HALF GIRL – „All Tomorrow’s Monsters”

Grusel, Monster und Rock ’n’ Roll: HALF GIRL ist eine Band, die nicht erst seit gestern Musik macht. Trotzdem hat es ein wenig gedauert, bis eine richtige Platte rausgekommen ist, so wie es sich die Bandmitglieder vorgestellt haben. Doch nun ist „All Tomorrow’s Monsters” da und lässt es so richtig krachen.

Wie hat schon Stereo Total ironisch gesungen? „Die Frau in der Musik stört immer!” Und dieses Klischee hat sich die die Band Half Girl zu Herzen genommen. Also in dem Sinne, dass es sich dabei um ein Frauenquartett handelt, dessen Mitglieder nicht im Traum daran denken, ihre feministische Einstellung zu leugnen. Und das ist richtig gut so. Aber es hat gedauert, bis sich die Band so richtig gefunden hat. Nicht dass sie nicht auch früher feministisch gewesen wäre, aber die Besetzung hat noch nicht ganz gestimmt.

Vier Frauen, ein Ziel

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Cover “All Tomorrow`s Monsters”

2009 wurde Half Girl von Julie Miess gegründet. Die damalige Britta-Bassistin holte sich die Luise-Pop-Gitarristin Vera Kopf, die Drummerin Anna Leena Lutz von Die Heiterkeit und Jens Friebe, der dann nach drei Jahren durch die Bassistin Julia Wilton von Pop Tarts ersetzt wurde. In der Bandgeschichte steht mysteriös „wegen amouröser Tendenzen”, aber im Endeffekt ist es auch egal, denn durch die neue Besetzung hat die Gruppe zu ihrem wahren Ich gefunden.

Und das ist Rock ’n’ Roll gemischt mit der süßen Naivität der 1950er- und 1960er-Jahre und einer Prise Horror. Diesen bringt Bandleaderin Miess mit, die sich schon viele Jahre – auch akademisch – mit dem Thema Frauen und Horror beschäftigt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Half Girl selbst gern als eine Gruppe aus Monstern bezeichnen, wobei sie damit wahrscheinlich weniger den Ekelfaktor, sondern mehr den Außenseiterstatus von Frauen im Musikbusiness meinen. Vor allem von Frauen, die feministische Texte schreiben.

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Auf dem Album „All Tomorrow’s Monsters“ wird aber sanfte Politik gemacht. Also eher im ironischen Bereich, wie etwa auf dem Track „Lemmy, I’m A Feminist“. Dieser Song ist Lemmy Kilmister gewidmet, den verstorbenen Frontmann von Motörhead, von dem Miess und Kolleginnen zwar große Fans sind, der aber für seine zweifelhafte Einstellung zu Frauen bekannt war. Auch „Girl in a Band“ erzählt davon, dass Frauen anecken, die nicht in die gängigen Idealbilder passen.

Musikalisch wird zu den oftmals witzigen Texten gerockt und gegroovt. Die Surfgitarre spielt dabei eine sehr wichtige Rolle, um den Retro-Touch aufrechtzuhalten. Die Melodien erinnern auch ein wenig an Rockabilly-Bands wie The B-52s und The Cramps, wobei Half Girl nicht so schnell wie Letztere spielen. Dass die Frauen Humor haben, zeigt sich beim Song „Bootyman“, der nicht nur auf ironische Art und Weise gesungen wird, sondern dessen Text auch auf einen Gag abzielt. „All Tomorrow’s Monsters“ ist ein Album, bei dem spürbar ist, dass die Band gut zusammenpasst und wirklich das gemacht hat, was ihr vorgeschwebt ist.

Anne-Marie Darok

Half Girl live
2016-09-20 GER – Oberhausen, Druckluft
2016-09-21 GER – Lüneburg, Anna und Arthur
2016-09-22 GER – Hamburg, Hafenklang
2016-09-23 GER – Berlin, Ausland
2016-09-29 GER – Karlsruhe, Kohi
2016-09-30 GER – Nürnberg, K4
2016-10-01 GER – Leipzig, Handstand und Moral
2016-10-12 GER – Schorndorf, Club Manufaktur
2016-10-13 GER – Freiburg, Slowclub
2016-10-14 GER – Kassel, Goldgrube
2016-10-15 GER – Köln, Privat
2016-10-16 GER – Offenbach, Hafen 2
2017-01-11 GER – München, Unter Deck
2017-01-12 GER – Regensburg, Alte Mälzerei
2017-01-13 AUT – Wels, Alter Schlachthof
2017-01-14 AUT – St. Pölten, Vinzenz Pauli
2017-01-15 AUT – Feldkirch, Graf Hugo
2017-01-16 AUT – Innsbruck, Weekender
2017-01-17 AUT – Graz, Sub
2017-01-18 AUT – Wien, rhiz

Links:
Half Girl (Facebook)
Siluh Records