Ausschreibung SIMULTAN 2025/26 – Zeitgenössische Kunstproduktion in Salzburgs Regionalmuseen

Im Kontext des Jubiläums “500 Jahre Bauernkriege” lädt das Land Salzburg Künstlerinnen und Künstler aller Sparten ein, sich mit den Themen Widerstand, Konflikt und Veränderung auseinanderzusetzen. In der Förderreihe “SIMULTAN” sollen auf Basis der historischen Ereignisse und Sonderprogramme kreative Beiträge in Salzburger Regionalmuseen entwickelt werden. Die Präsentation der Projekte erfolgt terminlich aufeinander abgestimmt im Frühjahr 2026. Einreichfrist: 30. Juni 2025

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erlebte Mitteleuropa eine Phase des Umbruchs mit klimatischen Veränderungen („kleine Eiszeit“) und wirtschaftlicher Krise. Dies mündete in Aufständen und kriegerischen Auseinandersetzungen. Besonders in den Jahren 1525 und 1526 kam es im deutschsprachigen Raum zu Belagerungen von Städten, blutigen Kämpfen gegen die Landesherren und schließlich zur Niederschlagung der Aufständischen.

In Salzburg war es 1525 weniger ein Aufstand der Bauern als vielmehr der Bergknappen und Bergbauunternehmer aus Gastein und Rauris, die das Kommando übernahmen. Wirtschaftliche Interessen und die aufkeimende Reformation spielten ineinander und befeuerten den Widerstand gegen den Fürsterzbischof.

Am 24. Mai 1525 versammelten sich Gasteiner Bergleute am Silberpfennig, schon am 27. Mai 1525 besetzten Bergleute die Burgen in Werfen und Golling und am 6. Juni erreichte der Aufstand die Residenzstadt Salzburg. Die Bürgerschaft öffnete die Stadttore und der Erzbischof brachte sich auf der Festung in Sicherheit. Am 16. August 1525 rückten die Truppen des Schwäbischen Bundes zur Unterstützung für Kardinal Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg nach Salzburg vor, Ende August 1525 erfolgte der Waffenstillstand.

Der zweite Bauernaufstand 1526 begann in Saalfelden und weitete sich auf den ganzen Pinzgau und den Pongau aus. Die Aufständischen scheiterten, das Radstädter Blutgericht am 11. Juli 1526 steht für das Ende der zweiten Aufstandswelle. Die autoritäre Kontrolle gegen politischen Widerstand wurde verschärft. Die Gegenreformation mit landesfürstlicher Härte in Form von Vertreibung in den folgenden Jahrzehnten fortgesetzt.

Weitere Informationen: Ringvorlesung „Aufstand. Der „Bauernkrieg“ in Salzburg 1525/26: www.unitv.sbg.ac.at

„Bauernkriege“. Schnee von vorgestern oder Utopien für die Gegenwart?

Anlässlich des 500JahrJubiläums dieser Aufstände organisiert das Land Salzburg eine Reihe von Veranstaltungen und Ausstellungen. Dabei geht es nicht nur um das Erinnern an die Ereignisse von damals, sondern um aktuelle Fragestellungen aus der Perspektive der Gegenwart:

  • Welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Umbrüche und Veränderungsprozesse fordern uns heute heraus?
  • Was bedeutet Widerstand im 21. Jahrhundert?
  • Wer sind die „Aufständischen“ heute (soziale Herkunft, Geschlechterverteilung, Altersstruktur)?
  • Welche neuen gesellschaftlichen Modelle werden erkämpft?
  • Wie sieht Partizipation in unserer Gesellschaft heute aus?
  • Welche Rolle spielen Mythen, Helden und Narrative und wie entstehen sie?
  • Wie gehen wir mit Konflikten um und welche Lösungswege suchen wir?
  • Was macht ein Aufstand mit der unmittelbaren Umgebung?

Diese und ähnliche Fragestellungen stehen im Mittelpunkt der Ausschreibung „SIMULTAN 2025/26“.
Die Ausschreibung „SIMULTAN 2025/26“ soll die ereignisgeschichtlichen Veranstaltungen und Ausstellungen durch neue Blickwinkel ergänzen.
Mit den Ausdrucksformen zeitgenössischer Kunst werden Fragestellungen der Gegenwart zu den Themen Widerstand, gesellschaftliche Bruchlinien und Konfliktlösungen gesucht.

Folgende Museumsstandorte bieten sich für SIMULTAN 2025/26 an:

  • Vogtturm, Zell am See
  • Landschaftsmuseum Mauterndorf
  • Museum Schloss Ritzen, Saalfelden (nur innen)
  • Kaprun Museum (nur im Außenbereich)
  • Kapuzinerturm Radstadt
  • Felberturmmuseum Mittersill

Künstler:innen aller Sparten sind eingeladen, auf Basis der historischen Ereignisse und Sonderprogramme des jeweiligen Standortes künstlerische Interventionen zu entwickeln.
Ziel ist es, sich mit einem Museumsstandort intensiv auseinanderzusetzen, die eingangs angeführten Fragestellungen zu reflektieren und ortsspezifische künstlerische Arbeiten zu schaffen. Alle Ausdrucksformen zeitgenössischer Kunst sind möglich.
Die Künstler:innen werden an die jeweilige Museumsleitung herangeführt, im Prozess der Auseinandersetzung begleitet und die Projektpartner:innen in ihren Anliegen von der Kulturinitiative periscope begleitet und unterstützt.
Die entstandenen Werke und Prozesse werden schließlich im Museumsdisplay vermittelt und über die Laufzeit hinaus in einer digitalen Dokumentation virtuell erlebbar sein.

