
Formal zwar gleichgestellt, ist es für Frauen in der Gegenwartsmusik immer noch kein leichtes Unterfangen, sich gegen die männliche Dominanz in den verschiedenen musikalischen Sparten zu behaupten. Aber wie sagt man oft so schön: “Der stete Tropfen höhlt den Stein”, und so ist in der Vergangenheit doch etwas in Bewegung geraten. Erfreulicherweise in eine positive Richtung, denn es zeigt sich, dass die Zahl der KünstlerInnen, die sich vor allem in den experimentelleren musikalischen Kontexten gegen auch zum Teil widrige Umstände durchsetzen und einen Namen machen konnten, stark angestiegen ist.
Die Mauern der traditionell eher starr definierten Szenen haben in geschlechterspezifischen Fragen kleine Risse und Brüche bekommen, durch die nun ein frischer kreativer Wind weht, der neue musikalische Sichtweisen, Positionen, Auseinandersetzungen und Perspektiven sucht und zulässt. Dass die Bemühungen trotz aller Entwicklungen noch lange nicht an ihr Ende gelangt sind, ist klar, denn ganz ist das vorurteilsbehaftete und limitierende Denken vergangener Tage noch nicht aus den Köpfen der Leute verschwunden. Es heißt also, weiter intensivst Aufklärungsarbeit zu betreiben.
Und genau eine solche macht auch die inzwischen dritte freiStil-Samplerin, zeigt sie doch deutlich, welch künstlerischer Vielfalt, Innovation und höchster Qualität die Arbeiten der Protagonistinnen der zeitgenössischen Musikformen sind. Mit Stücken auf dieser überaus interessanten Kollektion vertreten sind Liz Allbee, Isabelle Duthoit, Ingrid Eder, Tanja Feichtmair, Elisabeth Harnik, Irene Kepl, Ingrid Laubrock, Ushi Reiter, Ingrid Schmoliner und Dorothea Schürch. Stilistisch spannt sich der Bogen der zu hörenden musikalischen Darbietungen von der freien Improvisation, über Elektronik und eigenwilligen Rockinterpretationen bis hin zu experimentellen und elektroakustischen Klangversuchen. (mt)