt er sich die Seele aus dem Leib.

Und die Songs covern alle Lebenslagen. Denkst du oft über die Sterblichkeit alles Lebenden nach, ohne dass du selbstmordgefährdet bist? Dann hör dir „I am fine“ an. Bist du gerade in einer eher aussichtslosen Situation gefangen? „rainy day“ ist perfekt dafür. Oder möchtest du an sich ein bisschen lockerer werden? In „don’t expect them to“ findest du Antworten. Gut, vom Mindset her stehen sich die Lieder schon sehr nah. Sie sind von einer leicht zynischen, aber sehr reflektierten Warte aus geschrieben, ohne zu depressiv oder zu frohlockend zu sein.

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Auch von der musikalischen Seite her findet man Ähnlichkeiten, obwohl die Songs schon sehr unterschiedlich strukturiert sind. Aber im Allgemeinen könnte man den Stil wohl so umreißen: Hans Hauser und Bandkollege Lucas Geiler sind in eine surreale Parallelwelt gereist und haben dort die 1990er-Jahre in einer großen Schüssel Milch zum Frühstück verspeist. Jetzt lebt die Musikwelt des Jahrzehnts in ihnen und bricht über HHANOIS Lieder langsam wieder aus.

Das würde zumindest den Mix der Assoziationen erklären, die aufkommen, wenn man „the unspoilt bitterness of youth is slowly fading away“ hört. Da ist so viel Foo Fighters und Red Hot Chili Peppers drin, schon allein weil Hausers Stimme einiges von Dave Grohl und Anthony Kiedis (die jeweiligen Frontmänner der beiden Bands) hat. Also, sie ist rau wie Grohls Organ, aber auch klar wie Kiedis Stimme. Und dann kann man noch Radiohead („I am fine“), Oasis („we are alone“) und einen Hauch Nirvana – also zumindest in der Gitarrenmelodie von „don’t expect them to“ – raushören.

Große Namen, aber ein ganz eigener Wille

Cover „the unspoilt bitterness of youth is slowly fading away“

Klar, wenn man diese großen Namen aufgezählt sieht, denkt man sich wahrscheinlich, dass „the unspoilt bitterness of youth is slowly fading away“ eine Art Coveralbum sein muss. Das stimmt aber nicht. Vielmehr werden diese Künstler zitiert und gleichzeitig neu interpretiert, und zwar auf die Art: So klingen Rock und Grunge der 1990er im Jahr 2017. Und zu allem kommt noch eine jugendliche Note hinzu. Man hat fast das Gefühl, die inneren Kinder der beiden Musiker hätten auch einiges mitzureden gehabt. Und das ist auch gut so, denn welche Zeit im Leben eines Menschen ist ziemlich wahrscheinlich die emotional intensivste? Wohl die Jugend.

So heftig sind auch die Emotionen auf diesem Album. Heftig, aber auch ehrlich. Da passt natürlich der Titel des Albums ganz gut ins Bild. Und wenn man es so nimmt, ist es wohl am besten, mit voller Wucht in das neue Erdenjahr einzubrechen, als langsam schlurfend darauf zuzugehen.

Anne-Marie Darok

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