
Nein, das Metier des musikalisch Gewöhnlichen war jenes des Werner Kitzmüller noch nie. Seit nun über einer Dekade bastelt der Sänger und Gitarrist schon an seiner ganz eigenen und unverkennbar nach ihm klingenden Version des Liedermachertums. Ohne irgendwelche pathetische oder klischeebeladene Gesten, mit einer edlen Zurückhaltung und dem Wissen, wie man mit wenigen Mitteln die größtmögliche Wirkung zu erzielen, entwirft Kitzmüller faszinierende Lieder, die von einer solch Intensität und emotionaler Verdichtung sind, wie man es sonst nur selten zu Gehör bekommt. Die Musik des Wieners atmet Melancholie und Traurigkeit im großen Stile, sie dient als Vehikel dafür, die tiefsten Gefühle nach außen zu tragen und ist von einer faszinierenden Zerbrechlichkeit, die vom ersten Moment an fesselt und staunend zurücklässt.
Wie meisterlich Werner Kitzmüller seine Kunst beherrscht, bewies der Liedermacher und Perfektionist zuletzt im vergangenen Herbst auf seinem neuen Album “Evasion”, an welchem er zehn Jahre herumgefeilt hat. Alleine eine Gitarre, ein Piano, ein Cello, einige wenige elektronische Spielereien sowie seine tiefe und ausdruckstarke Baritonstimme reichen dem Wiener aus, eine fast alles umschließende Atmosphäre zu erschaffen. Stilistisch irgendwo zwischen Singer/Songwritertum, Pop, und Blues agierend, übersetzt der Wiener seine Ideen in vielschichtige, ungemein detailverliebte und abwechslungsreiche Arrangements, die immer wieder neue Geheimnisse und überraschende Zwischentöne offenbaren.
Werner Kitzmüllers Musik ist einfach ganz großes, faszinierendes, hochemotionales und tiefsinniges Klangkino. Liebhaber des niveauvollen Liedermachertums werden an diesem Konzertabend daher mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen. (mt)