Der Nino aus Wien (c) Pamela Russmann

DER NINO AUS WIEN – “WACH”

DER NINO AUS WIEN ist gekommen, um zu bleiben. In den letzten Jahren hat ihm sein musikalischer Fleiß nicht nur einen AMADEUS AUSTRIAN MUSIC AWARD in der Kategorie „Alternative Pop/Rock“ eingebracht, sondern auch eine sehr stabile Fanbase. Und diese wird sicher schon vor Neugier auf das neue Album „Wach“ (Problembär Records) zergehen, auf dem DER NINO AUS WIEN seinen Status untermauert.

Cover “Wach”

Seit der Zeit, als Myspace noch die Internetidentität bestimmte, macht Nino Mandl Musik. Und dabei kennt man ihn gar nicht wegen instrumenteller Höhenflüge, sondern weil er ein Poet ist. Und als Poet steht dann doch der Text, das wörtliche Arrangement, im Vordergrund. Die österreichische Musikszene hat sich ein Genre wiedererobert, das wohl nicht immer so salonfähig war – zumindest, wenn man die coolen Kids fragt. Der Name „Austropop“ klingt schon ein bisschen, als könnte man die musikalischen Protagonistinnen und Protagonisten nicht ganz ernst nehmen, wobei das wirklich in den meisten Fällen ein absoluter Schmarrn ist.

Keine aufwendigen Melodien, aber umso schönere Texte.

Man denke nur an Voodoo Jürgens, dessen Strizzi-Charme und wienerische Lyrics hochgepriesen werden. Auch er ist ein bisschen im Windschatten von Der Nino aus Wien mitgefahren und hat sich dann seine wohlverdiente Aufmerksamkeit geholt. Und das soll nicht heißen, dass Mandl der einzige Austropop-Künstler in Österreich ist, der was zu sagen hat. Trotzdem ist er einer von denen, die Austropop auf FM4 und so in die Playlists junger Leute verpflanzt haben.

Und das ist wirklich etwas, was man ihm hoch anrechnen muss. Trotzdem heißt das nicht, dass jedes seiner Alben das Genre Austropop revolutionieren muss beziehungsweise revolutioniert. Und so ist sein neues Album „Wach“ eben kein Game Changer, aber eine sehr solide Platte. Der musikalische Aspekt ist wie gehabt: nicht zu aufwendige Melodien, die sehr gitarrenlastig sind und an Indie-Pop erinnern. Sie sollen die Texte unterstützen, ihnen aber nicht die Schau stehlen. Wobei man „Tränen machen wach“ schon hervorheben muss, denn hier verändert sich die Songstruktur zum Refrain hin sehr. Die Strophe lebt von einer drängenden Atmosphäre, die sich im Refrain entladen kann. Dabei erinnert die Melodie irgendwie an Italien, Sommer und Meer, was herzlich wenig mit den Lyrics zu tun hat. Und das macht den Song noch eingängiger, wenn man schon nach einmaligem Hören fröhlich die Zeile „Tränen machen wach“ vor sich her singt.

Musikalisch gehen einige Songs in Richtung Nancy Sinatra und Lee Hazlewood. So etwa auch „Tal der Qual“, das hervorragend zu den beiden Künstlern gepasst hätte. Der Nino aus Wien gibt dem Song schon Charakter, aber er wird wohl weiterhin nicht für seinen emotionalen Gesang bekannt sein. Diese scheinbare Passivität könnte man als störend empfinden, würde sie nicht perfekt mit dem wienerischen Dialekt harmonieren und sowieso sehr gut zur Stimme des Sängers passen. Manchmal wünscht man sich aber ein wenig mehr Gefühl, wie beispielsweise beim Lied „Zeit zum Werden“.

Dieser Song ist verspielt, düster und exotisch zugleich und zählt so zu den interessantesten Liedern auf „Wach“. Er ist ein Grower, was bedeutet, dass er bei jedem Mal Hören interessanter wird. So geht es einem auch mit dem Opener „Was ich schon gefunden hab“, wobei man den Songs anfangs für ein kitschiges Pop-Lied halten könnte. Doch da tritt immer mehr Mandls Stimme in den Vordergrund und seine charmante Art, Wörter so zu betonen, dass sie sich perfekt in den Song einfügen. Und das fasst „Wach“ auch ganz gut zusammen: Es ist eine Sammlung von Songs, die zwar von anderen Künstlern auch performt werden könnten, aber dort ihren ganz eigenen Charakter verlieren würden, der mit Der Nino aus Wien steht und fällt.

Anne-Marie Darok

Der Nino aus Wien live

  • 06.04. Cinema Paradiso, St.Pölten
  • 07.04. Arena, Wien
  • 08.04. Generalmusikdirektion, Graz
  • 20.04. Posthof, Linz
  • 21.04. Tiki Beat, Regensburg
  • 22.04. Gei Club, Timelkam
  • 04.05. Milla, München
  • 05.05. Saumarkt, Feldkirch
  • 19.05. Stereoclub, Kärnten

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