Harald Baumgartner – melancholerisch

In der Mundart zu singen ist hierzulande wieder „in“, wie die Erfolge der 5/8erl in Ehr`n, Ernst Molden und anderer Formationen in der jüngeren Vergangenheit recht deutlich gezeigt haben. Die Leute wollen wieder originär und originell Österreichisches zu hören bekommen, was ja seit dem Ende der Ära des Austropop nicht mehr wirklich der Fall war. Ein Musiker, der sich ebenfalls anschickt, den heimischen Dialekt-Pop in neue Höhen zu treiben, ist der in Vöklabruck aufgewachsene Harald Baumgartner. Und wie auf dem kürzlich erschienenen zweiten Album „melancholerisch“ (Xtension) zu hören ist, gelingt dem talentierten Liedermacher dies auch auf eine wirklich vortreffliche Art und Weise. Die Songs besitzen das gewisse Etwas, diese undefinierbare Note, die einen einfängt und dazu verleitet, sich näher mit der Musik und dem Künstler auseinanderzusetzen. Womit Harald Baumgartner aufwartet, sind Lieder mit Tiefgang, gespickt mit feinsten Melodien und noch feineren Texten, sowie einer gesunden Distanz zu den bereits tausendfach gehörten Mainstreamsound. Ein wirklich klasse Album, das enorm viel Spaß macht.

Es ist schon immer wieder auch einmal schön, auf dem falschen Fuss erwischt zu werden. Die CD „melancholerisch“ eher nebenbei im CD-Player laufen habend, ertappt man sich immer öfter dabei, dass man den Songs von Minute zu Minute dann doch mehr und mehr Aufmerksamkeit schenkt. Bis zu eben diesen Punkt, an dem man es dann wirklich wissen will. „Wer ist das überhaupt? Harald Baumgartner?“. Eine Recherche ergibt, dass der aus Vöklabruck stammende Liedermacher 2009 mit „Die stillste Zeit“ bereits mit einem beeindruckenden und vielbeachteten Album debütiert hat und sich in Oberösterreich in Sachen Mundart-Pop mit Niveau schon einen Namen machen konnte. Darüber hinaus liest man, dass auch heimische Größen wie Andy Baum und Marianne Mendt voll des Lobes für die Qualitäten dieses jungen und hochtalentierten Singer-Songwriters sind, was einen schließlich selbst im Gefühl bestärkt, sich näher mit diesem Musiker zu befassen.

Harald Baumgartner bringt alles mit, was ein erstklassiger Singer-Songwriter haben muss: das Gespür für einprägsame Melodien, das Wissen, diese in ein spannendes wie mitreißendes Arrangement zu betten, einen gewissen Hang zur Eigenständigkeit und den Willen, sich eben nicht im Zitieren oder Wiederholen bekannter Formate zu verlieren. Was der gebürtige Vöklabrucker entstehen lässt, sind Songs, die genau all dies beinhalten, die aufgrund ihrer kunstvollen Ausrichtung, alle Untiefen der Popularmusik im weiten Bogen umschiffen und genau deswegen auch zu begeistern wissen. Irgendwo zwischen den Polen Liedermachertum, Pop und Blues wandelnd, entwirft Baumgartner seine ganz eigene musikalische Sprache, die vor allem auch über gelungenen spitzen und kritischen jedoch niemals humorlosen Texte des Liedermachers ihren Ausdruck findet.

„melancholerisch“ ist genau das Richtige für Anhänger des anspruchsvollen deutschprachigen Dialektpops der Sorte 5/8erl in Ehr`n. Bleibt zu hoffen, dass man von Harald Baumgartner auch in Zukunft noch so einiges zu hören bekommen wird, denn man will definitv mehr hören. (mt)

Foto: Thomas Lackner

 

http://www.haribaumgartner.com/
http://www.x-tension.at/