EXIL – Vertriebene Komponisten (2) – Das Christine Lavant Quartett in der Alten Schmiede

Viktor Ullmann, Egon Wellesz und Franz Ippisch haben nicht den Beruf des Komponisten gemein; auch die Verfolgung durch das nationalsozialistische Herrschaftssystem. Mit der Aufführung ihrer Werke setzt das Christine Lavant Quartett seine Reihe „EXIL – Vertriebene Komponisten“ mit dem zweiten Teil am 31. Jänner in der Alten Schmiede fort. Mit der kontinuierlichen Aufführung Komponisten, die durch Vertreibung oder Ermordung den Nazis zum Opfer fielen, kämpft das 2005 aus dem Egon Wellesz Quartett hervorgegangenen Christine Lavant Quartett gegen Verharmlosung der Verbrechen und gegen das Vergessen ihrer Kompositionen wie auch ihrer Schicksale. Denn selbst jene Komponisten, die mit dem Leben davonkamen, fanden oft nicht mehr oder nur sehr schwer in das Repertoire, obwohl sie zwischen den beiden Weltkriegen das musikalische Geschehen mitgeprägt hatten.

Als bekanntester der drei Vertreter darf wohl Egon Wellesz bezeichnet werden, der sich nach seiner Flucht nach Großbritannien und der dortigen Inhaftierung besonders für österreichische Komponisten im Exil einsetzte und dessen Bemühungen neben seinen Kompositionen etwa durch die Gründung der Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) im Jahr 1922 bis heute nachwirken. Einen anderen Weg schlug Franz Ippisch ein, der mit seiner Familie nach Guatemala floh und als Kompositionslehrer das dortige musikalische Leben beeinflusste. Viktor Ullmann hingegen wurde von den Nazis nach Theresienstadt deponiert, wo er sein kompositorisches Schaffen immer noch im Glauben an das Gute im Menschen den gräulichen Umständen entsprechend so gut wie möglich fortsetzte, bevor er in Auschwitz durch Vergasung ermordet wurde. Wenngleich eine Wiedergutmachung nie möglich ist, so wird mit diesem Programm wenigstens dem Werk der Genannten Gehör verschafft. (dw)

 

http://www.alte-schmiede.at/
http://www.myspace.com/christinelavantquartett/photos/33314694