Die Sängerin Fatima Spar ist mit ihrer Band „The Freedom Fries“ international erfolgreich. Vor allem die beiden CDs „ZIRZOP“ und „TRUST“ fanden viel Beachtung und brachten viele Auslandsengagements. Fatima Spar, mit bürgerlichem Namen Nihal Sentürk, ist in Vorarlberg aufgewachsen, seit Jahren lebt sie in Wien. Aktuell arbeitet sie an einer Produktion mit dem Jazzorchester Vorarlberg. Die neuen Songs werden im Rahmen des x-mas Festivals am Dornbirner Spielboden präsentiert. Darüber hinaus verfolgt Fatima Spar noch einige weitere Vorhaben. Gemeinsam mit ihrem Musikpartner Philipp Moosbrugger produziert sie einige Songs für E-Bass, Schlagzeug, Keyboard, Gesang und Gitarre. Außerdem hat sie Lieder für Quartett beziehungsweise Quintettbesetzung geschrieben, die in Richtung Blues und Country gehen. Eine Zusammenarbeit mit Musikern aus den Reihen der Wiener Symphonikern ist für übernächstes Jahr angedacht. Im Gespräch mit Silvia Thurner erzählt Fatima Spar über ihren Werdegang, ihre Band „The Freedom Fries“ und musikalische Inspirationsquellen sowie über das aktuelle Projekt mit dem Jazzorchester Vorarlberg.
Was hat dich als Jugendliche zum Jazzgesang geführt?
Ich nahm Gitarrenunterricht am Jazzseminar Lustenau. Wolfgang Verocai hat mich begleitet und war ein langjähriger Unterstützer, wir sind heute noch befreundet. Eher zufällig bin ich in einem Gesangsworkshop von Georg Sutr gelandet. Privat habe ich damals jedoch noch eine ganz andere Musik gehört. Zu jener Zeit waren es die 60er, die es mir angetan hatten. Die darauf folgenden Jahre habe ich mich musikalisch für Rock, Trip Hop und Funk interessiert. Obwohl wir am Jazzseminar viel Blues und Jazzliteratur gemacht haben, bin ich erst später, etwa mit zwanzig auf den Geschmack gekommen. Zuerst war es vor allem der Swing, in den ich mich verliebt habe, aber auch Blues und Jazz waren bereits Teil meines Repertoires. So kam ich über Fats Waller, Duke Ellington, Benny Goodman und durch lebende Künstler wie die Squirrel Nut Zippers zum Modern Jazz und zum Bebop. Außerdem wurde ich zur Plattensammlerin mit musikalischen Raritäten. Gesanglich wurde ich bestimmt von niemand mehr inspiriert als von Billie Holiday und in meiner Jugend von Björk.
– Orient und Okzident –
Welche Überlegungen liegen deinem Künstlernamen zugrunde?
Man verbindet Fatima mit dem arabischen Raum und dem Islam und gleichzeitig ist er ein katholischer Wallfahrtsort. Spar ist schwedisch, heißt Tannenbaum und weist auf die Handelskette hin. Aus der Kombination ergibt sich eine Art Eheschließung des Orients mit dem Okzident durch Vor- und Nachnamen.
Seit 2004 arbeitest du mit der Band „The Freedom Fries“ zusammen. In der Band spielen Musiker aus vielen Kulturkreisen und mit unterschiedlichen musikalischen Backgrounds. Wie inspiriert ihr euch gegenseitig?
Der gemeinsame musikalische Nenner entsteht aus den Meinungen der Mitglieder, die alle von unterschiedlichen Geschmäckern geprägt sind. Wir werden immer wieder als ‚Melting Pot’ wahrgenommen, eine Band, die für ein anderes Österreich steht. Angesichts der persönlichen Herkünfte verbinden wir musikalische Stile und auch Dank der Ausbildung der einzelnen Musiker bewegen wir uns zwischen der Tradition und der Moderne, zwischen Swing, Jazz, Balkan Melodien, Orientalisches, Rock und Pop. Unsere Nummern entwickeln sich mit der Zeit auf der Bühne, aber natürlich geht dem Ganzen eine Komposition voraus. Prinzipiell komponiert jeder für sich alleine, nur ich und Philipp Moosbrugger arbeiten immer im Austauschprinzip gemeinsam an den Songs.