Ziele SIMULTAN

  • akzentuiert museale Strukturen, wie sie im Land Salzburg entstanden sind,
  • fördert transdisziplinäre und spartenüber greifende Auseinandersetzungen,
  • regt zu neuen künstlerischen Prozessen an,
  • verbindet Kunst und Kultur in ihren vielfältigen Erscheinungsformen,
  • vernetzt zwischen zeitgenössischen Kunst an liegen und Kulturarbeit in den Regionalmuseen,
  • vermittelt an ein heterogenes Publikum,
  • fördert ein örtliches und gleichrangiges Kunst und Kulturverständnis,
  • nutzt digitale Technologien zur Vermittlung im virtuellen Raum,
  • setzt sich für Erleben und Verstehen von Kunst und Kultur ein.

Ablauf

  • Zeitgenössische Künstler:innen mit Salzburgbezug sind eingeladen, sich mit ihrem Portfolio zu bewerben und sich nach Rückmeldung auf ihre Bewerbung in ihrem künstlerischen Prozess mit den oben angeführten Regionalmuseen auseinanderzusetzen.
  • Alle Kunstsparten, Gattungen und jegliche künstlerischen Ausdrucksformen in analogen, digitalen oder hybriden Medien sind erwünscht.
  • Die Umsetzung der künstlerischen Arbeit erfolgt in engem Dialog zwischen regionaler Museumsleitung, der Kulturinitiative periscope und den Künstler:innen.
  • Die künstlerischen Interventionen beziehen sich in nachvollziehbarer Weise auf das Generalthema „500 Jahre Bauernkrieg“ bzw. die sich aus der Perspektive der Gegenwart ergebenden Fragestellungen.
  • Die künstlerischen Arbeiten werden im ausgewählten Regionalmuseum im Herbst/Winter 2025 realisiert. Die Eröffnungen bzw. Präsentationen der umgesetzten Projekte erfolgen aufeinander abgestimmt im Frühjahr 2026.
  • Darüber hinaus sind die künstlerischen Interventionen digital erlebbar. Die Arbeit bleibt im Besitz der Künstler:innen.
  • Die ausgewählten Projekte werden in entsprechender Form vermittelt und unter dem Titel SIMULTAN miteinander verknüpft und veröffentlicht.
  • Jedes Projekt wird mit Euro 2.500 honoriert. Zusätzlich können pro Projekt bis zu Euro 5.000 Produktionskosten und Spesenerstattung für Reise und Transportkosten geltend gemacht werden. Insgesamt steht ein Budget von Euro 37.500 zur Verfügung.
  • Auswahl: Eine unabhängige Jury wählt jene Projekte aus, die in Kooperation mit den Regionalmuseen umgesetzt werden. Die Entscheidung wird bis 30. Juli 2025 bekannt gegeben.

Bewerbungsrichtlinien

Ausschreibungsbedingungen

  • Voraussetzung zu Ihrer Bewerbung ist Ihr Salzburgbezug:
  • Sie sind in Salzburg (Stadt/Bundesland) geboren oder
  • seit mindestens zwei Jahren in Salzburg (Stadt/Bundesland) wohnhaft (Hauptwohnsitz) oder
  • Sie haben den Arbeitsschwerpunkt oder künstlerischen Schwerpunkt kontinuierlich in Salzburg.
  • Der entsprechende Nachweis (Meldezettel nicht älter als 4 Wochen, Geburtsurkunde) ist der Bewerbung beizulegen.
  • Eine mehrjährige, qualitative künstlerische Praxis sowie Erfahrungen und Interesse mit ortsspezifischen, prozessualen Auseinandersetzungen ist ausdrücklich erwünscht.

Einreichunterlagen

  • Dokumentation der künstlerischen Arbeit: Portfolio oder Fotos von Arbeiten (mit Angaben zu Technik, Jahr, Sparte)
  • Motivationsschreiben: Beschreibung des künstlerischen Ansatzes oder eines Vorhabens incl. Grobkostenkalkulation (max. 2 Din A4 Seiten)
  • Lebenslauf (künstlerischer Werdegang, berufliche Situation, Ausstellungsverzeichnis, Projekte, Förderungen von Land Salzburg/Stadt Salzburg/Bund in den letzten drei Jahren).
  • Ihre Einreichung ist nur mit ausgefülltem und unterschriebenem Einreichungsbogen gültig. Download: www.salzburg.gv.at/kultur-formulare
  • Die gesamten Unterlagen sind unter dem Begriff SIMULTAN per E-Mail an kunst-kultur@salzburg.gv.atzu senden.
  • Bei der Übermittlung von größeren Datenmengen verwenden Sie bitte Online-Plattformen wie z.B. WeTransfer.

Einreichfrist: 30. Juni 2025

Für weitere Auskünfte
Land Salzburg
Referat 2/04 Kunst und Kultur
Dr. Andrea Blöchlköstner
andrea.bloechlkoestner@salzburg.gv.at

Tel.: +43 662 80422472 Weiterführende Informationen zum Jubiläum 500 Jahre „Salzburger Bauernkriege“ finden Sie unter folgendem Link: www.unitv.sbg.ac.at