
Anknüpfend an die Tradition geistlicher Mysterienspiele entwickelt Britten Melodielinien, die zwischen Gregorianik und asiatischen Klangwelten oszillieren. Die musikalische Struktur dieses Werkes ist dabei gezielt auf die klanglichen Besonderheiten eines großen Sakralraumes ausgerichtet. Mit seiner bemerkenswerten Orchesterbesetzung kreiert Britten ein unvergleichliches Klangerlebnis, das die Akustik des Kirchenraumes als entscheidende kompositorische Komponente effektvoll zu nutzen weiß.
Dabei dient das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn aus dem Evangelium nach Lukas Benjamin Britten und seinem Librettisten William Plomer als Vorlage, um eine ergreifende Geschichte über Liebe, Trauer und Verlust zu erzählen.
Für die Aufführung beim Festival Retz „Offene Grenzen“ 2013 zeichnen, wie in den vergangenen Jahren, Dirigent Andreas Schüller, Regisseurin Monika Steiner, Kostümdesignerin Inge Stolterfoth und Bühnenbildner Alexander Löffler verantwortlich. Mit Stephen Chaundy (Abt/Verführer), Günter Haumer (Der ältere Sohn), Daniel Johannsen (Der jüngere Sohn) und Michael Kraus (Der Vater) konnten erneut Protagonisten gewonnen werden, die schon mehrfach beim Festival Retz mit hervorragenden Leistungen glänzten. Gemeinsam mit diesem herausragenden Solistenensemble wird der renommierte Chor LABYRINTHE Vocalensemble unter der Leitung von Hannes Marek dieses Meisterwerk der Klassischen Moderne in der wunderbaren Akustik der Kirche St. Stephan in Retz erklingen lassen.
LITERATURPROGRAMM
Die der Kirchenoper immanenten Inhalte Trennung, Verlust, Umgang mit dem Verlust geliebter Menschen, Gerechtigkeit, Generationenkonflikt, vergeudete Kindheit und Jugend, Verführung und Scheitern durchweben auch das Literatur- und Konzertprogramm des Festival Retz 2013. So erzählt gleich zu Beginn des Literaturprogramms am 5. Juli Burgschauspieler Martin Schwab gemeinsam mit dem Merlin Ensemble Wien im Programm „Faust“ die wohl bekannteste Begebenheit zum Thema Verführungen und Verlockungen in der Literaturgeschichte. Vorsichtig, einfühlsam und dabei literarisch hochartifiziell begleitet Emil Hakl am 6. Juli in seiner Lesung aus „Regeln des lächerlichen Benehmens“ das Sterben seines Vaters. Raoul Schrott liest am 7. Juli aus „Das schweigende Kind“, einer berührenden Erzählung vom unermesslichen Schmerz des Hinscheidens geliebter Menschen. Die grenzenlose Liebe einer Tochter zu ihrem sterbenden Vater steht auch im Zentrum des Romans „Jáchymov“, den der Autor und neue PEN-Präsident Josef Haslinger am 12. Juli vorstellen wird. Am 14. Juli, dem letzten Tag des diesjährigen Festivals, beschreibt der Shooting-Star der österreichischen Literaturszene, Martin Horváth, in seinem Buch „Mohr im Hemd“ die unglaublich scheinende Geschichte der verlorenen Jugend des aus dem Westen Afrikas stammenden Ali, der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in einem Wiener Asylantenheim lebt.
Alle Lesungen beginnen um 18:00 Uhr und finden im Bürgersaal des historischen Rathauses in Retz statt.
KONZERT HIGHLIGHTS
Auch das diesjährige Festival verspricht einige außergewöhnliche musikalische Erlebnisse. Zu Beginn des Konzertreigens versammelt der österreichische Bariton Günter Haumer am 5. Juli um 18:00 Uhr unter dem Titel „Songs of Travel“ Lieder von Ralph Vaughan Williams, Franz Schubert und Ferruccio Busoni. Am 6. Juli um 22:00 Uhr findet im stimmungsvollen Hof des Dominikanerklosters ein Nachtkonzert des renommierten Merlin Ensemble Wien statt. Das Vienna Vocal Consort wird am 13. Juli um 18:00 Uhr in der Dominikanerkirche unter dem Titel „Warum hast du mich verlassen?“ Kompositionen von Joachim von Burck, Caspar Othmayr und Wolfgang Figulus zur Aufführung bringen. Schlussendlich spürt auch das zweite Nachtkonzert des diesjährigen Festivals unter dem Titel „Impression nocturne“ der Magie der Dunkelheit nach, wenn am 13. Juli um 22:00 Uhr das Ensemble Festival Retz im Innenhof des Dominikanerklosters Kompositionen von Maurice Ravel, Erwin Schulhoff und Claude Debussy in die Stille der Finsternis weben wird. Abgerundet wird der Konzertreigen durch die Mitwirkung zahlreicher lokaler Kulturschaffenden, wie dem Retzer Gesangsverein, der sowohl bei der Kirchenoper als auch beim Festgottesdienst (14. Juli, 10:00 Uhr) mitwirkt, oder dem Symphonischen Blasorchester Retz, das am 13. Juli um 20:00 Uhr im Hof des Schlosses Gatterburg ein „Sommerkonzert“ spielen wird.
Den Rahmen für den ungezwungenen Ausklang im Festivalgarten bilden diesen Sommer drei ganz außergewöhnliche musikalische Formationen: das Großmütterchen Hatz Salon Orkestar (4. Juli), Sebastian Aigners „Drummin´the Night“ (5. Juli) und Bratfisch (14. Juli). Beginn ist jeweils um 22:00 Uhr.
OFFENE GRENZEN – KOOPERATION MIT DEM MUSIKFESTIVAL ZNOJMO
Das Leitmotiv des Festivals „Offene Grenzen“ und die damit verbundene musikalische Spurensuche im gemeinsamen österreichisch-tschechischen Kulturraum, findet auch in diesem Sommer in der seit nunmehr acht Jahren bestehenden grenzüberschreitenden Kooperation mit dem Musikfestival Znojmo seinen Niederschlag. Neben einem vielgestaltigen Musikprogramm mit dem großen Symphonie-Konzert zur feierlichen Eröffnung des Musikfestival Znojmo am 12. Juli 2013 und zahlreichen Kammerkonzerten – darunter auch das traditionelle Konzert am Hl. Stein – dürfen sich die Besucherinnen und Besucher des Festivals auf die szenische Aufführung von Claudio Monteverdis „Il Combattimento di Tancredi e Clorinda freuen.
Foto: Claudia Prieler
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