Cécile Nordegg – „ON TOUR”

Kennt man das bisherige Schaffen von Cécile Nordegg, wird schnell klar: Sie denkt Musik nicht in Kategorien, sondern als offenes Feld – und begreift künstlerischen Ausdruck als offenen Prozess. Ihre Arbeiten leben von Neugier, vom Ausloten kultureller Räume und von der Lust, Unterschiedliches nicht nur nebeneinanderzustellen, sondern miteinander in Bewegung zu bringen.

Mit „ON TOUR“ legt die Wienerin nun ein Doppelalbum vor, das genau aus dieser Haltung heraus entstanden ist – und sie in verdichteter Form hörbar macht. Die Basis bilden spontane Live-Mitschnitte aus Städten wie Dakar, Guatemala City und Los Angeles, also Momentaufnahmen unmittelbarer Begegnung. Statt des Klangs einer perfekten Produktion dominieren hier das Ungeplante, das Reagieren im Augenblick und das Vertrauen in das gemeinsame Spiel. Aus diesen Situationen entwickelt sich ein vielschichtiges Klangbild, gespeist aus Jazz, Chanson, und unzähligen weltmusikalischen Einflüssen.

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Was dieses Album besonders macht, ist weniger die stilistische Bandbreite an sich als die Art, wie sie organisiert ist. Kora, Marimba, Saxophon, Piano und Percussion treten in einen stimmungsvollen und leidenschaftlichen musikalischen Dialog, in dem sich Atmosphäre und Energie organisch verdichten. Cécile Nordeggs Stimme fungiert dabei als verbindendes Element – mal erzählerisch, mal rhythmisch gesetzt, mehrsprachig und flexibel in ihrer Ausdrucksweise. Sie singt in vielen Sprachen, was den Eindruck eines musikalischen Raums, der sich ständig erweitert, noch verstärkt.

„ON TOUR“ ist damit kein klassisches Konzeptalbum, sondern eine lose Sammlung von Eindrücken, Begegnungen und musikalischen Skizzen, die sich zu einem stimmigen Gesamtbild fügen. Es geht um Austausch und um die Freude daran, Grenzen zu überschreiten und Neues zu entdecken. Gerade diese Selbstverständlichkeit verleiht der Musik ihre Atmosphäre: warm, lebendig und von einer stillen Intensität getragen.

Am Ende bleibt ein Album, das weniger beeindrucken will, als vielmehr einlädt – eines, zu dem man gerne zurückkehrt, weil es bei jedem Hören neue Facetten offenlegt.

Zu den Protagonist:innen des Projekts gehören: Cécile Nordegg (Vocals), Maria Salamon (Violine), Ouz Kora (Vocals, Kora, Beats), Moussa Diagne (Vocals, Piano, Synthesizer, Percussion), Konstantin B. Schmid (Piano), Walter Schmidhuber (Piano), Helmut Posch (Piano), Lamine Faye (Gitarre), Tony Pulizzi (Gitarre), Cheikh Ndiaye (Drums), Joel Taylor (Drums), Byron Campo (Drums), Christian Spörk (Bass), Carina Haselmayer (Bass, Piano, Synthesizer), Josef Schultner (Saxophon) und Fernando Vásquez (Marimba).

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