– Einsamkeit inspiriert –
Du schreibst die meisten Texte selbst. Was inspiriert dich und was veranlasst dich, auch politisch Stellung zu beziehen?
Mich inspirieren die Abgeschiedenheit und die Einsamkeit. Ein Haus im Süden, Meer, unbekannte Gesichter, die fremde Sprache und das Alleinsein, das ist ein ultimatives Erlebnis. Ich brauche keine Ereignisse, um mich politisch zu positionieren, denn mein Background verlangt ohnehin von mir, mich mit Politik auseinanderzusetzen.
Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Jazzorchester ergeben?
Ursprünglich wollte ich mit Phil Yaeger und Philipp Moosbrugger ein türkisches Bigband Album aufnehmen, Jazzstandards türkisch gesungen. Zur selten Zeit war das Jazzorchester Vorarlberg auf der Suche nach einem Kooperationspartner. So kam es zu einem Treffen mit Martin Eberle, dem Leiter des Orchesters, mit dem Arrangeur Phil Yaeger, sowie mir und Philipp Moosbrugger als Komponisten und Produzenten. Als wir eher zufällig unsere neuen Kompositionen vorgespielt haben, wurde das ursprüngliche Konzept geändert und beschlossen, neue Musik für das Orchester zu schreiben.
– Ein idealer Klangkörper für den Swing –
Was bietet der Sound einer Bigband Spezielles für deine Songs?
Da einige Songs eher Minimal- oder Elektronischer Musik zuzuordnen sind, bieten sich mit der großen Besetzung beinahe endlose Klangmöglichkeiten. Swing ist eines meiner Spezialgebiete. Beim Komponieren experimentiere ich viel mit Klang und auf Pattern basierenden Grooves herum. Der Sound einer Bigband ist geradezu perfekt für meine Musik. Auch deshalb, weil ich synthetische Klänge mag, aber ich hab sie gerne akustisch und live gespielt. Alles was aus der Dose kommt, interessiert mich nicht im Live Kontext. Weiters haben wir drei Nummern aus dem Freedom Fries Programm für das JOV neu arrangiert. Ich persönlich liebe Versionen von Nummern. Davon kann es gar nicht genug geben und genau mit diesen Nummern wollen wir dezidiert auch dem Freedom Fries Publiklum etwas bieten.
– Die Eigenheiten der Sprachen –
Mir persönlich gefallen vor allem deine türkischen Songs. In welchem Verhältnis stehen die unterschiedlichen Sprachen, die du deinen Liedern zugrunde legst?
Englisch spreche ich daheim in Wien, türkisch spreche ich mit meiner Familie in der Türkei und deutsch ist meine Muttersprache. Es liegt also auf der Hand, dass ich mich der Sprachen, die ich täglich benutze, auch bediene.
Türkisch ist sehr melodiös, eine Singsprache. In dieser Sprache gibt es viele Sprichwörter, die in ihrer Bildhaftigkeit interessant sind. Mittlerweile habe ich angefangen, Swing auch türkisch zu singen. Deutsch ist im Gegensatz dazu auch die Sprache für Zyniker. Englisch ist ein Allrounder.
Danke für das Gespräch.
Dieses Interview ist zuerst in der Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft im Dezember 2013 erschienen.
Factbox:
Sonntag, 29. Dezember 2013, Spielboden Dornbirn, 20.30 Uhr
X-Mas Jazz& – Fatima Spar & Jazzorchester Vorarlberg
Foto Fatima Spar © Claudia Nussbaumer
Fatima Spar