Bild The Devil And The Universe
The Devil And The Universe (c) Maria Wagner

„Als Maler würden wir mit sehr starken Farben malen” – THE DEVIL & THE UNIVERSE im mica-Interview

THE DEVIL & THE UNIVERSE haben für ihr drittes Album „Benedicere“ den Pilgerweg nach Lourdes beschritten und sind akustisch in die religiöse Welt des Christentums eingetaucht. Im mica-Interview mit Julia Philomena berichten DAVID PFISTER, ASHLEY DAYOUR und STEFAN ELSBACHER von ihrer gemeinsamen musikalischen Spielwiese, der Auseinandersetzung mit dem Mystizismus und vom „Lied der Bernadette“.

Wie avancierte Ihr ursprüngliches Musikprojekt zur Band THE DEVIL & THE UNIVERSE?

David Pfister: Ashley und ich haben für einen Elektro-Gothic-Künstler einen Remix produziert und dann in weiterer Folge musikalisch in einer Dark-Ambient-Band zueinandergefunden. Das hat gut harmoniert, weil wir soundtechnisch viele Schnittstellen hatten. Uns beiden gefiel die Synergie aus Dark Ambient, Black Metal und auch Psychedelic. Nach unserem ersten Album ist Stefan dazugekommen, weil uns klar war, dass es als Duo vermutlich bei einem Projekt geblieben wäre und keine Band hätte entstehen können. Es bedurfte einer dritten Person, die vor allem bei Livekonzerten mit uns gemeinsam die vielen Instrumente bespielen kann.

Stefan Elsbacher: Ich habe David damals erzählt, dass ich begonnen hätte, Schlagzeug zu lernen, und er meinte: „Super, dann spiel’ für uns! Je mehr, desto besser! Je mehr, desto mehr Lärm!“ Obwohl ich anfangs skeptisch gewesen bin, hat dann aber interessanterweise alles gut funktioniert.

Ist die erhoffte Dynamik eines Trios aufgegangen?

David Pfister: Ja! Wir haben dem Ganzen nicht so eine Schwere beigemessen. Und das war auch ganz wichtig, weil wir dadurch sehr unbefangen an die Musik herangegangen sind. Dass etwas so Großes daraus entstehen würde, so groß wie es jetzt ist, hätten wir uns alle nicht gedacht.

Ashley Dayour: Genau, diese Unbefangenheit hat das ganze Projekt immer größer werden lassen, war ausschlaggebend dafür, tatsächlich eine Band zu werden. Wir wollten etwas anderes machen als Rockmusik, wollten aus diesem Kontext ausbrechen – und der Befreiungsschlag ist uns geglückt, sogar relativ schnell.

Stefan Elsbacher: Man konnte vieles ausprobieren, das hat mir gut gefallen. Dass nicht schon ein optimaler, perfekter Sound vorgegeben war, sondern dass das Experimentieren im Vordergrund stand. Deswegen war für mich der Einstieg auch leichter als gedacht, weil mir die Ungezwungenheit den Druck genommen hat.

David Pfister: Eigentlich wundert es mich, wieso unsere Band überhaupt so erfolgreich geworden ist. Wir haben weder klassische Songstrukturen noch Gesang, und ohne vokale Ebene funktionieren erfolgreiche Bands sehr oft sehr schwer. Zwar haben wir Melodien, aber auch die sind weit entfernt vom Kommerz. Wir sind mehr eine akustische Spielwiese und von Beginn an eine Art Soundexperiment gewesen.

Ähnlich der Filmmusik?

Stefan Elsbacher: Filmmusik ist definitiv ein gutes Schlagwort, da sich unsere Tracks ja auch sehr soundtrackartig anhören und gut in das Genre passen.

Ashley Dayour: Die Horror- und Science-Fiction-Filmmusik der 70er- und 80er-Jahre hat einen großen Einfluss auf uns ausgeübt. Das hört man auch relativ deutlich heraus, denke ich. Es ist dem Cineastischen sehr nahe. Unsere Musik soll ein Kopfkino erzeugen, eine spannende Atmosphäre, die die Hörerinnen und Hörer auf eine Reise mitnimmt.

„Das Thema ist unser Werkzeug, unser Instrument, um etwas Neues zu kreieren.“

Für das neue Album sind Sie nach Lourdes gepilgert und musikalisch dem Christentum verfallen. Ist ein starkes Leitmotiv essenziell?

David Pfister: Wir haben uns diesmal bei „Benedicere“ für die Religion und das Christentum als Leitfaden entschieden, weil das thematisch und akustisch gut zu unserem bisherigen Sound passt. Zu den düsteren, magiegetränkten Tönen – und thematisch zum Mystizismus, zu Aberglauben und Satan. Ein Leitmotiv haben wir immer, ja. Und es war auch eine bewusste Entscheidung, nach Lourdes zu gehen, weil wir immer an seltsame Orte fahren. Diesmal die christliche Symbolik, in der man sich schließlich auch gut austoben und verlieren kann.

Ashley Dayour: Das Thema ist unser Werkzeug, unser Instrument, um etwas Neues zu kreieren.

David Pfister: Manchmal ist die Auseinandersetzung auch abstoßend. Aber der spielerische Umgang und die Konfrontation machen Spaß und wahnsinnig viel Freude. Vor allem stürzen wir uns immer in Welten, die eine enorme Kraft besitzen. Als Maler würden mit sehr starken Farben malen, als Musiker so spielen wir mit sehr starken Symbolen.

Stefan Elsbacher: Dabei kann man durchaus hineinkippen, Dinge spüren, die man nicht wollte oder von denen man dachte, sie gar nicht spüren zu können, ganz unabhängig vom Thema. Wenn sich ein Atheist in die Kirche setzt, spürt er wahrscheinlich trotzdem etwas und reagiert darauf. Und um diese Reaktion, egal ob gut oder schlecht, um die geht es.

