Eine Band, die sich seit jeher elegant zwischen den Stühlen positioniert, ist die Wiener Formation BELLE FIN. Mit ihrem neuen Album „Fest“ (bader molden recordings; VÖ: 19.09.) zelebrieren Fabian Belfin-Wisniewski und Robin Ullmann einmal mehr ihre ganz eigene musikalische Sprache – eine, die tief im Wienerischen verwurzelt ist, sich aber gleichzeitig mit einer beeindruckenden Offenheit aus einem weiten Spektrum an Einflüssen bedient. Das Duo vertont seine ganz persönlichen Geschichten und tut dies auf eine Weise, die ebenso berührt wie fasziniert.
Der Titel „Fest“ mag zunächst eine ausgelassene Feierlichkeit suggerieren, doch Belle Fin wären nicht sie selbst, wenn sie die Dinge nicht komplexer gestalten würden. Die Texte erzählen von den Höhen und Tiefen menschlicher Existenz, von Liebe und Verlust, von rauschhaften Nächten und dem Ringen um Wahrhaftigkeit. Passend dazu ist die Grundstimmung des Albums eine melancholische, eine, die sich mal in tiefe, fast greifbare Traurigkeit stürzt, um sich im nächsten Moment wieder in hoffnungsvollere, lichtere Sphären zu erheben. Es ist ein ständiges Wechselspiel der Emotionen, das die Hörer:innen auf eine intensive Reise mitnimmt.
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Musikalisch manifestiert sich diese Vielschichtigkeit in einem ungemein reichen Sound. Da trifft die Tradition des Wienerlieds auf dezenten, verrauchten Jazz und Blues, da blitzen Indie-Anleihen und eine fast punkige Räudigkeit durch ein ansonsten elegantes Chanson-Gewand. Manche Songs entfalten einen wunderbar zirkushaften, theatralischen Flair, der Bilder von verrauchten Varieté-Bühnen heraufbeschwört, bevor das Pendel wieder in Richtung sanften Schwungs ausschlägt. Die Kunst von Belle Fin liegt darin, diese scheinbar widersprüchlichen Elemente zu einem stimmigen Ganzen zu formen. Die unverkennbare Kombination aus Fabian Belfin-Wisniewski prägnantem Gitarrenspiel und Robin Ullmanns Trompete, deren Klang für eine weitere schöne, stimmungsbildende Facette sorgt, erzeugt dabei eine Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Gelegentlich erweitern Matthias Ihrybauer an der Ziehharmonika und Peter Engel am Kontrabass das Duo und bereichern das ohnehin farbenreiche Klangbild um zusätzliche Tiefe und Nuancen.
„Fest“ ist somit weit mehr als nur ein Album. Es ist eine Einladung in den Kosmos von Belle Fin, ein Ort, an dem die Schwermut tanzbar wird und die Geschichten des Alltags eine poetische, eindringliche Stimme bekommen. Einmal mehr ein starkes Statement einer der interessantesten Formationen der heimischen Musikszene.
Michael Ternai
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Belle Fin live
04.10. Schauspielhaus, Wien, ALBUM RELEASEKONZERT Tickets
11.10. Theater am Spittelberg, Wien Tickets
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bader molden recordings
