HACKLERBERRY PI & DIE FAULEN KOMPROMISSE – “Feuerholz”

Wer glaubt, man könne den wilden Westen nicht mit dem Umkreis Bad Vöslau vergleichen, der hat die neue Platte von HACKLERBERRY PI & DIE FAULEN KOMPROMISSE noch nicht gehört. Auf „Feuerholz“ (Lied-Gut Label) wird das Banjo aus der Küche geholt und auf Hillbilly-Art musiziert.

Cover “Feuerholz”

Es hat sich ja schon angedeutet, dass die Wiener Combo rund um Sänger und Songwriter Patrick „Pi“ gerne eine Mixtur aus Soul, R ’n’ B und Rock ’n’ Roll spielt. Und wenn man sich den Namen der Band genauer betrachtet, also Hacklerberry, dann ist es gar nicht so merkwürdig, dass sich die Musik sehr an amerikanischen Idealen orientiert. Aber das war nicht immer so, vielmehr gehören „Paperthin Hotel“ und „Alter Brauner Schuh“, die zwei Hits der Gruppe, absolut zum Genre des Indie-Pop gespickt mit österreichischem Mundart-Gesang. Diese Lieder liefen in den Jahren 2013 und 2014 so ziemlich in Dauerschleife auf dem Alternative-Radiosender FM4.

Von Indie-Pop zu Country-Rock.

Und das nicht ohne Grund, denn beide Songs hatten die beschwingte, leichte Atmosphäre an sich; dieses Laisser-faire, das man auf Österreichisch mit „Passt scho“ übersetzen könnte. Sie haben eine immerwährende Jugendlichkeit inkorporiert und damit den Zeitgeist perfekt getroffen. Auf dem neuen Album „Feuerholz“ gibt es ganz ähnliche Songs, die sich trotzdem in das neue musikalische Konzept einfügen. Das sind etwa „Wigl Wogl“ und „Nimm mich hin wie ich bin“. Letzterer ist ein leicht melancholischer Song mit starker E-Gitarre und Vocals, die sich harmonischer in die Songstruktur einpassen als bei den sonstigen Liedern.

Da steht die Stimme sonst oft im Vordergrund, aber nicht unbedingt auf gesanglicher Ebene, sondern auf textlicher. Das erinnert etwas an Der Nino aus Wien und anderen Mundart-KünstlerInnen. Da wird auch oft die Aussprache mehr zelebriert als der Gesang selbst. So ist es dann auch bei „Wigl Wogl“, das durch seinen Refrain im Stil eines improvisierten Männerchors besticht. Textlich repräsentiert dieses Lied auch sehr gut die Intention des Albums, wobei liebevoll von den kleinen und größeren Fauxpas des Lebens gesungen wird. Dabei scheint es der Band sehr wichtig zu sein, dass die Geschichte einen Anfang und ein Ende hat, denn sie möchte nicht nur einen kurzen Einblick in eine bestimmte Lebenssituation bieten.

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„Hinterwald“ ist somit die minutiöse Beschreibung eines Hillbilly-Kaffs, seiner BewohnerInnen und deren wilder Leben. Mit Zeilen wie „Die Bienen summen in den Büschen, wenn wir unsere Cousinen küssen“ zeigt die Band, dass sie durchaus humorvoll mit ihren beschriebenen Szenerien umgeht. Nur lustig machen sich Beteiligten nicht darüber, vielmehr ergeben sie sich ihren komischen Figuren und feiern mit ihnen gemeinsam eine große Western-Party.

Musikalisch bewegen sich Hacklerberry Pi & Die Faulen Kompromisse in den Weiten des Genres Country. Mal klingt es nach Bluegrass („Hinterwald“), mal nach Country-Rock („Burgturm ohne Treppen“) und dann wieder nach Outlaw, also so ein bisschen Johnny-Cash-mäßig („Schattendorf“). Es scheint ein vielseitiges Interesse an jener amerikanischen Musikkategorie hinter „Feuerholz“ zu stecken. Dabei zeigt die Band, dass sie die Dinge nicht nur halb angeht, sondern sich mit vollem Elan in die Sache stürzt. Wer traut sich in der heutigen Schnelllebigkeit noch einen 13-minütigen Track zu produzieren, bei dem man auf jeden Fall genau hinhören sollte, da der Text die Musik spielt? Hacklerberry Pi & Die Faulen Kompromisse haben sich für ihr Album ein Genre gesucht, in dem sie sich nicht nur wohlzufühlen scheinen, sondern pudelwohl.

Anne-Marie Darok

Hacklerberry Pi & Die faulen Kompromisse live
24.02. B72, Wien (Albumreleaseparty)
15.03. Rockhouse, Salzburg
22.03. Zum Gschupften Ferdl, Wien

Links:
Hacklerberry Pi & Die faulen Kompromisse
Lied-Gut Label