David Pfister: Außerdem wäre es langweilig gewesen, wieder den Satan zu zitieren. Dann würden wir uns wie eine Black-Metal-Band fühlen.

Ashley Dayour: Deswegen haben wir uns diesmal die „andere Seite“ vorgenommen, und nicht – wie auf den letzten beiden Alben – das Satanistische thematisiert, sondern den Marienkult, den Geisterglauben, das Rituelle allgemein.

Stefan Elsbacher: Als Einfluss zählt natürlich auch „Das Lied von Bernadette“, also die Heiligenerscheinung eines Mädchens im besagten Lourdes. Diese Geschichte hat uns inspiriert.

Steht eine Reise zwangsläufig in Verbindung mit Ihrer Musik und einer neuen Platte?

Stefan Elsbacher: Ja! Beim letzten Album „Haunted Summer“ sind wir zusammen in den Wald gefahren und haben mit den Geistern kommuniziert.

David Pfister: Und bis heute werden uns sehr seltsame, kryptische Botschaften mitgeteilt [lacht]. Eine Aktion und die damit verbundene Auseinandersetzung mit einem Thema sind sehr wichtig für uns, damit es für unsere Hörerschaft spannend bleibt. Deswegen arbeiten wir an diesem Ambient-, Industrial-, Elektro-Sound. Da gibt es zwar sehr viele Bands, die auch auf sehr hohem Niveau unterwegs sind, nur wird es oft auch sehr schnell langweilig. Ich meine, wie viel Rauschen mit Tröpfeln kann man noch ertragen?

„Unsere Musik wird von unseren merkwürdigen Konzepten getragen […]“

Wie wichtig ist die Live-Performance?

David Pfister: Die akustische Ebene ist mit der visuellen sehr verwoben. Das eine würde ohne das andere nicht funktionieren. Unsere Musik wird von unseren merkwürdigen Konzepten getragen, von den komischen Orten, an denen wir spielen oder an denen uns die Muse küsst. Sowohl das Artwork, die Visuals als auch die Bühnenästhetik greifen ineinander.

Bild The Devil and the Universe
The Devil and the Universe (c) Maria Wagner

Stefan Elsbacher: Auf Platte klingen wir natürlich anders als auf der Bühne. Je nachdem wie viel Information man sich aneignen möchte, bekommt man vom Geschehen auf der Bühne mehr oder weniger mit. Hintergrundinformationen wirken sich immer auf das Hörverständnis aus. Parallelen zu erkennen ist aber sicher nicht obligat, auch wenn sie die Wahrnehmung beeinflussen. THE DEVIL & THE UNIVERSE ist als Gesamtkunstwerk zu betrachten und kann deswegen ganz unterschiedlich aufgenommen und interpretiert werden.

David Pfister: Obwohl wir uns live – wie Kinder auf dem Spielplatz – sehr austoben, sind wir bei unseren Konzerten dramaturgisch an die Visuals gebunden. Wir können mit der Tracklist nicht spontan variieren, weil alles zusammenhängt. Unsere Konzerte sind also mehr eine Performance.

Haben Sie Erwartungen an die Hörerinnen und Hörer?

Ashley Dayour: Nur, dass sie zuhören!

Stefan Elsbacher: Wir drei haben ja auch eine unterschiedliche Auffassung und rezipieren anders. Aber man könnte uns zum Beispiel sehr lustig finden oder überhaupt deppert. Dass man uns nicht ganz ernst nimmt, ist mir wichtig. Das Augenzwinkern ist schon absichtlich dabei.

„Die Zeitungen schreiben, dass wir Satanisten sind!“

Ziegenmasken?

Stefan Elsbacher: Ja, das ist ein gute Überleitung [lacht]!

David Pfister: Auf der Bühne tragen wir Ziegenmasken, weil der Baphomet unser Sinnbild ist. Das ist ein seltsames Wesen mit Brüsten, könnte ein Mann, aber auch eine Frau sein in unseren Augen ein so freies, nihilistisches und geschlechtsloses Wesen, dass es gut zu unserer Musik passt. Wir finden es sehr sympathisch.

Stefan Elsbacher: Aber auch hier meldet sich die Ambivalenz zurück: Wir tragen zwar die symbolträchtigen Masken, allerdings sind sie aus billigem Plastik. Da zwinkert das Auge schon wieder.

Wo findet Ihr Album-Release-Konzert statt?

Ashley Dayour: Unsere erste Show zur Platte wird in Rom sein. Das passt so wunderbar. Und dann sind wir auch noch auf dem italienischen Label „rustblade records“. Everything falls into place!

David Pfister: Und in Polen spielen wir auch. In einer Kirche. Die Marienstatuen werden wahrscheinlich weinen.

Ashley Dayour: Dass uns die in die Kirche lassen …

David Pfister: Die Zeitungen schreiben, dass wir Satanisten sind [lacht]!

Und in Wien?

Ashley Dayour: In Wien spielen wir am 30. April im Viper Room – zur Walpurgisnacht!

Danke für das Gespräch!

Julia Philomena

THE DEVIL & THE UNIVERSE live
12.03.2016 Zürich, Dynamo (CH)
27.03.2016 Black Easter Festival, K17, Berlin (GER)
30.04.2016 Sabbath, Bloody Sabbath Festival Viper Room, Vienna (AT)
23-24.07.2016 Amphi Festival, Lanex Arena, Cologne (GER)
29-31.07.2016 Castle Party Festival, Bolkow (PL)
20-21.08.2016 Dark Bombastic Evening Festival, Alba Iulia Fortress (ROU)

 

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